«Männer sind die Opfer der Emanzipation»

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Monika Ebeling kümmerte sich als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goslar um beide Geschlechter. Das kostete sie den Job. Die aktuelle Sexismus-Debatte ist ihr unverständlich

Was hat Rainer Brüderle jetzt eigentlich falsch gemacht im Umgang mit der Stern-Reporterin Laura ­Himmelreich?

Die Debatte darüber ist völlig aufgebauscht. Brüderle hat aus meiner Sicht gar nichts falsch gemacht. Er ist weinselig nach Mitternacht an der Bar gestanden, und es war die Reporterin, die ihn angesprochen hat, nicht umgekehrt. Ob man seine Bemerkung….

…sie könne «ein Dirndl auch ausfüllen»…

…als Nettigkeit oder als verunglückt ansieht, ist zweitrangig. In jedem Fall war es kein Angriff, gegen den sich eine Frau wehren müsste. In dieser Situation kann eine moderne Frau auf vielerlei Weise reagieren.

Wie?

Sie kann sagen, was ihr gefällt und auch, wenn ihr etwas nicht gefällt. Das betrifft das Gespräch am Tresen ebenso wie das Verhalten im Bett. Wer das am Tresen nicht schafft, wird es auch im Bett nicht schaffen.

Die Brüderle-Kritiker führen an, die Reporterin habe sich schlecht wehren können, weil zwischen ihr und dem Politiker ein Machtgefälle bestand, das Brüderle ausnutzte.

Das Gerede vom Machtgefälle kann ich gar nicht mehr hören. Das ist die alte Theorie von der Geschlechterhierarchie, die vor 30 oder 40 Jahren in die Welt gesetzt wurde. Das ist Schnee von gestern. Heute gibt es mächtige Frauen wie Männer, und es gibt ohnmächtige Frauen wie Männer. Die Täter/Opfer-Spaltung verläuft nicht entlang der Geschlechtergrenze, und deswegen wird diese schematische Falschzeichnung auch vom Gros der Frauen nicht mehr unterstützt. Die Frauen von heute wissen, dass auch sie Täter sein können – im Guten wie im Bösen. Um auf das konkrete Beispiel an der Hotelbar zurückzukommen: Das Machtverhältnis war eher umgekehrt. Frau Himmelreich ist Journalistin, und sie wusste, dass sie mit einem Artikel Brüderle sehr scha­den konnte, was sie auch getan hat. Medienmacht und Politikermacht sind eventuell sogar gleich auf.

In der Talkshow von Anne Will hat Heiner Geißler versucht, mit vielen Beispielen aus dem gesamten Erdenrund zu zeigen, dass die Frauen doch das unterdrückte Geschlecht sind, und wurde von der Mitdiskutantin Renate Künast als «Edelfeminist» ­dekoriert…

Ich habe großen Respekt vor dem Alter und der Lebensleistung des Herrn Geißler und habe meinen Widerspruch deswegen nicht an ihn persönlich gerichtet. Aber seine Argumente stammen aus der Zeit, als er selbst Familien­minister war, und das ist schon ­­Jahr­zehnte her. Und was mich immer ­wieder ärgert: In der sogenannten ­Geschlechterdebatte wird weder ernsthaft noch sachlich diskutiert; man wischt Wissenschaft vom Tisch und argumentiert mit Beispielen aus fernen Ländern und anderen Zeiten, wenn man seine Felle wegschwimmen sieht. Man benutzt auch Totschlagargumen­te, um anders lautende Gedanken zum Verstummen zu bringen.

Eine konkrete Kontroverse betrifft die Frage der häuslichen Gewalt. Wie ist da Ihr Kenntnisstand?

Die Vorstellung, Frauen könnten ähnlich wie Männer Gewalt ausüben, scheint unsere Gesellschaft sehr zu beunruhigen. Diese Idee rüttelt ja auch an der Vorstellung, Männer seien von Natur aus dominanter als Frauen. In den USA stellen Kriminologen aber schon längst einen neuen Trend fest. Während die von Männern ­ausgeübten Gewaltverbrechen leicht rückläufig sind, steigt die Zahl der Gewaltverbrechen von Frauen deutlich an. Die Anzahl der Gerichtsverfahren gegen weibliche Jugendliche erhöht sich auch hierzulande, nicht selten auch deshalb, weil Mädchen und junge Frauen Gewalt als legitimes Mittel erachten. Eine britische Studie belegt, dass Frauen dreimal öfter wegen häuslicher Gewalt festgenommen werden als Männer (Marianne Hester, Who Does What To Whom? Gender and Domestic Violence Perpetrators, University of Bristol in acc. with the Northern Rock Foundation, Juni 2009)

