Maischberger: Ramelows große Show

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In der Talkshowrunde bei Maischberger gab es erneut die volle öffentlich-rechtliche Breitseite: Höcke ein Faschist, die CDU in der Krise, Ramelow neue Mitte mit linker Prägung, die dann aber nicht so schlimm ist. Für alle Fälle aber durfte das Expertenteam, bestehend aus drei Journalisten, alles noch einmal kommentieren und einordnen, damit jeder weiß, wie er über die Dinge zu denken hat – außer über Ramelow. Der durfte fast frei reden und sich im besten Licht darstellen.

Die Expertenjournaille

Gestern Abend durften ausgewählte Journalisten ihren unverzichtbaren Senf zum politischen Geschehen und den ausgetragenen Gesprächen abgeben. Dabei waren Cerstin Gammelin, die Parlamentskorrespondentin von der Süddeutschen; Markus Feldkirchen, politischer Autor beim Relotiusblatt der Spiegel; und zuletzt Nikolaus Blome, ehemaliger stellvertretender Chefredakteur der Bild. Gammelin durfte ihre politische Expertise zuerst darlegen, indem sie darauf hinwies, dass ja eigentlich Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP, an allem irgendwie Schuld sei: Damals wollte er in der abstrusen Jamaika-Koalition nicht mitspielen, und jetzt hätte er unbedingt seine Partei an der Spitze einer Thüringer Regierung sehen wollen – aber natürlich diesmal mit den Falschen. Zuerst lieber gar nicht statt falsch regieren, und jetzt lieber falsch regieren als gar nicht. In etwa so. Obendrein wäre die gehaltene Distanz zur Linkspartei fragwürdig, da die ehemalige DDR-Blockpartei LDP, die liberal-demokratische Partei, ja zur Wende auch in der FDP aufgegangen sei und da ja auch nichts aufgearbeitet worden wäre. Der Unterschied zwischen einer eher unbedeutenden, gleichgeschalteten Blockpartei und der ehemaligen SED ist demnach wohl nicht wirklich groß.

Dann durfte der Fachmann vom Spiegel, Feldkirchen, die Grundausrichtung der Sendung darlegen, ehe man noch den Eindruck bekommen könnte, dass hier tatsächlich frei gedacht und diskutiert werden würde. Die AfD hätte die Demokratie und alle anderen Parteien bloßgestellt, die Institutionen lächerlich gemacht und die politischen Protagonisten dieses Staates vorgeführt. Das sei der zentrale Plan der Partei (nicht etwa Politik für Deutschland zu betreiben), und er sei aufgegangen. Das Bild der sinistren, destruktiven Oppositionspartei wurde also, wie zu erwarten, zementiert.

Um eine Kritik an der Reaktion der Etablierten auf die Ereignisse im Freistaat kam man dennoch nicht umhin. Die „dunkelsten Seiten“ hätten die Parteifunktionäre angesichts des durch die AfD ausgeübten Drucks gezeigt. Und das Ganze könne ja kein Unfall gewesen sein, die schon zum hundertsten Mal gehörten Theorien über die Hintergründe und angeblichen Absprachen wurden aufgetischt. Immerhin merkte Herr Blome an, dass die Vergleiche zu Hitlers Machtergreifung und die Darstellung eines angeblichen Zivilisationsbruches dann doch zu überblasen seien. Die Ostdeutsche Frau Gammelin signalisierte dann noch einmal ihre westdeutsche Haltungsgesinnung und beschrieb ihre Heimat als eine Region, die ja noch nicht so viel Erfahrung mit der Demokratie hätte wie der Westen und sich deshalb wohl in einer „spätpubertären Phase“ befinde – und eben deshalb gegen das Wessi-Berlin aufbegehre.

Merkels Aussage, die Ergebnisse von Thüringen müssen „rückgängig gemacht“ werden, ja das wäre zwar ungeschickt gewesen, aber eigentlich müsse man es verstehen – der Ausruf Alexander Gaulands, dass die AfD die CDU und ihre Kanzlerin jagen wolle, das hätte da eine Rolle gespielt. Also wieder zentral persönliche Motive der Bundesmutti. Und nachdem der Europaabgeordnete der CDU, Elmar Brok, und Werner Patzelt von der WerteUnion sich doch recht freundlich die Bälle hin und her schoben – beide seien sich ja eigentlich einig, die AfD geht gar nicht, da müsse man die rechte Flanke schließen – wurde von den drei Experten festgehalten. Die WerteUnion sei lediglich „laut, drastisch, schrill“ und von ihrer Größe und Bedeutung eigentlich unwesentlich. Dafür findet Markus Feldkirchen den Vergleich mit der Figur des Scheinriesen aus Jim Knopf. Der Begriff des „Krebsgeschwürs“ sei dann laut Brok auch nicht der „günstigste“ gewesen, aber dennoch ein guter Vergleich – die TeaParty hätte die Republikaner in den USA in die Trumprichtung radikalisiert und das befürchte Brok bei der WerteUnion für die CDU. Die Journalistenreihe spricht dann zum Schluss noch über die politischen Ereignisse in den USA. Dabei falle auf, dass Bernie Sanders, der grade in New Hampshire seine zweite US-Vorwahl gewann, eine ähnliche Rhetorik vom kleinen Mann verwende wie Donald Trump – nur ohne die „ausländerfeindlichen und faschistischen“ Elemente. Der Faschismusbegriff hat seit Thüringen scheinbar auch im Mainstream endgültig den des Rechtspopulismus abgelöst.

