47 Prozent: Im sächsischen Dorfchemnitz ist die AfD so stark wie nirgendwo sonst in Deutschland. Warum ticken die Uhren im Erzgebirge so anders? Ein Besuch im idyllischen Dunkeldeutschland. Anlässlich der bevorstehenden Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen publizieren wir diesen Artikel über widerständige Ortschaften im Osten Deutschlands, entnommen aus der aktuellen COMPACT 9/2019 “Der Osten steht auf”, in zwei Teilen. Heute lesen Sie den zweiten Teil.

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    _ von Paul Klemm

    Wo Berlin weit weg ist

    Traditionsverbundenheit und Gemeinschaftsgefühl bedingten sicher auch das gute AfD-Ergebnis von Dorfchemnitz. Im Eisenhammer wird uralte Produktionstechnik gehütet – und den Dorfbewohnern eine Brücke zu ihrer Geschichte ermöglicht. Doch da ist auch die Sorge vor einer Veränderung, die keiner will. So klingt bei vielen Gesprächen noch die Bestürzung darüber nach, dass in diesem Jahr der Fleischer Herold seine Ladentür für immer schließen musste. Das Finanzamt habe ihm ein neuartiges Kassensystem aufzwingen wollen, erzählt uns Herold vor heruntergelassenen Rollläden, wo früher Schinken und Wurst im Schaufenster auslagen.

    Die mittelsächsische AfD-Spitzenkandidatin Romy Penz beim Parteistammtisch in einer örtlichen Kneipe. Foto: Autor

    «Das wäre ein Kassensystem gewesen, auf das das Finanzamt jederzeit Zugriff hat», klagt der Mann. Er spricht von einer «Stasi 2.0». Da wollte er nicht mitmachen. Jetzt müssen die Dorfchemnitzer in den Nachbarort fahren, um Fleisch und Wurst einkaufen zu können. Schwerer als dieser Verlust wog jedoch die Schließung der Schule. Denn seitdem sehen sich die Dorfkinder gezwungen, jeden Morgen eine volle Stunde mit dem Bus zu fahren. Eine Mutter: «Ich will mir gar nicht vorstellen, wie das im Winter ist, wenn mein Kind bei Kälte ewig an der Haltestelle warten muss.» Dabei ist das Schulgebäude noch hervorragend erhalten, auch Kinder gäbe es im Ort wieder genug. Der Grund der Schulschließung: ein Mangel an Lehrkräften, hervorgerufen durch den massiven Bevölkerungsschwund nach 1989.

    Die Entfremdung von «denen da oben» hat nicht nur mit sozialer Ungleichheit zu tun.

    Die Dorfchemnitzer jedoch als Wendeverlierer oder Abgehängte zu sehen, täte ihnen Unrecht. Die Entfremdung von «denen da oben» hat nicht nur mit sozialer Ungleichheit zu tun.Denn viele der Dörfler stehen mit beiden Beinen im Leben, bestreiten ihren Unterhalt mit Einfallsreichtum und bienenhaftem Fleiß. So auch Xaver Bachmann. Als Experte für Raumausstattung bekommt er Aufträge aus allen Ecken Deutschlands, auch an der Wiederbelebung des Leipziger Nobelhotels Astoria ist er beteiligt. Er verdient gut, bewohnt ein schönes Haus in Hanglage. Und trotzdem versteht er «die da oben» nicht mehr.

    Xaver Bachmann und Kollege in der Werkstatt. Foto: Autor

    «Nehmen wir den jüngsten Fall», regt sich Bachmann auf. «Das Verteidigungsministerium ist ein ehrwürdiges Amt. Ein Amt, das von einem hochdekorierten Offizier geführt werden sollte. Stattdessen wurde jetzt wieder irgendeine unerfahrene Tussi an die Spitze gesetzt! Für mich ist das einfach keine Respektsperson. Dadurch wird Deutschland in der Welt Schande gemacht.» Was in diesen Worten zutage tritt, ist eine tiefe Entfremdung zwischen Regierten und Regierenden, die nicht vorrangig mit sozialer Ungleichheit zu tun hat, sondern in hohem Maß mit völlig verschiedenen Wertvorstellungen. Die dörfliche Lebenswelt hat Gewissheiten konserviert, die in Berlin längst als rückschrittlich und überholt verworfen wurden. Drei Stunden Autofahrt von der Hauptstadt entfernt, lebt man unweit der tschechischen Grenze nach anderen Regeln.

