Jürgen Klopp gilt schon lange als einer der besten Fußballtrainer der Welt, doch nun will er sich im dritten Anlauf endlich mit dem Gewinn der Champions League krönen

     Am kommenden Samstag schaut die Fußballwelt in das frisch renovierte und erweiterte Wanda Metropolitano. Der Fußballtempel, der üblicherweise eigentlich die Heimstätte von Atlético Madrid ist, wird dann zum Austragungsort des diesjährigen Finales in der Champions League. Zum zweiten Mal seit 2008 treffen im Endspiel mit dem FC Liverpool und Tottenham Hotspur zwei englische Mannschaften aufeinander,

    Auch in Deutschland wird die Partie auf besonderes Interesse treffen, was vor allem am Trainer der Reds aus Liverpool, dem Charismatiker und Menschenfänger Jürgen „Kloppo“ Klopp liegt. In nur gut drei Jahren hat der gebürtige Stuttgarter es geschafft, auf der Insel zu einer Ikone zu werden. Zuletzt gelang den Reds unter seiner Ägide die erste Hinrunde in der Premier League ohne eine einzige Niederlage, am Ende gab es allerdings wieder einmal kein Happy End für Klopp und wie im Vorjahr konnte sich Manchester City den Titel sichern.

    Aufstieg beim “Karnevalsverein”

    Dennoch ist „Kloppo“ auch auf der Insel mittlerweile bekannt wie ein bunter Hund – eine erstaunliche Karriere für jemanden, der es während seiner Karriere als aktiver Fußballer nur bis in die 2. Fußball-Bundesliga gebracht hat.

    Der am 16. Juni 1967 in Stuttgart geborene Klopp wuchs in Glatten auf, einer knapp 2.400 Einwohner zählenden Gemeinde im Nordschwarzwald. Ab dem Alter von fünf Jahren trainiert er bei der E-Jugend des heimischen SV Glatten mit und fällt schon als Kind durch seinen außergewöhnlichen Ehrgeiz auf.

    Doch der Traum, Fußballprofi zu werden, erfüllt sich für den Schwarzwälder Bub erst relativ spät und nach Stationen bei Amateurvereinen wie Rot-Weiss Frankfurt, Viktoria Sindlingen und der Reservemannschaft von Eintracht Frankfurt. Im Jahr 1990 wird er endlich vom FSV Mainz 05 verpflichtet, der damals gerade in die 2. Fußball-Bundesliga aufgestiegen war.

    Hier wird Klopp zum Stamm- und Schlüsselspieler und bestreitet insgesamt 340 Pflichtspiele für die Domstädter, womit er bis heute in der vereinsinternen Statistik weit vorne steht. „Ich hatte das Talent für die Landesliga und den Kopf für die Bundesliga – herausgekommen ist die Zweite Liga“, äußerte Klopp einmal über seine aktive Spielerkarriere. Obwohl Klopp noch keinen Trainerschein für den Profifußball, dafür aber ein abgeschlossenes Sportstudium besaß, machte ihn der FSV-Manager Christian Heidel am Rosenmontag des Jahres 2001 zum Teammanager der 05er, die zu dieser Zeit auf einem Abstiegsplatz rangierten.

    Tatsächlich gelang es den Mainzern unter seiner Ägide, sechs der folgenden sieben Spiele zu gewinnen und so die Klasse zu erhalten. In den folgenden Jahren ernteten die Domstädter viel Mitgefühl, weil sie zweimal hintereinander – 2002 und 2003 – den Erstligaaufstieg denkbar knapp als jeweils Viertplatzierter verpassten.

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    Der emotionale Klopp heult gemeinsam mit den Fans Rotz und Wasser, als am 25. Mai 2003 Eintracht Frankfurt in der Schlussphase des letzten Zweitligaspieltages noch drei Tore gegen den SSV Reutlingen erzielt, und so den FSV, dessen Spiel in Braunschweig schon abgepfiffen war, noch in allerletzter Sekunde vom Aufstiegsrang verdrängt.

    Es spricht für die Nehmerqualitäten von Trainer und Mannschaft, dass sie sich durch das zweimalige knappe Scheitern nicht entmutigen lässt und in der Saison 2003/2004 der Aufstieg in die Bundesliga gelingt, womit die 05er erstmals in ihrer Vereinsgeschichte die höchste deutsche Spielklasse erreichen.

    Der “Harry Potter” der Bundesliga

    Mehr noch: Dem „Karnevalsverein“, wie ihn selbst die eigenen Fans selbstironisch nennen, fliegen die Sympathien zu wie kaum einem anderen Neuling zuvor. Der unkonventionelle Klopp wird von der Bild-Zeitung als „Harry Potter der Bundesliga“ bezeichnet, die Neue Zürcher Zeitung bezeichnet ihn „als Lichtblick in einer Branche, die tief in der Krise steckt“.

    Der junge Trainer bricht mit allen Konventionen und spricht aus, was Kollegen von ihm nicht zu denken und schon gar nicht auszusprechen wagen würden. „Wir spielen nicht ergebnisorientiert“, äußert er beispielsweise, oder „Hier darf jeder Fehler machen, wir retten schließlich keine Leben“. Er will lieber attraktiven Fußball bieten, als um jeden Preis erfolgreich zu sein.

