Angeblich ist das begeisterte Schwenken der Schwarz-Rot-Gold-Fahne bei dieser WM rückläufig. Ein „Experte“ liefert die Begründung: Schuld an dieser neuen Distanzierung zur Flagge sei die AfD…

    Nach dem Spiel gegen Mexiko sei die Stimmung deutscher WM-Fans deutlich gesunken. Das sei aber nicht durch die enttäuschende Leistung der Mannschaft zu erklären, raunen „Experten“ im Focus. Nein, die Gründe lägen „viel tiefer“.

    Der erste dieser „tiefen Gründe“ ist unpolitisch. Er leitet sich daraus ab, dass Deutschland schon bei der letzten WM den Weltmeistertitel erobert habe. Was jetzt komme, die pure Titelverteidigung, sei nur noch Recycling eines bereits erlangten Erfolges. Der Sieg könne also nicht mehr gesteigert werden. Deshalb besäßen die Spiele nicht mehr die gleiche „Aura“.

    Dem Ex-Sportmoderator Waldemar Hartmann ist jeder Fan-Jubel ohnehin verdächtig. So nutzte er bei Markus Lanz eine uralte Erkenntnis der Verhaltensforschung, um das Image vom kriegsgeilen Deutschen zu reanimieren: „Einmal ein bisschen mehr an Krieg denken. Denn Fußball ist Krieg“, ahnt er. Heißt das – oh Graus , dass Fußball-Fans in Wahrheit Krieg-Fans sind?… Kleiner Einwand: Frühere Verhaltensforscher sahen im Fußball eine Chance, kriegerische Impulse des Menschen in Spiel-Lust zu sublimieren, das heißt, ins Harmlose zu verwandeln.

    Moral-Trompeter Hartmann dreht die Sache um: Selbst die gelungene Zähmung brutaler Impulse sollte uns noch betroffen machen. Ja, genau. Immer feste drauf, Hartmann. Bitte sag uns nochmal, wie schlecht wir sind. Bitte! Wir brauchen das!

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    Andere „Experten“ meinen, das „Schland-Gefühl“ habe inmitten der brisanten politischen Lage seine Unschuld verloren. So gemahnt Stephan Grünewald, im Mainstream oft zitierter Psychologe und Geschäftsführer des Markt- und Medienforschungsinstituts Rheingold, dass auch die aktuelle Parteienkrise die Fan-Stimmung senke. Außerdem habe das Fahnenschwenken ja tatsächlich seine Unschuld von 2006 ein wenig verloren. Vor allem durch die AfD.

    „Aus der Unbeschwertheit von 2006 ist bei einigen eine vollkommene Ungeniertheit geworden. Schwarz-Rot-Gold wird zum Herrschaftssymbol“, klagt Grünewald gegenüber dem Stern. Diese Verwendung der Schwarz-Rot-Gold-Fahne für nationalistische Zwecke durch die AfD habe manchen Fan nachdenklich gemacht. Im Grunde wiederholt Grünewald nur die Claudia-Roth-Perspektive.

    Scherz aller Scherze: Jetzt ist die AfD plötzlich schuld, dass die Deutschen nicht mehr so eifrig ihre Flagge schwenken!

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