    Stolz, stur, sächsisch

    «Warum ist die AfD gerade in dieser Region so stark?», will ich von Romy Penz wissen, der AfD-Spitzenkandidatin für Mittelsachsen. Wir sitzen in einer Gaststätte, irgendwo in der Umgebung von Dorfchemnitz. Das Interieur ist ländlich-urig: hölzerne Wandverkleidung, Kuckucksuhr, Lampenschirme aus zartrosa Taft. Hier trifft sich die lokale AfD heute Abend zu ihrem Stammtisch. Frau Penz trägt eine gepunktete Bluse und eine wallende Löwenmähne, wie sie in den Achtzigern angesagt war. «Das ist eine gute Frage», grübelt sie. «Ich denke, die Menschen sind hier einfach nicht so mediengesteuert.

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    Viele haben ja noch die Bevormundung in der DDR erlebt und dadurch eine politische Reife erfahren.» Die 49-jährige Energieberaterin war bereits vor der Wende regimekritisch und ist es noch heute. Zusammen mit ihrem Mann Roberto hat sie den Kreisverband mitgegründet. Ich erzähle ihr, dass ich auf meiner Fahrt durch Mittelsachsen kein wirkliches Zentrum ausmachen konnte und ich selten eine so stark ländlich geprägte Gegend gesehen habe. Die Spitzenkandidatin hält das für einen möglichen Grund und gibt zu bedenken: «Früher war das hier noch viel feingliedriger strukturiert. Der Landkreis Mittelsachsen wurde ja aus den Landkreisen Döbeln, Freiberg und Mittweida zusammengelegt. Und durch diese Dezentralität haben die Leute natürlich Eigenheiten entwickelt und pflegen diese bis heute.»

    Das Dorf hat Gewissheiten konserviert, die in Berlin längst verworfen wurden.

    Ich kann nicht anders, als Romy Penz recht zu geben. Eigen sind sie geblieben, die Bewohner der mittelsächsischen Dörfer. Wenn sie im Gespräch immer wieder skeptisch auf die Kamera schielten, die ich vielleicht zu offensichtlich um den Hals trug, kamen sie mir wie scheue Wildtiere vor, die in ihren Tälern und in ihren Wäldern möglichst ungestört und ungesehen ihrem Tagwerk nachgehen wollen. Sie backen Brötchen, bauen Stühle, schneiden Haare, füttern ihre Schafe, trinken Bier. Als Rebellen kann man sie wahrhaftig nicht bezeichnen. Sie leben einfach nach Prinzipien, die sich über Generationen hinweg nur minimal verändert haben. Wobei das in der heutigen Zeit, in der alles Gewachsene zertrümmert, alles Überlieferte vergessen werden soll, schon irgendwie wieder rebellisch ist.

    _ Paul Klemm (*2000) studiert Geschichte und Philosophie in Halle. In COMPACT 8/2019 schrieb er über Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete.

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    13 Kommentare

    1. Jeder hasst die Antifa am

      Es gibt eben in Sachsen noch Dörfer für politische Schönheit in Dorfchemnitz ist so eins 47% AfD das ist wunderschön.

    2. Yamashita Tomoyuki am

      Bodenständiges Volkstum in behüteter Heimat!
      Genau das ist das Angriffsziel der perversen Sekte in Berlin.

    3. Der Sachsensumpf – Kinderprostitution: Täter und Komplizen 1
      VON KAREL MEISSNER AM 30.08.2019

      Sehr geehrte Redaktion,

      was soll das den jetzt? Ich glaube ich bin im falschen Film!!

      Abgesehen davon wie oft ich hier seit Jahren über den Sachsensumpf und seiner Verbrecher und deren HDS und Zwangspsychiatrisierungsversuche, welche mich persönlich mit ihren faschistoiden Methoden bereicherten berichtete und was mir durch diese linken Dreckskreaturen über ein Jahrzehnt nachweisbar angetan wurde ist, hat hier und die "Alternative" niemals interessiert!

      Die sogenannte Alternative hat auch auf Anfragen meinerseits, niemals eine Antwort über den Stasisachsensumpf und seiner Verbrecher getätigt (die Freimaurer und Kinderfxxx Niemayer und Röger im Kinderbordell Jasmin) sind doch nur die Spitze des Eisberges dieses Verbrecherkartells!!

      Was soll also bitteschön, ihr schwachmatischer Artikel über mafiöse Zustände dieser schon über ein Jahrzehnt exsitierenden Verbrecherbande zwei Tage vor den Wahlen?!

      Ich gehe davon aus, Sie werden es mir erklären!!

      MpG

      • Frank Diederichs am

        Wenn sie kein Wähler von der AFD sind, warum stellen Sie die Frage nicht an ihrem Klientel ?
        Denn diese haben es doch zu Verantworten, die LInken z.b !! Die AFD hat über 6 Millionen Wäher, soll jetzt jede Frage beantwortet werden. Sie vergessen das die AFD anderes zu tun hat, um ihren Fall speziell sich drum zu kümmern.

