Kleiner Genuss: Tischtennis

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Aus COMPACT 11/2012 mit Korrektur. Von Philippe Guichard

(Der folgende Text erschien in COMPACT 11/2012, leider in einer mit dem Autor im Stress der Endproduktion nicht abgesprochenen und fehlerhaften Version, was die Redaktion bedauert. Hier also die Originalversion – ein „kleiner Genuss“!)

Tischtennis

Wenn Sport Mord ist, dann ist Tischtennis ein genüssliches Spiel. Jedenfalls für einen Amateur wie mich, der auf dem Schulhof, im Schwimmbad oder bei den Großeltern schon immer eifrig gespielt hat. Es ist wenig Ausrüstung nötig: zwei einfache Schläger, ein Ball und ein Partner … Tische gibt es ja überall, zumindest in Berlin. Einwandfreie Kondition ist auch nicht gefragt: man braucht nicht regelmäßig zu trainieren, um intensive Ballwechsel zu erleben. Wenn ich einen Gegner finde, der ungefähr so gut ist wie ich, dann weiß ich, dass es „hin und her“ gehen wird: mit etwas Vorstellungskraft bilde ich mir sogar ein, wir würden auf hohem Niveau spielen!
Das unterscheidet Pingpong von Federball und Frisbee: der schnelle Ball innerhalb der Tischgrenzen sorgt für Adrenalin. Die feine Motorik, die Konzentration und die Flugbahnen mit seinem Gegenüber zu teilen, gibt Glücksgefühle. Selbst Anfänger  erfahren das. Falls die Qualität zwischen zwei Spielern jedoch zu unterschiedlich ist, kann der stärkere die Kelle mit seiner schwächeren Hand bedienen, um so die Spannung zu halten …
Henry Miller, der ein gutes Gespräch für eine Kunst hielt, war ein leidenschaftlicher Tischtennisspieler. Vielleicht liegt ja die Anziehungskraft dieses Spiels in dem Gefühl, mit Tempo ein Gespräch ohne Worte zu führen. Ein Gefecht mit dem Zelluloidball!

 

Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

 

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