Hausbesetzungen galten lange Zeit als Domäne der politischen Linken. Dann zeigte eine politische Bewegung in Rom, dass dieser Protest gegen Immobilienspekulanten auch von rechts kommen kann.

    _ von Luca De Maris

    In einer Dezembernacht des Jahres 2003 entstand in Italiens Hauptstadt das wohl bekannteste rechte Hausprojekt Europas: CasaPound. Mitten in der Innenstadt, in der Via Napoleone III, nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof Termini entfernt, besetzten junge Aktivisten verschiedener Gruppierungen ein leerstehendes sechsstöckiges Verwaltungsgebäude, um ein Zeichen gegen Wohnungsnot und Mietwucher zu setzen. «Occupazioni a scopo abitativo» (Besetzungen zu Wohnzwecken) nannte man das.


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    Knapp fünf Jahre später, in der Sonnenwendnacht 2008, ging aus dieser Hausbesetzung die Bewegung CasaPound Italia (CPI) hervor, die sich von Rom aus mittlerweile über ganz Italien ausgebreitet hat. Sie zählt heute über 6.000 Mitglieder und verfügt über mehr als 100 Treffobjekte in verschiedenen Städten, darunter Mailand, Florenz und Neapel. Der Hauptsitz in Rom ist zwar nach wie vor Ort regelmäßiger politischer Veranstaltungen, er dient jedoch vor allem als Wohnhaus – zahlreiche italienische Familien leben dort zu günstigen Konditionen.

    Das Projekt ist nicht vorstellbar ohne die strategische Modernisierung von Teilen der Rechten in Italien zu Beginn der 1990er Jahre. Begeistert von unkonventionellen Aktionsformen und weltanschaulich breiter aufgestellt als die damalige Parlamentspartei Movimento Sociale Italiano (MSI), die 1995 in Alleanza Nazionale umbenannt wurde und unter ihrem Vorsitzenden Gianfranco Fini mehr und mehr auf Anpassungskurs ging, fand um den heutigen CPI-Anführer Gianluca Iannone, Jahrgang 1973, und seine Rockband ZetaZeroAlfa ein Zirkel verwegener Aktivisten zusammen, die durch ihren subkulturellen Stil eine große Anziehungskraft auf junge Menschen entfalteten. Der Zauber dieser Anfänge wirkt bis heute fort und begründete einen Mythos, der auf viele Bewegungen in anderen europäischen Ländern ausstrahlt.

    «Me ne frego!»

    Das liegt vor allem daran, dass keine andere rechte Bewegung über derart ausdifferenzierte und dennoch feste Strukturen und ein vergleichbares Mobilisierungspotenzial verfügt. Während man
    CasaPound zählt heute über 6.000 Mitglieder und verfügt über mehr als 100 sich andernorts in irgendwelche Nische verkriecht und nur über eine marginale Infrastruktur verfügt, ist CasaPound in nur 15 Jahren zu einer Massenbewegung aufgestiegen, die regelmäßig Tausende auf die Straße bringt.

    Natürlich werden die Aktivisten im Mainstream hart attackiert, aber das dürfte niemandem gleichgültiger sein als den Casapoundisti selbst. «Me ne frego» («Ich pfeif‘ drauf») pointiert präzise die Einstellung dieser vitalen Organisation, die damit das Lebensgefühl urban sozialisierter Jugendlicher anspricht. Das zeigt inzwischen auch fernab des Straßenaktivismus Wirkung: Knapp fünf Prozent der italienischen Erstwähler gaben einer repräsentativen Umfrage der Wochenzeitung L’Espresso zufolge an, bei den Parlamentswahlen im März CasaPound wählen zu wollen.

    Doch wie schafft es diese Bewegung, ein solch breites Feld an Unterstützern zu mobilisieren? Gewiss waren rechte Ansichten im Nachkriegsitalien stets akzeptierter als etwa in Deutschland. Dies allein kann den Erfolg von CasaPound jedoch nicht erklären, zumal in Italien staatliche Repression und handfeste Konfrontationsgewalt linker Antagonisten noch schärfer ausgeprägt sind als hierzulande. Auch war und ist die rechte Konkurrenz größer als in der satten Bundesrepublik.

    Der Schlüssel liegt in den vier Säulen, die für CasaPound bestimmend sind (…)

    Das war ein Textausschnitt. Weiter lesen Sie in der neuen COMPACT 03/2018: „Patriot Putin – Partner für Europa?“ – jetzt am guten Kiosk und im COMPACT-Shop.

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