Konformisten-Terror: Radiosender Bremen Vier cancelt Co-Produktion für zwei Xavier Naidoo-Konzerte

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Wer sich derart unterwirft, braucht keine Diktatur mehr. Er hat die Freiheit ungezwungen liquidiert. Der GEZ-Sender Bremen Vier hat nämlich die Co-Produktion für zwei Konzerte der Söhne Mannheims gecancelt.

Der couragierte Sender gibt auch eine Begründung: „Die Söhne Mannheims haben mit ihrem neuen Song ,Marionetten‘ für einen bundesweiten Skandal gesorgt. Nachdem Xavier Naidoo erst im letzten Jahr mit merkwürdigen Weltansichten und einem Auftritt bei den ,Reichsbürgern‘ für Negativschlagzeilen gesorgt hat, provoziert er jetzt Ärger mit einem Song für die Söhne Mannheims – denn einige Passagen in ,Marionetten‘ hören sich verdächtig nach rechtem Gedankengut an. Mitglieder der ,Reichsbürger‘ und der NPD feiern den Song schon fleißig im Netz.“ Allein dieses Vokabular: „merkwürdige Weltansichten“, „hört sich verdächtig nach rechtem Gedankengut an.“ All das ist lupenreine Zensorenprosa. Kein greifbares Argument, nur Verdächtigung, Flüstern, Denunziation.

Halt! Doch! Einen konkreten Kritikpunkt hat der Sender: In dem Song „Marionetten“ werden „Politiker als ,Hoch- und Volksverräter‘ bezeichnet und zu Gewalt aufgerufen: ,Wenn ich so einen in die Finger krieg, dann reiß ich ihn in Fetzen!’“. Dass die lieben lieben Politiker der Bundesrepublik das Volk an die Globalisierung verraten könnte – unvorstellbar! Was denkt dieser Naidoo sich?

Irgendwie muss das selbst dem Bremen Vier-Team zu wenig gewesen sein. Jedenfalls glaubt sich deren Chef Helge Haas zu einer zusätzlichen Rechtfertigung genötigt: „“Wir haben eine hohe Achtung vor künstlerischer Freiheit. Und ich bin immer skeptisch, wenn einzelne Zeilen aus einem Songzusammenhang gerissen werden und damit argumentiert wird.“ Eben nicht. Denn Haas schreibt ja einige Zeilen später: „Wenn man sich aber ‚Marionetten‘ anhört, ist der Song im Ganzen im besten Falle sehr missverständlich. Er befeuert Verschwörungstheorien, nimmt mehrfach Bezug auf die Theorien der ‚Reichsbürger‘ und der Rechtspopulisten – und zwar in einer Art, die man kaum anders verstehen kann, als dass dies die Meinung von Xavier Naidoo ist und er nicht nur darüber singt. Der Song ruft zu Selbstjustiz auf und verneint im Kern die Unabhängigkeit demokratisch gewählter Parlamente.“

Wieder diese Unschärfe: Der Song sei „bestenfalls missverständlich“, „befeuert Verschwörungstheorien“, „nimmt Bezug auf die Theorien der ,Reichsbürger‘ und der Rechtsextremisten“ – wobei man wissen muss, dass Rechtspopulismus in der Sprache des Mainstreams inzwischen für jede Art des Widerstands steht. Bleibt noch hinzuzufügen, dass Aufrufe zur „Selbstjustiz“ in Songs oder Gedichten sich niemals als unmittelbare Handlungsaufforderung lesen lassen – sonst müssten diverse linke oder antideutsche Bands längst indiziert sein. Aber die stehen ja auf der „richtigen Seite“.

Die letzte Anschuldigung, dass der Song „im Kern die Unabhängigkeit demokratisch gewählter Parlamente“ verneine, entspringt wieder der Konformistenlogik: „Was nicht sein darf, das ist auch nicht.

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(1) zit. n. http://www.radiobremen.de/bremenvier/events/xavier-naidoo-und-soehne-mannheims-in-bremen-100.html

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