Es gibt zahlreiche Studien, die man in unserem Land geflissentlich zu übersehen scheint. Vielleicht, weil es so schwer ist, die Idee der hilflosen Frau aufzugeben? Etwa die von Murray und Strauss durchgeführte Untersuchung aus den 1970er Jahren. Da wurden Männer wie Frauen gefragt, ob sie im vergangenen Jahr Gewalt gegen ihren Partner oder ihre Partnerin ausgeübt hätten. Das Ergebnis war fast 50:50. Oder nehmen wir die Erinnerungen von Erin Pizzey. Sie ist eine Veteranin der Frauenhaus-Bewegung und veröf­fentlichte vor zwei Jahren ihre Memoi­ren. Sie berichtet, dass viele weibli­che Opfer von Männergewalt, denen sie Zuflucht geboten hatte, ihrerseits Mann oder Kinder geschlagen hatten. Eine weitere britische Studie kam zu dem Ergebnis, dass 40 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt Männer sind. (John Mays, Domestic Violence: The Male Peerspective, Paritiy, Juli 2010).

Wissenschaftler, die hierzulande solche Wahrheiten aussprechen, müssen aber um ihre Reputation fürchten. Veröffentlicht werden darf anscheinend nur, was dem Stereotyp der unterdrückten Frau und des dominanten Mannes entspricht. Die Dichotomie Frau/Opfer – Mann/Täter darf nicht aufgegeben werden. Im Übrigen gilt: Was nicht sein darf, kann nicht sein.

Weiterlesen in der Printausgabe COMPACT 03/2013. Oder: Einfach COMPACT im Abonnement druckfrisch nach Hause liefern lassen.

Monika Ebeling (*1959) ist Mutter von vier Kindern und in zweiter Ehe verheiratet. In Goslar war sie bis zu ihrer Abberufung durch den Rat der Stadt Goslar im Mai 2011 drei Jahre Gleichstellungsbeauftragte. Infolge des Rauswurfs verlor sie auch ihre Stelle als Leiterin einer Kita. 2012 erschien bei Herder ihr Buch Die Gleichberechtigungsfalle. Ich habe mich als Gleichstellungsbeauftragte für Männer eingesetzt und wurde gefeuert (200 Seiten, 16,99 Euro).

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8 Kommentare

  1. Geehrte Deutsche guten Willens und Orientierung suchend ,
    Emanzen sind Weiber ,die die Männer entmannen und die Schöpfung GOTTes mit
    SEINER Ordnung , wo der Platz von Mann und Frau als Ergänzung füreinander sind , durcheinander bringen und
    ins Chaos führen !
    Frauen hingegen sind moralisch,reif,sehen sich wie Männer als Geschöpfe GOTTes unseres
    VATERs im Himmel (wie Jesus GOTTes Sohn IHN offenbarte) und kennen Ihren Platz
    in der Gesellschaft (als gute ,liebevoll erziehende Mutter Ihrer Kinder ->Mutter ist ein Beruf) und die Mutter
    muß finanziell endlich von allen Parteien belohnt werden ! Doch die Bankenjunkies und Konzernverbrecher
    mit Ihren Politikhandlangern in Berlin haben in Ihrer Habsucht und Gier (ihrer Gewinne auf Kosten der
    Familien in Deutschland) alles soweit schon zerstört , dass Psychologen in 18 Jahren Hochkonjunktur haben
    werden , weil viele Kinder nicht die Liebe in dem Maß von Ihren Müttern bis zum 8.ten Lebensjahre erfahren haben
    und somit an Selbstbewustsein und Selbstvertrauen -> Mängel haben werden ! -> Sie werden dann
    für die raffgierige Konzernindustrie (Ironie und Sarkasmussatiere : Dank der Kindertagesstätten) nicht
    belastbar sein , um deren Gewinnsucht weiter dann als Erwachsene zu fördern !
    Denn Keine Erzieherin in dem Kindertagesstättenwahn (von Frau Schröder . Von Frau der Leyen) werden die
    Liebe einer Mutter ersetzen können und auch nicht das damit gesunde psychologische Wachstum des Kindes bei der leibl. Mutter ersetzen können .
    Man merkt eben die Kompetenzlosigkeit (mit ins eigene Knieschießen der Generationen) der Familienministerinnen.
    Aus dem Desaster der Kindertagesstätten in der ehemaligen DDR hat Frau Merkel mit Ihrem Emanzenanhang und die SPD
    seit 1990 NICHTS gelernt ,sondern ist der Rafflobby der Konzerne schön gehörig , gegen die Vernunft
    und Verstand von GOTT unserem Schöpfer !
    Danke für Ihre Aufmerksamkeit !
    Deutscher Mohikaner Christian Baumgarte Münster

