Lawrow: „Syrien kein Stellvertreterkrieg mehr“ – False-Flag-Angriff jederzeit möglich

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Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat die völkerrechtswidrige Anwesenheit von westlichen Koalitionstruppen in Syrien scharf verurteilt. Die Streitkräfte bedeuteten „eine direkte Beteiligung am Krieg“. Außen- und Verteidigungsministerium sind sich einig: Die Amerikaner bereiten Dschihad-Söldner derzeit auf mehrere Angriffe mit Chemiewaffen vor. Die USA würden mit Bomben auf Damaskus antworten wollen.

Das berichtet RT.com am Samstag.

„Auf syrischen Boden gibt es Sondereinsatztruppen der USA – die streiten das nicht länger ab – des Vereinigten Königreiches, von Frankreich und einer Anzahl weiterer Länder“, sagte Lawrow in einem Interview mit dem kasachischen Staatsfernsehen, das am Samstag auf der Webseite des russischen Außenministeriums veröffentlicht wurde. „Daher handelt es sich nicht mehr so sehr um  einen ‚Stellvertreterkrieg‘, sondern eher um eine direkte Beteiligung am Krieg“, betonte der Diplomat.

Die US-Koalition ist vom Standpunkt internationalen Rechts und der UNO-Charter her betrachtet „illegal“, sagte Lawrow. „Aber wir sind realistisch und verstehen, dass wir nicht mit ihnen kämpfen würden. Also koordinieren wir die Handlungen um wenigstens unbeabsichtigte Zusammenstöße zu vermeiden. Unser Militär steht stets in Kontakt zu amerikanischen Kommandierenden, die die Operation auf Syriens Territorium leiten.“

Moskau unterhalte ebenso „einen permanenten Dialog“ mit Offiziellen aus dem US-Generalstab, „welche die Operation auf dem Boden tatsächlich leiten“, so der Minister.

Lawrow betonte zudem, dass Angriffe auf syrische und regierungsfreundliche Truppen in von den USA kontrollierten Gebieten verurteilt gehören, da man Russland wiederholt und „feierlich“ versicherte, dass die Präsenz von US-Militär in Syrien „ausschließlich“ auf den Kampf gegen Terroristen abzielte.

Auch kritisierte Lawrow Bemerkungen der amerikanischen UNO-Botschafterin Nikki Haley über Washingtons Bereitschaft „Damaskus und selbst Bashar al-Assads Präsidentenpalast zu bombardieren, ohne Rücksicht auf dort anwesende russische Vertreter“, sagte Lawrow.

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Russlands Außenministerium wiederholte am Samstag die Position des Verteidigungsministeriums, dernach Washington kurz davor stehe, einen Angriff mit Chemiewaffen auf die Zivilbevölkerung zu inszenieren, den man Assad anlasten werde.

RT.com:

„Wir haben zuverlässige Informationen zur Verfügung, denen zufolge amerikanische Ausbilder eine Anzahl an militanten Gruppen in der Nähe zur Stadt al-Tanf trainiert haben, um Provokationen mit chemischen Kampfstoffen im Süden Syriens zu inszenieren“, so General Sergey Rudskoy. (…)

„Sie bereiten eine Reihe Explosionen mit chemischer Munition vor. Diese Gegebenheit wird man verwenden, um die Regierungstruppen zu beschuldigen. Die Komponenten für die chemische Munition sind im Gewand humanitärer Konvois von einer Vielzahl von NGOs bereits in die südlichen De-Eskalationszonen geliefert worden.“

Ein False-Flag-Angriff werde in der Provinz Idlib vorbereitet, und zwar von der „Terrorgruppe al-Nusra, in Koordination mit den Weißhelmen“, so Rudskoy, dem zufolge die Milizen bereits 20 Container mit Chlorgas erhalten hätten.

In einem an absoluten Seltenheitswert grenzenden Interview auf n-tv.de bezeichnet der Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt an der Universität Main, Günter Meyer, am Freitag die Weißhelme korrekt als „Propagandaorganisation“, die den „medialen Krieg“ in Ost-Ghuta derzeit auf eine „neue Eskalationsstufe“ treibe.

Meyer:

„Dabei geht es darum, die Empörung zu schüren gegen die ‚brutalen Russen‘ und das ‚menschenverachtende Assad-Regime‘, das die wehrlose Zivilbevölkerung massakriert. Diese mit zahllosen Bildern von heldenhaften Weißhelmen bei der Rettung kleiner Kinder unterlegte Sichtweise der Vorgänge in Ost-Ghuta bestimmt die mediale Wahrnehmung in der westlichen Welt und bereitet den Boden für die Rechtfertigung einer direkten militärischen Konfrontation der USA gegen Syrien und seine Verbündeten. Dies belegen gerade die jüngsten Aussagen der US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley. Sie hat damit gedroht, amerikanische Marschflugkörper gegen Syrien einzusetzen, wenn es nicht gelingt, eine bedingungslose Waffenruhe in Ost-Ghuta durchzusetzen. Das wäre eine direkte militärische Intervention, die zu einer weiteren Verschärfung des Konflikts beitragen würde und genau zu der von Trump eingeschlagenen Strategie passt.“

Die Realität im Kampfgebiet von Ost-Ghuta schildert der Nahostexperte wie folgt:

Dschihadisten-Milizen, darunter viele Al-Kaida-Anhänger, terrorisieren die Einwohner der angrenzenden syrischen Hauptstadt durch den Beschuss mit Raketen und Mörsergranaten. Zugleich nutzen sie die Zivilbevölkerung in Ost-Ghuta als menschliche Schutzschilde und erschießen jeden, der versucht, über die von den Russen eingerichteten Sicherheitskorridore zu fliehen.

Meyer bestätigt Analysen von COMPACT, denen zufolge Ziel des westlich angezettelten Bürgerkriegs die Zerschlagung Syriens ist:

Das ist die Planung der Regierung in Washington. Der gesamte Osten Syriens soll abgespalten werden. Im Nordosten haben die Kurden mit US-amerikanischer Unterstützung bereits de facto einen eigenen Kurdenstaat errichtet. Der restliche Bereich entlang der Grenze zum Irak im Osten soll ebenfalls mithilfe von Milizen der Assad-Gegner unter Kontrolle von US-Truppen gestellt werden. Die Anti-Assad-Milizen werden gegenwärtig in der US-Militärbasis Al-Tanf auf syrischem Gebiet nahe der jordanischen Grenze ausgebildet. Erst vor zwei Wochen sind weitere 1000 US-Soldaten dorthin verlegt worden.

Parallel zu den Vorbereitungen eines Giftgasanschlags in Syrien, veröffentlichten die Regierungen der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Merkel-Deutschlands vor zwei Tagen eine gemeinsame Erklärung, in der sie Russland scharf für die bar jeden Beweises angelastete Vergiftung des Ex-Spions Sergei Skripal verurteilen.

Vielleicht bespricht Angela Merkel bei ihrem Antrittsbesuch in Frankreich zur Stunde mit Emanuel Macron, wie beide Europa noch schneller zum Schlachtfeld eines drohenden Kriegs zwischen den USA und Russland werden lassen können…

COMPACT: Ehrlicher Journalismus in Zeiten der Lüge

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Über den Autor

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Max Z. Kowalsky, Jahrgang 1979, bestreitet sein Dasein als Privatdozent im schönen Genf. Seit 2015 schreibt der studierte Slavist für COMPACT.

 

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