Kippchen, Kittchen und Pilsken: Die deutsche Fußball-Legende Helmut Rahn

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«Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen» – und er schoss! Das Tor ist ins kollektive Gedächtnis der Nation eingegangen, der Schütze in die Annalen des deutschen Fußballs. Ein echtes Ruhrpott-Original. Ein Textauszug aus COMPACT-Spezial Nr. 17 «Nationalsport Fußball».

_ von Sven Reuth

«Ich lass‘ se kommen und zieh die Kirsche schnell vom rechten auffen linken Fuß. Und da – Mann, ich seh‘ et noch wie heute – hab‘ ich dat janze Jelände vor mir. Keine zwanzich Metern von‘n Tor wech, inne Position von den Halbrechten. Der Grosics steht akkurat so, dat in seine rechte Ecke Platz iss. Ich zieh‘ ab mit den linken Fuß, und dat jibt so‘n richtijen jefährlichen Aufsetzer. Tja, und watt dann passiert, datt wisst Ihr ja.» So hat Helmut Rahn es immer wieder erzählen müssen, wenn er in den Essener Kneipen mit den Worten «Helmut – erzähl‘ mich dat Tor» angehauen wurde. Klar, es geht um das wohl berühmteste Tor der deutschen Fußballgeschichte.

Das Crescendo, mit dem Rundfunkreporter Herbert Zimmermann im Finale der WM 1954 den Siegtreffer gegen Ungarn bejubelte, ist Legende. Rahn, der «Nerven wie Klaviersaiten» (Herberger) hatte, war in diesem Turnier weit mehr als nur der Joker, der im entscheidenden Moment einnetzte. Das kraftstrotzende Energiebündel aus dem Ruhrpott hatte als Zimmergenosse von Fritz Walter den zur Melancholie neigenden deutschen Spielmacher mit seinen Späßen so aufgemuntert, dass dieser gar nicht erst ins Grübeln kam. Und er war der personifizierte Albtraum gegnerischer Abwehrreihen, der zwar auch mal den besser positionierten Mitspieler übersah, aber kaum mehr zu halten war, wenn er den Ball am Fuß hatte.

Zwischen Fördertürmen

Helmut Rahn steht für die Blütezeit des Vereinsfußballs im Ruhrpott. 1951 wurde der sogenannte Schlotbaron Georg Melches, Bergwerksdirektor der damals florierenden Didier-Kogag-Hinselmann AG in Essen, auf den Spieler aufmerksam, der damals noch als Mittelstürmer bei den Sportfreunden Katernberg kickte. Der Industrielle machte ihm ein unwiderstehliches Angebot: Er sollte eine Anstellung als Chauffeur bei dem Konzern erhalten, hauptsächlich jedoch für Rot-Weiss Essen das Leder ins gegnerische Netz zimmern.

Der Arbeitersohn, der ausweislich seiner Autobiografie Mein Hobby: Tore schießen seine Jugend «zwischen Fördertürmen» verbracht hatte, schlug beim Klub aus dem Zechenviertel Bergeborbeck bombig ein und war maßgeblich am Gewinn des DFB-Pokals im Jahr 1953 und der Meisterschaft im Jahr 1955 beteiligt. Das außergewöhnliche Talent dieses unberechenbaren Spielers war Bundestrainer Sepp Herberger natürlich nicht lange verborgen geblieben. Der studierte Pädagoge wusste genau, wie er Rahn zu nehmen hatte. Als dieser im ersten deutschen WM-Spiel am 17. Juni 1954 gegen die Türken nicht zum Einsatz kam und daraufhin seinen Kummer in einer durchzechten Kneipennacht ertränkte, tat der sonst sehr auf Disziplin bedachte Herberger am nächsten Morgen so, als bemerke er Rahns Fahne nicht.