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Ramelow – der moralisch reine Alleskönner

Dann war es soweit, der ehemalige Thüringer Ministerpräsident, Bodo Ramelow, durfte sich vor Maischberger bestmöglich inszenieren. Pathetisch legte er los: Im Moment der Niederlage habe er an die acht Tage zuvor anwesenden Opfer aus dem Konzentrationslager Buchenwald gedacht. Die durch dieses furchtbare Regime Ermordeten werden wieder für politische Machtspiele aufgefahren: Die absurden NS- und Holocaustvergleiche haben insbesondere im linken Spektrum Hochkonjunktur, somit ist es kein Wunder, dass Ramelow das ganze Gespräch über immer wieder an diese Ereignisse erinnern wollte. Natürlich dachte er zu keinem Zeitpunkt an sein politisches Scheitern oder seine Karriere. Die ganze Tragödie dieses parlamentarisch legitimen Prozesses wurde in pathetischer Glanzform noch mal vorgebetet – und der Bösewicht der Geschichte durfte natürlich nicht unerwähnt bleiben: Björn Höcke, auch bei Ramelow ein Faschist. Das Gerichtsurteil, das nichts dergleichen bestätigt, musste wieder als wasserdichter Beweis herhalten. Einspruch der Moderatorin gab’s natürlich nicht, ihr Widerspruch ging angesichts Ramelows ausschweifender Selbsterklärung unter. Auch er redete über offensichtliche Absprachen im Voraus und dass all sein Gerede vor der FDP und CDU ja offenbar ins Leere gelaufen sei. Einen „Klo-Deal“, von dem die Bild berichtet hatte, habe es hingegen nicht gegeben: Demnach hätten vier CDU-Abgeordnete absichtlich im dritten Wahlgang das WC aufsuchen sollen, um die Abstimmung absichtlich zu verpassen. Der politische Koordinator der Christdemokraten, Dr. Karl-Eckhard Hahn, hätte am Sonntag das ganze Szenario als „Spindoktor“ schon „in einem öffentlichen Debattenbeitrag“ dokumentiert. Angeblich hätte es in einer Erfurter Gaststätte am Abend vor der Wahl ein Treffen von CDU-Abgeordneten mit AfD-Vertretern gegeben – Beweise gibt’s natürlich keine, aber was kümmern die an dieser Stelle noch. Überhaupt müsse die CDU mit ihrer anti-kommunistischen Haltung mal „klarkommen“, sonst wäre das nicht passiert – die Öffnung nach Links für die CDU als einzig verantwortungsvolle Entscheidung also.

Ramelow, seiner Aussage nach der eigentliche Gewinner der Wahl, ist in seiner Wahrnehmung natürlich der tragische Verlierer eines parlamentarischen Putsches, mit dem ein abgekartetes Spiel getrieben wurde. Höcke wolle den Rechtsstaat aushöhlen, seine Institutionen „verächtlich“ machen und die Politik im Land wieder nach einem Männlichkeitsideal und nach deutscher Art gestalten – was auch immer das bedeuten soll. Auf seinen Tweet – das berüchtigte Foto von Hitler und Hindenburg samt Zitat des NSDAP-Führers – gefragt, ob er denn in Höcke einen Wiedergänger Hitlers sehe, kam keine klare Antwort. Die Identitäre Bewegung – die lediglich auf einen alten Tweet von Ramelow mit einem Abbild seines „alten Genossen Stalin“ hinwies, den er übrigens gelöscht hat – habe ihn zum Staatsfeind Nummer eins erklärt haben, seine Familie und er bräuchten Polizeischutz, sowas habe er noch nie erlebt – dass Kemmerichs Familie Morddrohungen erhielt, ebenfalls unter Polizeischutz stand und linksradikale Autonome FDP-Personal angriffen, erwähnt Ramelow natürlich nicht. Zuletzt wies er noch auf seine Offenheit und geleistete Zusammenarbeit mit allen möglichen Gruppen hin – von Stalinismusopfern bis hin zu Kramp-Karrenbauer – und vergleicht historische Ereignisse mit Gegenwärtigen als wiederholte Tabubrüche. Der von Maischberger verwendete Begriff „sozialistischer Ministerpräsident“ habe ihn erstaunen lassen, man solle nicht mehr „Kalter Krieg spielen“. Zugleich wolle er die DDR aber immer noch keinen Unrechtsstaat nennen.

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17 Kommentare

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    Fidel Castro am

    Hm,wenn ich wissen will,was bei Talk-Shows abläuft würde Ich sie mir in der Glotze ansehen. Will ich aber nicht.

