Wikileaks-Gründer Julian Assange, dem die ecuadorianische Botschaft in London seit 2012 Asyl gwährt, darf nicht mehr mit der Außenwelt kommunizieren. Auch die Internetverbindung wurde ihm gekappt. Ecuadors Regierung begründet dieses Vorgehen mit der Gefährdung diplomatischer Beziehungen zur Europäischen Union. Aber nicht wegen dem Leaking weiterer Staatsgeheimnisse, sondern wegen einer Meinungsäußerung! Adieu Demokratie…

    Was ist der Chef von Wikileaks ohne Internet? Er kann nicht arbeiten, nicht pubizieren, ist nicht zu erreichen. Er wird aufs pure Vegetieren, aufs reine Überleben in seinem Zimmer reduziert, das er nicht verlassen kann. Eine Art Iso-Haft also.

    Seit sechs Jahren lebt Julian Assange in der Londoner Botschaft von Ecuador, dessen Staatsbürger er inzwischen geworden ist. Allein dafür verdient der südamerikanische Staat Respekt. Weiß man doch, was es bedeutet, sich mit dem Big Brother aus Washington anzulegen.

    Schließlich hat Ecuadors Asylgewährung den Enthüllungsjournalisten vor einer Auslieferung an Schweden (und damit womöglich auch indirekt an die USA) bewahrt. Keine Kleinigkeit. Jetzt aber scheint das mutige Land so richtig unter Druck gekommen zu sein. Denn dessen Regierung ließ aus der Hauptstadt Quito wissen: Sämtliche Kommunikationswege, darunter das Internet, sind ab sofort für Assange gesperrt.

    Grund dafür sind aber diesmal nicht Schweden und auch nicht die USA. Nein, in Quito fürchtet man um diplomatische Beziehungen zur Europäischen Union! Was aber hat Assange denn Schlimmes getan, um den Brüsseler Leuchtturm für Demokratie und Meinungsfreiheit zu verägern? Wieder ein ultrageheimes Dokument publiziert? Nein, er hat seine Meinung geäußert – und das gleich zweimal:

    Erstens kritiserte Assange am Montag Großbritanniens beweisfreie Beschuldigung Russlands wegen der Giftattacke auf den Ex-Spion Sergej Skripal und dessen Tochter. Zudem hielt der Wikileaks-Chef die Sanktionen gegen Russland für widersinnig.

    Zweitens nannte Assange den Ex-Regierungschef aus Katalonien, Carles Puigdemont, dessen Souveränitätsbestrebung ihm in Deutschland eine Verhaftung einbrachte, einen „politischen Häftling“.

    So einem unverschämten Provokateur muss natürlich das Maul gestopft werden. Schon einmal wurde Assange das Netz abgestellt. Das war im Jahre 2016, als er Hacker-Dokumente zum US-Wahlkampf publizierte. Im Vergleich dazu wirkt der jetzige Anlass mega-banal.

    Und wenn ein Land wie Ecuador – das schon den Mut hatte, dem Wikileaks-Chef Asyl zu gewähren – wegen dieser Nichtigkeit zu solchen Mitteln greift, dann muss man vermuten, dass es mächtigen Druck erfahren hat. Auch dabei dürften die europäischen Regierungen kaum die Meinung ihrer Bevölkerungen repräsentieren. Die Toleranzschwelle der Global Player scheint zu sinken.

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