    Schon in Mainz entwickelt er den typischen „Klopp-Stil“, der in einem sehr laufintensiven und offensiv ausgerichteten Geschwindigkeitsfußball besteht und dessen Herzstück das schnelle Umschalten von Abwehr auf Angriff ist.

    Heldenstatus beim BVB

    Im Jahr 2008 wechselt er in das östliche Ruhrgebiet zu Borussia Dortmund. Zum damaligen Zeitpunkt waren die Westfalen nur knapp einer Insolvenz entronnen und hatten die Saison 2007/2008 auf dem 13. Tabellenplatz abgeschlossen. Mit einer jungen und talentierten Truppe bringt „Kloppo“ die Schwarz-Gelben wieder auf Erfolgskurs.

    Im Jahr 2011 gewinnt er mit dem BVB die Deutsche Meisterschaft, im Jahr 2012 sogar erstmals in der Vereinsgeschichte das Double aus Meisterschaft und Pokal. Unvergessen ist auch die folgende Saison, in der Borussia Dortmund in das Finale der Champions League stürmt, wo die Mannschaft dem FC Bayern München mit 1:2 unterliegt, nachdem sie im Halbfinale noch die „Königlichen“ von Real Madrid ausgeschaltet hatte.

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    In seiner Zeit beim BVB beweist Klopp sein außergewöhnliches Talent bei der Förderung junger Talente wie Mats Hummels, Marcel Schmelzer, Kevin Großkreutz, Sven Bender, Robert Lewandowski oder Mario Götze, der beim Gewinn der Meisterschaft des Jahres 2011 gerade einmal 18 Jahre alt ist. Die Meister-Mannschaft des Jahres 2011 ist bis heute die jüngste aller Zeiten in der Bundesliga geblieben und Jürgen Klopp wird durch die Europacup-Auftritte des BVB weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt.

    “The Normal One”

    Als er im Jahr 2015 zum FC Liverpool wechselt, nimmt der Rummel um ihn auch in England schnell „Beatles-Dimensionen“ an, wie die Welt damals berichtet. Auch in der Stadt am Mersey besteht seine größte Stärke darin, schnell eine feste emotionale Bindung zu Mannschaft, Umfeld und Fans zu knüpfen. Schon in seiner Premierensaison bei den Reds gelingt ihm der Einzug in das Finale der Europa-League, das in Basel mit 1:3 gegen den FC Sevilla verloren geht.

    Im vergangenen Jahr folgte dann im Finale der Champions-League das Drama gegen Real-Madrid im Olympiastadion von Kiew, als der damalige Liverpool-Schlussmann Loris Karius – der sich wie Klopp seine ersten Sporen im Profifußball beim FSV Mainz 05 verdiente – nach einem vom Schiedsrichter nicht geahndeten Ellenbogen-Schlag von Sergio Ramos eine Gehirnerschütterung erleidet und das Spiel mit zwei schweren Torwartfehlern gegen seine Mannschaft entscheidet.

    Bei seiner ersten Pressekonferenz in Liverpool stellte sich der unprätentiöse Klopp als The Normal One vor, in bewusster Abgrenzung zu José Mourinho, der sich beim FC Chelsea als The Special One inszenierte. Das lässt ihm im rauen Nordwesten Englands die Herzen der Fans zufliegen, aber auch in Deutschland hat er noch viele Anhänger, was dem Finale in Madrid auch hierzulande hohe Einschaltquoten bescheren dürfte.

    6 Kommentare

    1. Dieser Grimassen schneidende Kerl ist auch nur ein nützlicher System Clown.

    2. Ein intelligenter, sympathischer und charismatischer Typ und Menschenfischer. Wenn er sich doch nur gänzlich unpolitisch geben würde, leider dringt hin und wieder PC-Sprech durch (Trump böse, Merkel gut bspw.).

    3. Terence Pickens an

      Hier in Spanien liegt der Schwarzmarktpreis für die Eintrittskarte bereits bei € 4.000 pro Nase. Ein Kneipenwirt bietet die Übernachtung im Schankraum für € 1.900 an. Bei einem der letzten Spiele machte ein englischer Fan in Spanien Schlagzeilen: Er ließ einem polnischen Landstreicher gegen Bezahlung den Vornamen seiner Braut auf die Stirn tätowieren . . . Niederländische Fans ließen unlängst auf einer Plaza Madrids rumänische Zigeuner Liegestütze absolvieren . . .

    4. heidi heidegger an

      hoho, (but) I do remember his darkest hour: Frankfurt fängt Mainz 2003 in letzter Sekunde ab:

      Nach einem an Spannung nicht zu überbietenden Fernduell gegen Mainz 05 steht Eintracht Frankfurt nach Freiburg und Köln als dritter Aufsteiger in die Fußball-Bundesliga fest. Den Mainzern reichte ein klarer Auswärtssieg in Braunschweig nicht, weil die Frankfurter gegen Reutlingen in den letzten zehn Minuten noch drei Treffer erzielten.

      ..und irgendwann (später?) traten ihm die Union Berlin Fäns mächtich in Oahsch und verhöhnten die Meenzer ohne Ende (Rangeleien inklusive..)..wann war das nochmal, häh?

      • Jeder hasst die Antifa an

        Ich glaube dich werden wir in letzter Sekunde abfangen müssen,bevor du alter Hooligan aufs Spielfeld stürmst. zacknweg