In Dresden und Plauen hat die Polizei zu einem Schlag gegen zwei mutmaßliche Anwerber der Terrormiliz Islamischer Staat ausgeholt. In der Kleinstadt Riesa lebte ein IS-Sympathisant längere Zeit unbehelligt. Besonders erschreckend: Er hatte offenbar Verbindungen zu Anis Amri – dem Lkw-Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz.

    Am frühen Morgen haben Anti-Terror-Einheiten der Bundespolizei den Islamisten Esmail A. (22) in seiner Wohnung in Plauen (Vogtland) festgenommen. Gegen den Syrer lag ein Haftbefehl der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe vor. Ihm wird vorgeworfen, Mitglied des sogenannten Islamischen Staates (IS) zu sein und in Deutschland neue Anhänger der Terrororganisation angeworben und grausame Hinrichtungsvideos verbreitet zu haben.

    Nach Informationen der Dresdner Morgenpost soll Esmail A. unweit des Islamischen Zentrums Al-Muhadjirin in der Dobenaustraße gewohnt haben. Der Verfassungsschutz sieht in der Einrichtung mit Moschee eine Hochburg der Salafistenszene im Freistaat. „Zumindest seit Mitte 2017 wird im Rahmen von Freitagspredigten und Lehrstunden die salafistische Ideologie verbreitet. Die Predigten, Lehreinheiten, Koranauslegungen etc. werden zusätzlich auf einem eigenen YouTube-Kanal veröffentlicht“, heißt es im aktuellen sächsischen VS-Bericht. An den Freitagspredigten in der Moschee nähmen bis zu 250 Personen teil.

    Etwa zeitgleich stürmten Spezialeinsatzkräfte der Polizei die Wohnung einer Syrerin (36), die laut Bundesanwaltschaft Kontakt zu Esmail A. gehabt haben soll. Die Frau steht ebenfalls im Verdacht, den IS im Ausland unterstützt und bei der Anwerbung von neuen Dschihadisten geholfen zu haben. Bei der Durchsuchung wurden mehrere Mobiltelefone und Bankunterlagen sichergestellt, die Frau wurde jedoch nach Angaben der Sächsischen Zeitung inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt.

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    Ist Sachsen das neue Eldorado für ultraradikale Islamisten und die Helfer der Kopfabschneider-Kommandos des IS? Fast hat es den Anschein, denn erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass in der Kleinstadt Riesa (Landkreis Meißen) lange Zeit ein Sympathisant des Islamischen Staates lebte, der offenbar in Verbindung mit Anis Amri stand. Amri hatte am 19. Dezember 2016 mit einem Lkw einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche am Breitscheidplatz verübt. Elf Menschen kamen damals ums Leben, 55 weitere wurden teils schwer verletzt. Auf seiner Flucht wurde der Terrorist und mehrfach verurteilte Gewalttäter am 23. Dezember 2016 in Italien von einem Polizisten erschossen.

    Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA) hatten schon ein Jahr vor dem Weihnachtsmarkt-Anschlag damit begonnen, das Umfeld Amris auszuleuchten. In diesem Zusammenhang überwachten die Fahnder mehrere verdächtige Telefonanschlüsse, darunter jene des islamistischen Rappers Denis Cuspert alias Deso Dogg. Dieser hatte sich dem IS angeschlossen und starb später im Irak. Erst die BKA-Operation deckte die engen Kontakte zwischen Amri und dem Dschihadisten-Rapper auf, die inzwischen auch den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Bundestages zum Fall Amri beschäftigen.

    Nach Angaben der Welt klingelte im Juli 2015 ein Handy von Cuspert. Der nahm zwar nicht ab, das BKA konnte aber feststellen, dass der Anruf aus Sachsen kam. Sprechen wollte den Islamisten der 30-jährige Asylbewerber Sabou S., der seinerzeit in Riesa lebte. Schon einige Wochen vor dem Anrufversuch hatte er mit dem Rapper offenbar über das Chatprogramm Telegram kommuniziert.

    Medienberichten zufolge war Sabou S. mit sechs Landsleuten – darunter einem späteren Freund von Amri – per Boot über das Mittelmeer nach Italien gelangt und im Oktober 2014 über die Schweiz nach Deutschland eingereist. Nach Zwischenstationen in Karlsruhe und Chemnitz landete der Tunesier als Asylbewerber im beschaulichen Riesa an der Elbe. Sowohl das BKA als auch das Landratsamt Meißen wollten gegenüber der Sächsischen Zeitung nicht damit rausrücken, in welcher Unterkunft oder Einzelwohnung Sabou S. lebte. Er soll aber mittlerweile abgeschoben worden sein.

    Auffällig ist, dass auch Riesa anderweitig schon durch islamistische Umtriebe in den Schlagzeilen geraten ist. Die sogenannte Sächsische Begegnungsstätte (SBS) betrieb dort ohne Genehmigung einen Gebetsraum und organisierte eine öffentliche Kundgebung mit lauten Allahu-akbar-Rufen auf dem örtlichen Kinovorplatz. Bei der SBS soll es sich Sicherheitsbehörden zufolge um eine Tarnorganisation der radikalislamischen Muslimbruderschaft handeln. Inzwischen tritt die SBS in Riesa nicht mehr öffentlich in Erscheinung. Dafür bemüht sich nun ein Nachfolgeverein um einen Gebetsraum beziehungsweise eine Moschee in der früheren Stahlstadt.

    Die Ordnungshüter in Sachsen sollten verstärkt ein Auge darauf haben, wer sich im Umfeld solcher vermeintlich religiösen Einrichtungen bewegt und in welche Richtungen Kontakte bestehen. Sonst ist bald der erste Terroranschlag im Freistaat vorprogrammiert. Die Dresdner Frauenkirche wurde, wie COMPACT Online berichtete, vom IS schließlich schon mal als potenzielles Ziel ausgemacht.

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