Londons erster Fußgänger- und Fahrradkommisar hat ein Problem: Er möchte mehr Diversity (Vielfalt) unter den Radfahrern – und nicht nur weiße Männer im mittleren Alter. Aber die Bevölkerung hat trotz großzügiger Fördermaßnahmen keine Lust auf Drahtesel. Was tun?

    Will Norman, erster Fußgänger- und Fahrrad-Kommissar in London, ist verzweifelt: Zu viele weiße Männer mittleren Alters radeln durch die Hauptstadt! Nur 15 Prozent der Radfahrer seien Asiaten und Schwarze, von Frauen ganz zu schweigen. Und das sind zwei Drittel weniger als es laut Transport for London sein könnten.

    Will der böse weiße Mann wieder eine Alleinnutzung für sich durchsetzen – auf Kosten der Diversity? Scheint so, denn Will Norman macht vor allem das brandfrische Cycle- Superhighway-Netzwerk für die Misere verantwortlich: Dieses besteht aus Fahrradwegen, mit denen Radler leichter und schneller von Außenbereichen ins Londoner Zentrum gelangen.

    Und dieses Fahrweg-Netzwerk werde von „Männer mittleren Alters“ genutzt, um „schneller durch die Stadt zu fahren”. Das sei nicht das Ziel gewesen, meint Norman. Eigentlich soll der Kommissar im Auftrag des Bürgermeisters Sadiq Khan die Stadt für Radfahrer und Fußgänger sicherer und einfacherer gestalten, stattdessen hält er jedoch „Diversity“ für die „echte Herausforderung“ des öffentlichen Radverkehrs. Und die vermisse er weiterhin.

    Aber ist das die Schuld der weißen Männer mitteren Alters? Die beanspruchen ja kein Alleinnutzungsrecht für die Fahrradwege. Es steht doch jedem Londoner Bürger, egal welchen Alters, Geschlechts und welcher Hautfarbe, völlig frei, sich anstatt mit Bus oder Auto mit einem Fahrrad zu mobilisieren.

    Zumal die Armut in vielen Fällen nicht mehr als Begründung dienen kann. Schließlich stellt das Büro des Bürgermeisters Fahrradausbildungskurse, Zuschüsse für Gemeinschaftsgruppen, die normalerweise nicht Fahrrad fahren, und Elektrofahrrad-Förderung sowie erweiterte Radwege für alle Interessierten bereit. Dennoch, so Kritiker, habe Khan damit kaum mehr erreicht als bereits die Fahrradoffensive seines Vorgängers Boris Johnson.

    Was aber kann eine Stadt noch mehr tun? Wenn all diese Fördermaßnahmen nichts nutzen, müsste man sich doch fragen, ob (und warum) das Fahrrad unter Londons Bürgern schlicht unpopulär ist. Stattdessen dreht Will Norman das Problem um: Er will exakt jene Menschen zum Radfahren treiben, die sein Bild von „Diversity“ realisieren. Politiker wie Norman vertreten nicht mehr die Bürger, sondern machen sie zu Objekten, zur Inszenierung seiner ideologischen Phantasien.

    Vorschlag: Der Kommissar sollte Diversity-Quoten für den Radverkehr postulieren, sie in Personenzahl umrechnen und anschließend als städtisch bezahlte Jobs ausschreiben lassen. Etwa so: „London sucht Queer-Radfahrer. Tätigkeit: Einfach den ganzen Tag durch die Stadt radeln. Lohn nach Stundenzahl.” Damit könnte Will Norman seine Diveristy-Stadtbild-Inszenierung doch noch gelingen.

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