Make Germany Great Again! Warum wir auf US-Kritik am Gas-Deal mit Russland pfeifen sollten

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Vor wenigen Tagen berichteten unsere Medien über lautstarkes Gepolter aus dem Weißen Haus. US-Präsident Donald Trump wetterte gegen den Bau der Pipeline Nordstream 2, die für die Russen ebenso wie für uns ein Bombengeschäft bedeuten wird. Warum ist der Ami so eingeschnappt? Weil wir Deutschen lieber amerikanische Rohstoffe kaufen sollen?

Manchmal ist Geo-Politik so einfach. Da geht es nur um Haben oder Nicht-Haben. In den deutsch-amerikanischen Beziehungen spielen darüber hinaus noch einige Altlasten eine wichtige Rolle. Deals mit den Russen sieht man in Übersee wohl auch heute noch nicht gerne. Ein geostrategisches Sakrament in Washington ist schon lange, dass man die Verbindung von deutschem Erfindergeist und russischen Rohstoffen unbedingt und um jeden Preis verhindern müsse (siehe Ukraine). Hierzu wird man nicht müde, immer wieder auf die Äußerungen des US-Strategen George Friedman hinzuweisen, der genau das 2015 in einer Rede vor der versammelten Presse ungewohnt offen auf den Punkt brachte.

Eine deutsch-russische Freundschaft liegt also nicht im Interesse der Amerikaner. An diesem Dogma hat auch Donald Trump nichts ändern können (oder wollen). Die Amis spielen sich wie eh und je gerne wie eine gekränkte Liebhaberin auf, sobald Deutschland auch nur irgendwelche Anstalten macht, auf die eigenen Interessen zu schauen, was ja selten genug der Fall ist. Der Fall Nordstream ist ein Beispiel hierfür. Trump sprach erbost davon, dass die deutsche Regierung nun „Milliarden nach Russland pumpen“ wolle. Dazu kann man nur sagen: Ja. Und? Es ist ja nicht so, als sei das „Pumpen“ dieser Gelder ins russische Staatssäckel ein Freundschaftsdienst der Germanen. Trump, der Super-Dealmaker, müsste das verstehen. Wir bekommen dafür dreierlei: Gute Rohstoffe zu fairen Preisen, prompte und verlässliche Lieferungen und ein Stück mehr Unabhängigkeit vom großen Bruder USA.

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Dass allerdings gefällt Trump natürlich weniger. Die von ihm eingereichte Erklärung, Deutschland könne nicht einerseits einen solchen Rohstoff-Deal mit den Russen machen und andererseits nicht die vereinbarten Gelder für die NATO (2% des BIP) bezahlen, will überhaupt nicht einleuchten. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Nachts ist es kälter als draußen? Blödsinn. Natürlich. Diese Begründung war lediglich vorgeschoben, weil dem Weißen Haus in seiner Verlegenheit nichts Besseres eingefallen ist. Bei einem Treffen mit den baltischen Staaten vorvergangene Woche ließ Trump dagegen ganz offen durchblicken, warum den USA solche Geschäfte mit Russland missfallen. Die Zeit fasst zusammen:

„Die USA haben selbst wirtschaftliche Interessen in der Region. Das Land exportiert Gas etwa nach Polen und Litauen und wirbt aktiv um weitere Kunden.“

Wenn es nur um wirtschaftliche Interessen gehen würde, wäre das Ganze wohl noch halb so wild, doch wie so oft bei den Amerikanern verbindet man das Schöne mit dem Angenehmen – und nutzt die Energielieferungen „als politisches Druckmittel gegen Moskau“ (Zeit). Eine Strategie, die bei den angespannten Verhältnissen zwischen Litauen, Estland, Lettland und Russland – zusätzlich befeuert durch permanente Russen-Hetze im Westen – eine gewisse Verschlagenheit erkennen lässt. Je schlechter die Beziehungen Russlands zu seinen Nachbarn, umso lauter klingelt es offenbar in der Kasse der USA. Kann man schon verstehen, dass manch einer keine Geschäfte mit dem Ami machen will, so es sich denn vermeiden lässt.

„Wir sind energieunabhängig – das ist keine großartige Sache für Russland“, erklärte Trump am Dienstag letzte Woche dazu. Es ist jedoch nicht die „Unabhängigkeit“, die Russland ärgert sondern die permanente, „strategische“ Einmischung in andere Länder und Beziehungen. Deutschland sollte sich von dieser Strategie nicht einspannen und sich deshalb auch von der Kritik aus Washington gar nicht beeindrucken lassen. Denn: Beleidigt sein, gilt nicht. Was Trump für sein Land immer wieder proklamierte, nämlich das selbstbewusste Aushandeln des besten „Deals“, das muss auch uns zugestanden werden. Oder nein, es muss uns nicht zugestanden werden, wir müssen es einfach machen. (Ob ein Außenminister Maas, der Trump vielleicht gerade mal zum Bauchnabel reicht, das tun kann, ist zu bezweifeln)

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Trump wird von vielen politischen Beobachtern und Kommentatoren gerade dafür geschätzt, dass er reinen Tisch gemacht und knallharte, dafür aber wenigstens ehrliche Interessenpolitik wieder zum Non-Plus-Ultra erhoben hat. Diesen Faden sollte Deutschland dankbar aufnehmen und sich endlich zu seinen eigenen Interessen bekennen. Das erste und größte ist der Frieden mit Russland, der vor allem durch gute wirtschaftliche Zusammenarbeit gefestigt werden kann.

Dass die Bundesregierung diese Tatsache, trotz der unsinnigen und gefährlichen Sanktionen gegen Russland, insgeheim schon begreifen lernt, zeigt der zeitliche Hintergrund des Deals: Die Verträge und Genehmigungen für den Bau der Pipeline wurden auf dem Höhepunkt der Skripal-Affäre abgeschlossen, als sich die Bundesregierung offiziell ganz ganz laut vom Kreml distanzierte und Außenminister Maas sogar als Zeichen der „Solidarität“ mit den Briten einige russische Diplomaten außer Landes schaffen ließ. Da ist einem die falsche Moral dann doch weniger wichtig als die eigene Brieftasche. Hier kann man ausnahmsweise mal sagen: Gut so!

Wie die Zeit berichtet, habe in der vergangenen Woche neben dem Bergamt Stralsund auch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie die Genehmigung „für einen 31 Kilometer langen Abschnitt in den Gewässern der Ausschließlichen Wirtschaftszone erteilt“. Noch im Frühjahr soll mit den Bauarbeiten der Pipeline dann endlich begonnen werden. Leiten wird die Arbeiten eine Tochter des russischen Gasriesen Gazprom.

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Über den Autor

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Katja Wolters ist bekennende Lipstick-Feministin, selbstbewusst und betont weiblich zugleich. Die zweifache Mutter und freie Journalistin lebte lange in England. Die Abwesenheit schärfte ihren Blick auf die Heimat. Denkverbote kennt sie nicht, Probleme nennt sie sofort beim Namen. Dafür lieben wir sie.

 

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