  2. In meiner Meinung sind nicht nur die Männer Opfer der Emanzipation, sondern die Kinder, wir selbst, Frauen, und schließlich die ganze Gesellschaft! Bevor ich nach Deutschland kam und die Situation hier nicht kannte, habe ich damals schon gedacht, die Kinder wären die Opfer der Emanzipation, weil ich in Portugal erlebt habe, wie unsere Kinder schon mit 2 Monat in der Kinderkrippe gebracht wurden, um dort der ganzen Tag zu verbringen. Ich hörte von gestressten Müttern die mehrmals am Tag zu Kindergarten aufhetzen mussten, um ihre Säuglinge dort zu stillen. Von schmutzigen, lauten, überfühlten Kinderkrippen, und von Krankheiten und Infektionen die diese Babies plagten, und viele andere schlimme Geschichten.

    In Deutschland habe ich die andere Seite der Emanzipation kennengelernt. Daher bin ich wirklich sehr froh und dankbar, dass Frauen wie Frau Ebeling sich für UNS alle engagieren, damit wir in der Zukunft in eine glücklichere und gesündere Gesellschaft leben können!

    Denn wir Frauen wurden von dieser ‚Emanzipation‘ auch betrogen, wir stehen auch jetzt da, einsam, traurig, ratlos und volle unerfüllte Sehnsucht! Diesen Feminismus hat ein Graben zwischen Männer und Frauen geschaffen, die fast nicht mehr zu überwinden ist. Und diese Hexenjagd gegen Brüderle und das menschliche Geschlecht ins Gesamt macht der Kluft nur noch größer und unüberwindbar, und Millionen von Männer noch verunsicherte, und Millionen von Frauen noch unglücklicher!

    Ich wurde schon mal angefeindet und als Frauenhasserin beschimpft, weil ich mich auch für Männerrechte ausgesprochen habe. Aber in Wahrheit habe ich mich nur für meine Frauenrechte ausgesprochen, für das Recht auf eine glückliche Ehe/Partnerschaft mit einem Mann, und für das Recht auf eine erfühlte Sexualität, die nur mit einem seelisch stabilen, selbstbewussten, intakten Mann, sowohl seelisch wie auch körperlich, möglich ist. Und wenn sie hier denken, was hat hier ‚körperlich intakt‘ oder ‚intakt‘ überhaupt zu suchen, denken sie nur bitte an folgendes:

    1. vor kurzem wurde in Deutschland die Jungenbeschneidung legalisiert! Feministische Organisationen haben sich sozusagen auf einen ‚Kompromiss‘ mit der Politik eingelassen, unter der Voraussetzung, dass die weibliche Genitalverstümmelung strafbar bleibt. Ein Aufschrei seitens feministische Organisationen, vergleichbar wie damals in 2010 als amerikanische Kinderärzte eine milde Art der rituellen Weiblichebeschneidung (ritual nick) einführen wollten, blieb aus.

    Meine Stellungnahme zu der Legalisierung der Jungenbeschneidung können sie hier lesen: http://www.facebook.com/photo.php?fbid=427116140686355&set=pb.126311730766799.-2207520000.1362851260&type=3&theater

    Und 2. All diese Angriffe auf das männliche Geschlecht wirken auch wie eine Verstümmelung, oder Kastration. Genau wie die negative Einfluss der katholische Kirche im Mittelalter als eine seelische Kastration von Frauen gesehen werden kann, so ist es auch der Fall wenn wir über die feministische Bewegung in Bezug auf das männliche Geschlecht reden. Genau wie damals, werden auch Hexenjagds und Verfolgungen veranstaltet, und Verbrennungen, auch wenn sie nicht mehr auf den Märkten dieser Welt sondern am virtuellen Pranger im Internet und Fernsehen stattfinden.

    Die Menschen, ob von männlich, weiblich, oder anderer Geschlecht, sind nur so gut oder so schlecht wie sie erzogen werden, es gibt kein gut oder bessere Geschlecht, es gibt nur eine Menschheit, der weiter an sich arbeiten muss, damit die universelle Menschenrechte irgendwann universell umgesetzt und gelebt werden. Unabhängig von Herkunft, Farbe, Religion, Gesellschaftsschicht und Geschlecht.

