Das Ende ist Nahles: Jeder Versuch der analytischen Beschäftigung mit der heutigen SPD endet in der Satire. Aus der ältesten deutschen Partei, der Vorkämpferin der Arbeiterrechte, ist eine Kasperbude geworden. – Lesen Sie dazu den ausführlichen Artikel Lachnummer SPD in der aktuellen COMPACT 4/2018. Es folgt ein Auszug:

    _von Jürgen Elsässer

    Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Der virtuelle Stammtisch hatte in den letzten Monaten jedenfalls einiges zu lachen. «Bätschi! Eierlikör hat mehr Prozente als die SPD… Und er hat Eier», ging auf Facebook ab wie Schmidts Katze. Nach wochenlangem Dauerfrost zwitscherte es durch die Netzwerke: «Minus sieben, minus zehn, minus 15 – das Wetter spielt gerade SPD.» Zum Umfaller der Sozis Richtung GroKo titelte die Taz : »Merkel bleibt SPD-Chefin.” Der größte Jokus aber kam Anfang März von Andrea Nahles selbst: «Wir wollen 2021 wieder stärkste Partei werden.» Danach hätte eigentlich der Narhalla-Marsch gespielt werden müssen.

    Kevin allein zu Haus

    Wer soll diese Partei nach allem, was in den letzten 12 Monaten passiert ist, noch ernst nehmen? Zu Jahresanfang 2017 hob sie einen Würseler mit sagenhaften 100 Prozent Zustimmung auf den Schild und entfesselte um den drögen «Mann mit Bart» (so angeblich Sigmar Gabriels Töchterchen) einen Hype, der in Werbesprüchen wie «Alle 11 Sekunden verliebt sich ein Wähler in Martin Schulz» gipfelte.

    Nachdem die Blase geplatzt und die SPD bei den Bundestagswahlen auf ein Allzeittief von 20 Prozent abgestürzt war, verkündete die Schlaftablette, übrigens unterstützt von Nahles, vollmundig den Gang in die Opposition, nur um nach dem Jahreswechsel einen Salto mortale zu schlagen und sich um das prestigeträchtige Amt des Außenministers in einer neuerlichen GroKo (der Volksmund scherzt: MerKo) zu bewerben.

    Dass die Basis daraufhin den Betrüger vom Hof jagte, war verständlich. Unverständlich hingegen bleibt, warum die Leutchen, angefeuert von der Medienmeute, gleich dem nächsten Blender hinterherliefen: Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert mag der süßeste Schwule («Schwuso») seit Klaus Wowereit sein, aber seine Strategie hätte die älteste deutsche Partei ebenso in den Sand gesetzt wie «Wowi» den Hauptstadtflughafen BER.

    Temperaturtiefstände misst man in Kelvin, politische Abstürze wird man künftig in Kevin angeben müssen. Wie vernagelt muss ein Sozi in der aktuellen Situation sein, Merkels GroKo-Offerte abzuBätschi!lehnen? Die Rautenfrau hat ja, um ihre Macht zu erhalten, den Genossen gleich die wichtigsten Ministerien geschenkt – sechs an der Zahl und damit genauso viele wie 2005, als beide Parteien noch fast gleichauf lagen! Dafür hat sie sogar treue Paladine wie Wolfgang Schäuble und Thomas de Maizière geopfert…

    Um nicht missverstanden zu werden: Natürlich wären Neuwahlen die sauberste Lösung gewesen, und deswegen wünschten auch viele Konservative einen Sieg des Nein bei der Mitgliederbefragung der SPD. Aus Sicht der Sozialdemokraten aber wäre ein neuerlicher Urnengang ein Waterloo geworden, denn sie wären in Richtung 15 Prozent geschrumpft, wie aktuelle Umfragewerte zeigen.

    Einen Wiederaufschwung der Sozis könnte es nur geben, wenn die Partei wieder zu ihrer Linie unter den beliebten Kanzlern Willy Brandt und Helmut Schmidt zurückkehrte, die das Soziale mit dem Nationalen verbanden. «Deutsche, wir können stolz sein auf unser Land!» ließ Brandt im Wahlkampf 1972 plakatieren, der mit dem größten Sieg der SPD in ihrer ganzen Geschichte – satte 45,8 Prozent – endete. Und Helmut Schmidt verkündete 1982: «Mir kommt kein Türke mehr über die Grenze!» Jedem SPD-Politiker, der heute Ähnliches äußern würde, flögen die Herzen der Menschen zu. Aber Kühnert und seine linksradikalen Genossen wüssten genau so einen zu verhindern, indem sie die alten Sozi-Slogans in Nazi-Verruf bringen würden.

    Kein Autokanzler, nirgends

    Man könnte einwenden, die Partei hätte schon früher ähnliche Niederungen durchschritten und sich doch wieder aufgerappelt. Tatsächlich erinnert der Tollpatsch Schulz mit seinem emotionalen Schwulst an Rudolf Scharping, der als Kanzlerkandidat gegen den damals noch kraftstrotzenden Helmut Kohl 1994 auf verlorenem Posten stand. Das Satiremagazin Titanic brachte flankierend die Comic-Reihe Die roten Strolche auf den Markt. Darin bewarb sich um den Posten des dicken Oberförsters, unverkennbar das Ebenbild des Pfälzers, ein Herausforderer namens Ziege, durch seinen Geißenbart auf Scharping hinweisend.

    An seiner Seite standen andere komische Waldbewohner wie das Schnabeltier Johannes (Rau), der Ossi-Bär (Wolfgang Thierse) und der intrigante Dachs Oskar (Lafontaine). Zieges Wahlkampf war genauso stinklangweilig und lau wie Schulzens Reprise 2017. «Es ist nicht ausgeschlossen, dass Ziege möglicherweise der bessere Förster sein könnte!», ließ er plakatieren. Titanic machte sogar ein Kartenspiel aus der Comic-Gaudi. Oberförster Kohl fungiert darin als Joker, Gegenkandidat Ziege als Kreuz-König. Das Spiel hatte nur ein Ziel: «Versucht, Ziege zu stechen!» (…)

    Ende des Auszugs. Lesen sie den kompletten Artikel und weitere Texte zum SPD-Irrsinn, einem Andrea Nahles-Porträt inklusive, in der aktuellen COMPACT 4/2018. Oder beginnen Sie mit dieser Ausgabe Ihr Abo. Klicken Sie dazu auf das untere Bild:

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