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Mit der Nichtberücksichtigung des Essener Mittelstürmers zum Auftakt der Weltmeisterschaft in der Schweiz kitzelte der Trainer erst so richtig dessen Ehrgeiz hervor. Vor dem enorm wichtigen Viertelfinale gegen die bärenstarken Jugoslawen versprach Rahn dem «Chef», Jugo-Torwart Beara «ein Ding» reinzuhauen, so wie er das immer mache. Während des Spiels, das am 27. Juni in Genf stattfand, erinnerte der Trainer seinen Jungen dann an das gegebene Versprechen, der tatsächlich mit einem kapitalen Schuss, den Herberger nur als «schwarzen Strich» wahrnahm, antwortete. Mit dem 2:0 gegen die Balkan-Kicker entschied er die auf der Kippe stehende Partie. Und natürlich hätte auch das Wankdorf-Stadion am verregneten Finaltag des 4. Juli nie ein Wunder von Bern gesehen, wenn es neben dem wie entfesselt aufspielenden Regisseur Fritz Walter nicht auch einen Vollstrecker vom Range eines Helmut Rahn gegeben hätte, der den anfänglichen deutschen Rückstand erst egalisierte und dann zu einem Vorsprung ausbaute.

Die Euphorie, die dieser Sieg im Nachkriegsdeutschland auslöste, ist bis heute unvergleichlich. Es gab nach der Rückkehr der Helden von Bern nicht nur eine zentrale WM-Feier, sondern eine wochenlange Serie an Empfängen in der gesamten Bundesrepublik. Auf dem Münchener Marienplatz bejubelte eine halbe Million Menschen die frischgebackenen Weltmeister. Noch mehr sollen es in Rahns Heimatstadt Essen gewesen sein, wo man natürlich besonders aus dem Häuschen war. (…)

Dies ist ein Auszug aus COMPACT-Spezial Nr. 17 «Nationalsport Fußball». Den vollständigen Text finden Sie im Heft. Zur Bestellung einfach hier oder auf das Bild oben klicken.


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8 Kommentare

  1. Das wäre heute nicht mehr möglich!
    Stattdessen kommen Özil und Gündogan, die Türken, die als bekennende Erdogananhänger keine deutsche Nationalhymne kennen, aus dem Ruhrgebiet.
    Das Revier hat heute auch WM-Mitspieler, aber "durfte" eben in der Vorrund nach Hause!
    Ein Antropologe hatte unlängst gesagt, daß ab 16% Muslimen in der Bevölkerung eine Islamisierung nicht mehr umkehrbar ist. Im Ruhrgebiet kommt noch hinzu, daß die muslimische Bevölkerung jung, die ethnisch Deutschen eher über 60 Jahre alt sind. NRW hat auch alleine mehr Flüchtlinge aufgenommen, als Italen oder Frankreich.
    Rahn spielte, als man für einen Sieg noch 1 Sack Kartoffeln bekam und die Mannschaft für den Bus, der sie zum Auswürtsspiel brachte, zusammenlegen mußten! Vielleicht waren sie gerade deswegen besser!

  2. Langsam frage ich mich, warum ich diese hochinteressante Heft mir gekauft habe, wenn hier nach und nach alle Artikel erscheinen!?

    Besonders erfreut bin ich, dass der DDR Fußball auch stattfindet und nicht ausgespart bleibt.
    Dafür meinen Dank!

    Neu war für mich, dass bei dem Freundschaftsspiel 1955 im Moskau zwischen der UdSSR und der BRD kein westdeutscher Politiker, wohl aber Wilhelm Pieck im Stadion war.