  3. Wildvöglein am

    Mir ist da noch eine Erinnerung vom Spielplatz gegenwärtig:
    Ein kleiner 4 jähriger Junge hatte sich aus einem Blumenbeet einen krüppeligen kurzen Ast geangelt und damit wie mit einer Pistole auf Gegenstände und Leute gezielt und diese mit einem Peng-Peng erschossen.
    Einige Jungs griffen das Spiel auf, peng-pengten mit dem Finger zurück oder warfen sich dramatisch sterbend in den Sand, um dann lachend wieder aufzustehen und weiter peng-peng zu rufen. So eine Art unterhaltsam kindliches Kegelspiel mit Körpereinsatz.
    Die mit anderen Müttern klönende Mutter bemerkte das plötzlich, sprang wie eine Furie auf, packte ihren Sohn äußerst grob am Arm, entriss ihm die Fantasiepistole, schüttelte ihn unter Schimpfen und moralisierte hysterisch: „du weißt doch, daß das was ganz Böses ist, daß man mit Waffen nicht auf Leute zielt und schießt. Du bist echt scheiße…wenn ich das noch mal erlebe… du gehst jetzt nach hause.“ Sie entließ ihr Kind mit einem Stoß Richtung zuhause. Das Kind weinte, die anderen Kinder waren erschrocken erstarrt, die anderen Mütter auf den Bänken schwiegen. Der Junge trollte sich betreten. Die Gutmensch-mutter setzte sich entrüstet zu den anderen Müttern, verdrehte über ihren „unmöglichen“ Sohn die Augen und setzte dann ihr oberflächliches Geplapper mit den anderen Müttern fort.
    Der Junge, ein recht verschüchtertes, in seiner Motorik unentwickelt und gehemmt wirkendes Kind mit einem Augentick, war laut seiner Mutter ein echtes Problemkind mit ADHS.
    „Ich weiß nicht, woher er diese Gewaltphantasien hat.“

    Der Junge war also von seiner „pazifistischen“ Mutter grob angepackt, angeschrien und vor den anderen heruntergemacht worden, für ein Spiel. Anders als seine Mutter hat er nämlich nur gespielt.
    Böse Pistole. Böser Junge.

    • So wie sie das Verhalten des Kindes beschreiben, handelt es sich vielleicht um ein Kind das Ritalin einnimmt. Laut einen rezenten Artikel auf Stern.de werden immer mehr Kinder und Jugendliche, VOR ALLEM JUNGEN, als ADHS-krank eingestuft und Ritalin verabreicht. Dass Ritalin eine der gefährlichsten (erlaubten) Drogen auf dieser Welt ist, möchten viele nicht wahrhaben. (http://www.stern.de/wissen/mensch/immer-mehr-ritalin-verschreibungen-krankenkasse-warnt-vor-generation-adhs-1963141.html).
      Vor vielen Jahren, nach meine Scheidung, habe ich eine schwierige Phase mit meinem Sohn gemacht und bin wegen seinem Verhalten zum Arzt gegangen, der mir eine Therapie für ihm empfahl. Aber nicht er sondern ich, hat das Gesprächstherapie gemacht, und in dem Moment wo es mir besser ging und ich die Scheidung verarbeitet habe, war mein Sohn auch wie verwandelt.
      Nicht alle Mütter und auch Väter wollen zugeben, dass sie selbst Problemen haben und das sie manchmal Hilfe brauchen,manche sind nicht einmal in der Lage dies zu erkennen. Leidtragend sind wieder die Kinder, so wie dieser traurige Geschichte die sie uns erzählen deutlich zeigt.

  4. Ich bin (als Linker) jetzt seit rund 3 1/2 Jahren in der Männerrechtsszene aktiv, mal mehr, mal weniger.
    Neben der Diskriminierung als Rechtsradikaler durch gewisse feministische Kreise aus dem Umfeld des Heinrich-Böll-Institutes muss man sich von Feministen und Feministinnen immer noch die üblichen Totschlagargumente anhören, wenn man versucht Männerrechte zu vertreten.
    Um so erfreulicher ist es, das sich in letzter Zeit die Artikel um Männerrechte und die wahren Zustände in unserem Land häufen, sei es hier oder in anderen Medien.
    Doch es ist noch ein weiter Weg bis zur wirklichen Gleichberechtigung, daher: Weiter so, Monika!

  5. Ludwig Leser am

    Ich wollte den Artikel weiterlesen, doch muss ich dazu die Print-Ausgabe abonnieren. Das finde ich schlecht. Warum kann ich nicht einfach 2 Euro für den Artikel online zahlen? Hey, Zeitungsmacher, schon gemerkt, dass es das Internet gibt?

    (Lieber Ludwig Leser, wir arbeiten gerade an der Bereitstellung dieser Download-Optionen, sowohl für ganze Ausgaben als auch einzelne Artikel.)

    • Wildvöglein am

      Stimmt. Die Emanzen haben angefangen das Kind mit dem Bade auszuschütten.

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