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      heidi heidegger am

      tief rammeln? Xfrkl-watte-biss, hihi..ja wegen *low*, wie der Andorraner räppt 🙂

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        heidi heidegger am

        schön dank auch für ditt Kopfkino: Maische (übern ZDF?Schreibtisch gebeugt mit halbruntergezogener ZDF-Hose+ZDF-Schlüpper von C&A) zu R. so: "F*ck misch, Sozialist!!" + *kreisch/yapps* 😕

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        Lila Luxemburg am

        Sozialisten … sind wie Toastbrot von EDEKA (für 35 Cent) – Maische läßt nur KOMMUNISTEN ‚ran‘ … denn: Nur die Harten …. kommen in den (Paradies)Garten!! 😆

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        Lila Luxemburg am

        Rammel low an Maische:

        You’re the girl that I love best
        you’re the one that huggs my chest ….

        Aber natürlich in der Version der MUFFS!!! 😆 😆

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        heidi heidegger am

        (sweet) chariot = Streitwagen vgl. ZiegenWagenRennen, *muahagggh*

        — "Swing Low, Sweet Chariot" nimmt Bezug auf die biblische Geschichte, in der Elias (Elija) am Ende seines Lebens über den Fluss Jordan ging, dessen Wasser sich vor ihm geteilt hatte, wodurch er trocken auf der anderen Seite ankam. Dort holt ihn ein zweirädriger Triumphwagen (engl.: "chariot") ab und nimmt Elias in den Himmel. —

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        heidi heidegger am

        low = (auch) ²untään, ja? – also, geht noch einer? *abwart* gut und dankscheen: -> Rammel-low..typisch *obenrum ann heulen und ²untenrum ann keulen wohl*? jaja..

        lel

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    Jeder hasst die Antifa am

    Bei Maischpoke Show, Auserlesene Linksgrüne Schmierenjournalisten durften dem großen Vorsitzenden der Kommunisten und Mauermörderpartei dem Thüringer Stalin huldigen unter Jubel ausgesuchter Klatschpappen und auf den angeblich Braunen Teufel feste und ungebremst eindreschen, so erzieht man im betreuten Denkfernsehen die deutschen Dummbrote, Höcke hatte man zur Verteidigung nicht eingeladen, er könnte ja unangenehme Fragen stellen auf die diese Scheindemokraten hilflos wie immer keine Antwort haben.

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      Deutschland steht nicht vor dem Abgrund ,
      Deutschland ist UNTEN angekommen.
      Leider werden wir alle mit nach unten gezogen.
      Alles SCHEISSE oder was?

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      heidi heidegger am

      Die Maische-Show ist sowas von untään, ey! 20:49 Minuten verbale Rammelei vom unfeinsten – die Olle hätte gleich nach Helmut Schmidts Himmelfahrt in`Rente gehen müssen. Da ist nix mehr los! Aber: ich schicke der Maische meine beste Edelziege zum streicheln und zum interviewen – dann kommt die Show wieder hoch, hähä!

      [ Bodo Ramelow bei maischberger. die woche 12.02.2020 ]

      /watch?v=AcLfbPTEHRI

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        heidi heidegger am

        OT: Soki schrieb mimimir weiter unten i. d. Fäden *in Vollmacht* Fidel Castro(s)..herrlich!..das kann und darf auch so, yoho! *kicher*

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        heidi heidegger am

        @HANS ADLER: gut

        und: willkommen in heidis Lyrik-SchamEcke. worrumm *Scham*, häh? ja-weil da, anzunehm, ein weiteres missratenes AzztSöhnchen ditt titanic leitet momentans und daherräppt:

        — Besonders schön ist eine Zeile zum Gangsta-Rap: »Ich sag’s so, wie ich es mein: / Jeder Reim von dir ist Pein« – das veralbert das ganze gefährliche Gehabe und erinnert an Max Goldt (»Meine Reime sind feine / Deine Reime sind Schweine«). — q.: junge welt

        heidis Fassenacht(s)Räpperei ist da viel äh jovialer, gell? hihi..soll-ich-nochmal? also gut: *die büttenred wird schlaff unn nedd mal würzisch, es geht um äh Gbblzz 45*..nää! war-nix..ist noch zu früh und uninschpiriert für misch quasi.. -> TIFFI !! bau-ään! los-los, hihi

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    Einst, irgendwann in der Vergangenheit gab es eine gewisse Qualität bei ähnlichen Talk Shows.

    Bei der heutigen Quantität an Talk Shows wird im Rahmen der Show halt teuer finanziert gebabbelt.

    Die alten Römer wussten bereits womit sie ihr Volk beruhigen konnten und haben ihre Spiele abgehalten.

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    Wolfgang Eggert am

    Entweder hat der
    — die Stasi-Akte von Madame unterm Kopfkissen
    oder
    — ein Doppel der Rosenholz-Bestände, in denen die West-Presstituierten MfS-Zuträger drinstehen
    oder
    — er arbeitet für das BfV
    Anders kann ich mir Ramelows Dauer-Gepampert-Werden langsam nicht mehr erklären

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