Martin Schulz wollte den Außenministerposten von Sigmar Gabriel übernehmen. „Handelsblatt“-Herausgeber Gabor Steingart stellte das als theatralischen Polit-Mord dar – und wurde von ganz oben rausgeschmissen.

    Seit Gabriel im Januar 2017 zugunsten von Martin Schulz auf den Parteivorsitz und die Kanzlerkandidatur verzichtet hatte, um Außenminister zu werden, wurde oft berichtet, dass Martin Schulz ihm im Falle einer neuen Groko versprochen hätte, dass er das Außenamt behalten dürfe. Pustekuchen!

    Gabriel wird der neuen Regierung wohl gar nicht mehr angehören. Schulz will seinen Job nun doch. Gabriel „wäre damit DER Verlierer der längsten Regierungsbildung in der Geschichte der Bundesrepublik, heißt es auf zeit.de und anderswo. Er sei…

    „…von seinem Nachfolger Martin Schulz so kühl abserviert ((worden)), wie es nur geht: „Sigmar Gabriel hat eine sehr gute Arbeit als Außenminister geleistet, aber ich habe mich entschieden, in die Bundesregierung einzutreten und zwar als Außenminister.“ Ein lapidarer Satz. Weniger geht nun wirklich nicht.“

    Update 14:20 Uhr: Medien melden, Schulz werde wegen des steigenden Drucks aus den eigenen Reihen auf das Außenministerium in einer Großen Koalition verzichten.

    Schulz-Kritik = Jobverlust

    Der Herausgeber, Geschäftsführer und Miteigner des Handelsblatt, Gabor Steingart, hatte Schulz‘ Verrat am Donnerstagmorgen in seinem morgendlichen Rundbrief als heimtückischen „Mord“ beschrieben:

    Das Duell wird nach den Regeln des Parteienkampfes ausgetragen, also im Verborgenen. Besondere Raffinesse wird dabei vor allem von Schulz verlangt, da er sich nicht beim Mord an jenem Mann erwischen lassen darf, dem er das höchste Parteiamt erst verdankt.

    Der Tathergang wird in diesen Tagen minutiös geplant.(…) Die Tränen der Schlussszene sind dabei die größte Herausforderung für jeden Schauspieler und so auch für Schulz, der nichts Geringeres plant als den perfekten Mord.

    Schulz ein politischer Killer in bester Agatha-Christie-Manier? Haupteigner der Verlagsgruppe, Dieter von Holtzbrinck, ging das zu weit. Er habe sich bei Schulz noch gestern entschuldigt: „Das heutige ‚Morning Briefing‘ von Gabor Steingart hat mich schockiert“, zitiert Spiegel-Online aus seinem Brief an den zukünftigen Außenminister. „Inhalt und Stil des Sie betreffenden Textes entsprechen weder meinen publizistischen Qualitäts- und Wertevorstellungen noch denen der Handelsblatt-Redaktion.“ Er habe sich „vielmals“ auch „im Namen des Handelsblatt“ entschuldigt.

    Einer der reichsten Deutschen: Dieter von Holtzbrinck. Foto: Lilienberg (Own work), Wikimedia Commons

    Gesprächen im Aufsichtsrat folgte am Freitag ein Treffen zwischen Holtzbrinck und Steingart. Und tatsächlich: Steingart muss seinen Posten bei der Wirtschaftszeitung räumen!

    Ein deutliches Zeichen an andere Journalisten: Nicht nur darf ein Politiker heute nicht mehr davon sprechen, den Gegner zu „jagen“, wie es Alexander Gauland unter hysterischen Medienaufschreien nach der Bundestagswahl angekündigt hatte, – nein – es ist fortan sogar verboten, einem Steuermillionär wie Schulz, Verrat und Null-Solidarität auf theatralisch-überspitze Art und Weise vorzuwerfen. Metaphern verboten!

    Im Hinblick auf das umstrittene „Morning Briefing“ sagte Steingarts Anwalt Christian Schertz im Namen seines Mandaten: „Gabor Steingart achtet die Meinungsfreiheit nicht nur, er praktiziert sie auch.“ Bei der neuen, alten Regierung und ihren mächtigen Freunden schadet man sich damit in Zukunft anscheinend noch mehr als sonst. Der Fall belegt: Die Stasi 2.0 ist hellwach und sie ist überall. Unterstützen Sie unseren Widerstand gegen die Sprachpolizei. Die Sache ist Ernst!

    Compact-Magazin Februar 2018 Stasi 2.0

     

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