    4. All jene Radikalen, die die Volksherrschaft anstreben, haben bisher viel erreicht. Die deutsche Parteiendemokratur ist in Frage gestellt. Das Establishment steht bedrängter denn je mit dem Rücken zur Wand. Die Herrschaftsinstrumente des Bürgerentmündigungssystems zeigen Risse.

      Wenn bei den kommenden Landtagswahlen die Parteien nicht genug Stimmen bekommen, um eine glaubhafte Koalition zu bilden. Wenn die Parteien so wenige Stimmen von den Wahlberechtigten bekommen, dass ein "Volksvertretungsanspruch" nicht mehr verfassungskonform begründet werden kann. Wenn die Parteien so viele dissidente Gegenstimmen bekommen, dass nicht mehr davon ausgegangen werden kann, dass die Parteienherrschaft von der Mehrheit des Volkes akzeptiert wird. Dann wird es Neuwahlen geben.

      Dann ist alles möglich. Dann ist auch mit der ganzen Propagandamacht die dem Establishment zur Verfügung steht, nicht mehr zu verhindern, dass die entscheidende Frage gehört werden wird:
      Mit welchem Recht verweigert das Establishment dem deutschen Volk die Volksabstimmung über das Provisorium Grundgesetz, obwohl eine solche Volksabstimmung in Artikel 146 Abs.2 GG vorgegeben ist?

      In diesem Herbst entscheidet sich die Zukunft des deutschen Volkes. Erheben Sie ihre Stimme gegen die politische Oligarchie. Machen Sie die Landtagswahlen zu einer Abstimmung über das Grundgesetz. Wählen Sie das deutsche Volk.

      • Alla makaaka am

        Also ich würde den Michel derzeit lieber nicht über so was abstimmen lassen. ;-)

        • Yamashita Tomoyuki am

          Wieder so ein Schwachsinnsvorschlag in völliger Verkennung dessen, was denn da überstimmen würde. Immer derselbe Blödsinn von Rechtsauthisten.
          Leben diese Leute in einer Parallelwelt?
          Solche Abstimmungen wären für das Nationale eine Katastrophe.

    5. Schon die Annahme, dass Stadtlärmdreck irgend etwas mit Fortschritt zu tun haben könnte, ist völlig irre. Wie Zootiere zusammengepfercht wollen sie leben, warum eigentlich genau? Party?

      Jeder Hinterwäldler ist schlauer und lebt besser als der wohnklobesiedelnde Stadtparkjogger mit seinem hightech elektro Balkongrill, den er nur bei rechtzeitiger Abgabe eines Antragsformulars betreiben darf. Jeder der schlau ist zieht zumindst in die Speckgürtel.

    6. Die AfD wirds richten? Die AfD, die bereits vor längerem angekündigt hat, dass man sich "vorstellen könnte" mit der Union zu koalieren, um "Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen voranzutreiben"?
      Selbst die Grünen waren anfangs anders, als das womit sie nun im System verendet sind.
      Und ansonsten? Die Republikaner, die Schill-Partei, die Piraten, die Freie Union …
      Glaubt wirklich jemand, eine Partei könnte das Parteien-System aufbrechen – oder würde das auch nur wollen?

      • Menschen brauchen nun mal einen Führer. Wer das gerade mal wieder ist und wie der auch immer heißen mag spielt keine Rolle. War immer so, wird immer so sein.

      • Frank Diederichs am

        Mir wäre es sinnvoller das man eine Zusammen Arbeit mit der CDU hin bekommen könnte nur so würde sich etwas verändern. Die CDU saugt sich nur an dem Linken Müll fest weil sie wissen das sie sonst kein Überleben mehr hat. Eine stabiele Mehrheit mit der AFD würde die CDU auch wieder sofort umschwenken bewegen.

    7. 811 Kriminalstatistiken die kaum jemand kennt.

      luegenpresse2.wordpress.com/2016/10/16/statistiken-die-politiker-und-presse-immer-wieder-leugnen/

    8. Diesen eindrücklich beschriebenen Menschenschlag, urig, heimatverbunden, fleissig und natürlich findet man in vielen Teilen Deutschlands – von den Friesen und Holsteinern im Norden bis zu den Sachsen und Bayern im Norden.
      Aber diesen von den Städtern und Eliten gerne abfällig als "Landbevölkerung" diskreditierten Menschen soll auch das neue, ach so bunte Merkel- Deutschland aufgezwungen werden. Das die sich dagegen wehren, notfalls in der Wahlkabine, ist menschlich u d nur allzu verständlich!