Der Sänger Xavier Naidoo wurde von einer Referentin der Amadeu-Antonio-Stiftung des „strukturellen Antisemitismus” beschuldigt. Der wehrte sich, zog vor Gericht und bekam recht.

    Einer der perfidesten Tricks pseudolinker Polemik besteht aus Anschuldigungen, denen das Attribut „strukturell“ vorgesetzt ist: Da gibt es den „strukturellen Antisemitismus” oder den „strukturellen Rassismus”. Wenn jemand die Herrschaft großer Banken beklagt, ist er ein „struktureller Antisemit”. Denn einige Banken gehören Juden. Freilich nicht alle: Man erinnere nur an den Protestanten Rockefeller. Aber wer will da so kleinlich sein. Nein nein, er meinte die Juden. Ergo: Bankenkritiker sind „strukturelle Antisemiten”.

    Ebenso geht es um die Verwendung von Bildern: In früheren Zeiten verglichen Antisemiten das Judentum beispielsweise mit einer Krake. Wer heutzutage etwa für die Denunzierung globaler Macht die Kraken-Metapher verwendet, setzt sich dem Vorwurf eines „strukturellen Antisemitismus” aus. Auch wenn seine Argumentation sonst wenig mit Juden zu tun hat. Er verndet nämlich eine “antisemitische Chiffre”.

    Besonders beliebt sind solche Vorwürfe bei Jutta Dittfurth und ihren beiden Fans Kevin Culina (Autor bei der antideutschen Wochenzeitung Jungle World) und Jonas Fedders (u.a. taz-Autor). Natürlich lesen die samt ihrer Mitstreiter solche strukturellen Antisemitismen oder Rassismen nur in der Alternativpresse. Wenn die taz beispielsweise Facebook als „Datenkrake“ bezeichnet, bleiben ihnen die Assoziationen so völlig aus.

    Kurzum: „struktureller Antisemitismus”, auch ironisierend als „Antisemitismus ohne Juden” bezeichnet, ist ein – seinerseits antisemitischer – Trick. Antisemitisch ist er, weil er Juden mißbaucht, um den politischen Gegner zum Schweigen zu bringen.

    Des „strukturellen Antisemitismus“ wurde auch der Sänger Xavier Naidoo beschuldigt. Dieser Rufmordversuch – brutal und kleingeistig zugleich – stammte, na, wer kommt drauf? Richtig, von einer Referentin der Amadeo Antonio-Stiftung. Aber Naidoo ließ das nicht auf sich sitzen und klagte.

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    Die Beschuldigung beruhte auf der angeblichen Verwendung antisemtischer Codes und Chiffren: „Er ist Antisemit, das ist strukturell nachweisbar.“ Naidoo entgegnete: Ihm seien diese Codes nicht bekannt gewesen. Außerdem habe er seinem Sohn einen hebräischen Namen gegeben. Jetzt urteilte das Landgericht Regensburg: Xavier Naidoo darf nicht Antisemit genannt werden. Besagte Referentin darf diese Beschuldigung nicht wiederholen, sonst drohen Haft und Geldstrafe. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig und sie hat bereits angekündigt, in Berufung zu gehen.

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