Von der libyschen Küste direkt in die norddeutsche Tiefebene? Unmöglich scheint nichts mehr zu sein – Nichtregierungsorganisationen debattieren jedenfalls über den Ankauf von Großschiffen, die Asylbewerber im Zuge einer dreitägigen Überfahrt direkt nach Deutschland bringen sollen.

    _von Sven Reuth

    Die zivilgesellschaftlichen Initiativen, die im Mittelmeer Flüchtlinge aufnehmen, machen derzeit schwere Zeiten durch. Schon vor fast genau einem Jahr wurde das Schiff „Iuventa“ von der Nichtregierungsorganisation „Jugend rettet“ von den italienischen Behörden beschlagnahmt. Seither wurde das einst für die Fischerei genutzte Boot in den Hafen von Trapani auf Sizilien überführt und dort versiegelt. „Jugend rettet“ gehört auch zu den Organisationen, die im Mittelpunkt von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Trapani stehen, da ihnen Beihilfe zur illegalen Einwanderung vorgeworfen wird.

    Auf Malta läuft derzeit wiederum ein Prozess gegen Claus-Peter Reisch, den Kapitän des Schiffes „Lifeline“ der Dresdner Organisation „Mission Lifeline“ – unter anderem geht es um die Frage, ob ein Eintrag ins niederländische Schiffsregister und damit ein gültiges Schiffszertifikat vorliegt. Auch die beiden Schiffe „Sea-Eye“ und „Seefuchs“ der Regensburger Organisation „Sea-Eye“ werden derzeit in Malta festgehalten, auch diese sind wohl nicht ordnungsgemäß ins niederländische Schiffsregister eingetragen.

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    Laut einem Bericht der aktuellen Ausgabe der Frankfurter Allgemeine Woche planen die Nichtregierungsorganisationen nun aber eine große „Gegenoffensive“. Der Artikel „Kampf gegen Rom“ von Matthias Rüb bezieht sich dabei auf die Vorstellung des Films „Iuventa“, der derzeit gerade in den Kinos anläuft. Bei den Debatten, die die Filmvorführung im Programmkino „Puschkino“ in Halle an der Saale begleiteten, sei die Idee aufgekommen, sich noch deutlich größere Schiffe zu besorgen und diese dann in einer jeweils dreitägigen Reise vom Mittelmeer in deutsche Häfen zu bringen. Obwohl in einem solchen Fall endgültig nicht mehr von Seenotrettung gesprochen werden könnte, da das Seerecht vorschreibt, Schiffbrüchige an die jeweils nächstgelegene Küste zu bringen, soll diese Idee begeistert aufgenommen worden sein.

    Von den Küsten Libyens direkt nach Norddeutschland? Nichts scheint mehr undenkbar zu sein. In ihrem Hypermoralismus weichen die Nichtregierungsorganisationen dabei allen tiefergehenden Fragen aus.

    Erst am 11. Juli dieses Jahres hatte ein Debattenbeitrag von Mariam Lau in der Wochenzeitung Die Zeit eine große Kontroverse ausgelöst. Die Journalistin hatte festgestellt, dass die von den Nichtregierungsorganisationen betriebene private Seenotrettung „zwangsläufig“ dazu führe, dass diese „Teil des Geschäfts“ von kriminellen Schleppern würde. Weiter hatte Lau ausgeführt: „Dank moderner Satellitenortungssysteme wissen die Schlepper genau, wo ein Rettungsschiff patrouilliert. Und sie verwandeln dieses Wissen in Geld: Sie transportieren mehr Menschen, und sie laden nur so viel Sprit an Bord, wie nötig ist, um internationale Gewässer zu erreichen.“

    Für ihren sachlichen und rational argumentierenden Text wurde Lau von vielen Kommentatoren heftig beschimpft. Offensichtlich ist vielen Linken überhaupt nicht klar, dass jede Gesellschaft und jedes Land nur über begrenzte Ressourcen verfügt – und ein Niederreißen aller Grenzen gerade zwischen Europa und Afrika angesichts der demographischen Dynamik des „Schwarzen Kontinents“ auch ein Scheitern der bislang noch halbwegs funktionierenden europäischen Staaten mit sich bringen würde.

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