Juncker will Brexit durch Zweiklassen-EU schönfärben

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Jean-Claude Juncker, scheidender EU-Kommissionspräsident, hatte erst vorige Tage den Briten eine gesalzene Rechnung für den Brexit angedroht. Zugleich aber dürfte er bemerkt haben, dass weitere Ausstiegswillige sich davon nicht abschrecken lassen. Also grub er jetzt ein Modell vom globalen Ideen-Friedhof aus, das vor Jahren bereits verworfen wurde.

Als das Modell eines Europas der verschiedenen Geschwindigkeiten aufkam, in dem einzelne EU-Mitgliedsländer unterschiedlich eng zusammenarbeiten konnten bzw. sollten, stieß das auf weitreichende Ablehnung. Man befürchtete eine Zweiklassen-EU. Jetzt, nach dem Brexit und ohne Zukunftskonzept, präsentiert Jean-Claude Juncker das Modell erneut: Im belgischen Louvain-la-Neuve definierte er die EU als festen Kern, um den es verschiedene konzentrische Kreise geben könne: Nicht jedes Land könne bei allen Gemeinschaftsprojekten mitmachen.

„Wem es in der Küche zu heiß wird, der sucht die frische Luft“, illustrierte Juncker seine Ausgrabung. Dann griff er zum astronomischen Beispiel: Im weiteren „Orbit“ [Umlaufbahn eines Satelliten um einen Planeten, Anm. d. Red.] könnten dann auch Staaten wie Großbritannien oder die Türkei um den glorreichen EU-Stern kreisen, mit ihm verbunden bleiben. Vor allem fiele dann die Negativ-PR wie beim Brexit weg. So wird aus dem Ausstieg nur ein Sich-Entfernen. Dass diese Imageaufbesserung nötig ist, weiß Juncker selbst. In einem Interview beklagte er, es fehle am „Grundeinverständnis“ über „die Dinge, die in Europa zu leisten sind“.

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