  3. Juniorprofessor am

    Nicht nur ich wollte, dass es so wäre. Ich bin in einer richterlichen Position am Landgericht München tätig.
    Generell ist der Umfang verschiedenartiger Kriminalität in der Tat deutlich gestiegen. Es werden nur sehr wenige eigentlich anzeigewürdige Fälle aktenkundig, sofern Asylsuchende beteiligt sind. Menschen, die meist zunächst in einer Unterkunft registriert wurden oder deren Herkunft nicht wirklich geklärt ist. Manchmal wird ein mögliches Strafverfahren auch aus politischen Gründen nur bei wiederholter oder intensiver Kriminaltat in Erwägung gezogen. All dies fliest jedoch nicht in die von Ihnen genannte Statistik mit ein.
    Dennoch sind ausländische bzw. im Migrationsprozess stehende Täter prozentual deutlich überrepräsentiert. Man gehe einmal selbst für einen Vormittag zum Amts- und besser noch zum Landgericht und studiere zunächst die Namen der Angeklagten sowie das Verfahrensthema in den kleinen Schaukästchen vor den Gerichtssäälen.
    Da könnte so manchem vermeintlich ‚Gut’menschen ein Licht aufgehen. Mir persönlich erzählte ein freundlicher Migrant, wie er und knapp 120 weitere Personen – kurz mit einem Schlepperboot wenige Kilometer von der Lybischen Küste abgefahren – von einem größeren NGO-Schiff planmäßig dort abgeholt und nach Italien gebracht wurde. Schlepper und NGO hielten ständig Funkkontakt. Soviel zur oft genannten Legende "Rettung Schiffbrüchiger" auf dem Mittelmeer.
    Freundliche Grüße

  4. "Er sollte eine Anstellung als Chauffeur bei dem Konzern erhalten, hauptsächlich jedoch für Rot-Weiss Essen das Leder ins gegnerische Netz zimmern."
    Das nannte man früher Vitamin B, heute Korruption.

    Genauso mit Doping: Heute Duftstofftherapie, morgen kriminell?
    [ NOIZZ.de: Haben die Russen bei der WM gedopt? ]

    Da kann man nur froh sein, wenn morgen zwei sympathische, kleine EU-Länder wie Belgien und Kroatien auf saubere Weise ins Endspiel stürmen:
    [ HLN.BE: Reese Witherspoon feliciteert Belgen met overwinning op WK ]

    • heidi heidegger am

      Schwarz-Weiss Essen wäre Dir wohl lieber gewesen, häh? und: Reese W. sieht shicé aus (das kinn!)-die hat sich doch als s.spielerin hochgeruckelt..erähl-mir-doch-nix! *istdochwahr*

  5. Aristoteles am

    "Bocik, immer wieder Bocik, der rechte Läufer der Ungarn am Ball" —
    allein diese Worte Zimmermanns könnten heute der fremdenfeindlichen BRD-Zensur anheimfallen,
    denn der "rechte Läufer" – wer könnte das anderes sein als ein ungarischer Nazi!

    Noch einmal herzlichen Dank an Compact für die schönen Fußball-Erinnerungen.
    Jedem, der einmal gegen den Ball getreten hat, blutet das Herz, wenn er sieht,
    welch identitätsloser, exorbitant überbezahlter Brot-und-Spiele-Zirkus
    aus der schönsten Nebensache der Welt geworden ist.

    Das Kapitel ‚Fußball‘ ist ein für allemal vorbei —,
    bis wieder echte Bayern, Preußen, Sachsen, Schwaben, Franken, Hessen, Friesen, Westfalen usw.
    in ihren Vereinen spielen und Deutsche für Deutschland –
    vielleicht in ein paar Jahrhunderten oder Jahrtausenden – mit Hilfe der Gen-Technik.

  6. heidi heidegger am

    Das außergewöhnliche Talent dieses unberechenbaren foristen war Chefredakteur und ex-Libero JE natürlich nicht lange verborgen geblieben. Der studierte Pädagoge wusste genau, wie er hh zu nehmen hatte. [nach fünf durzechten nächten wg. kummer mit der unterkühlten mitforistin GABI usw. usw.]

    starker (auf)satz. also, im orginal-*türlich..

    zacknweg

    • heidi heidegger am

      was sagte ich kürzlich, häh? (wenn mann-frau es kann/und COMPACT hat es drauf und kann es auch..) ist fball (auch) die große erzählung, und ich lese voller wonne: mein vernünftiger sportskamerad @ari (halbrechtsaussen-flügelstürmer) lässt den ball laufen..so muss ditt!

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