Im Mai vor 1100 Jahren: Erste Königskrönung im Deutschen Reich

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Die COMPACT-Geschichtskonferenz am 9. Juni blickt zurück auf über über 1000 Jahre Deutsches reich. Der Frühbucherrabatt endet in 48 Stunden! Hier Karten bestellen!

In diesem Jahr blicken wir zurück auf 1.100 Jahre deutsche Geschichte: Im Mai  919 wurde mit Heinrich I. der erste König des Heiligen Römischen Reiches gekrönt. Für die in Politik und Medien tonangebenden Eliten ist das kein Anlass zum Feiern, denn sie wollen unser Volk austauschen, unseren Staat in der EU auflösen – dafür müssen die historischen und kulturellen Wurzeln ausgerissen werden. Wir erinnern auf der COMPACT-Geschichtskonferenz „Freispruch für Deutschland“ an unser Erbe – unter anderem mit einem Referat des Historikers Jan von Flocken, der auch den hier folgenden Text (für COMPACT-Geschichte Nr. 1 „1000 Jahre Deutsches Reich. Unsere Vergangenheit, unsere Leistungen, unser Stolz“) geschrieben hat.

COMPACT-Geschichtskonferenz 2019

Heinrich I. und das Regnum Teutonicum

_ von Jan von Flocken

In Übereinstimmung mit den meisten Gelehrten kann man den Gründungszeitpunkt des deutschen Reiches ins Jahr 919 versetzen.Doch wie jede Geschichte hat auch diese ihre Vorgeschichte. Es waren die Erben des Frankenkaisers Karl des Großen, denen es vorbehalten blieb, die Grenze zwischen den emporkeimenden Staaten Frankreich und Deutschland zu ziehen. Ständig im Streit, schwu- ren sie sich ständig ewige Treue. 842 in Straßburg geschah es, dass die feindlichen Brüder Karl («der Kahle» genannt) und Ludwig (Beiname «der Deutsche») sich wieder einmal feierlich einigten. «Aus Liebe zu Gott sowie zu des christlichen Volkes und unser beider künftigem Heil» sollte dies geschehen. Karl sagte: «Pro Deo amur et pro Christian poblo et nostro commun saluament.» Ludwig sprach: «In Godes minna ind in thes Christianes folches ind unser bedhero gealtnissi.» Die beiden brauchten mit Sicherheit einen Dolmetscher. Man hört schon das künftige Deutsch und Französisch aus diesen sogenannten Straßburger Eidschwüren.
Ein Jahr später, im August 843, wurde das Erbe Karl des Großen im Vertrag zu Verdun endgültig geteilt. Karl erhielt das westliche «Frankenreich», Ludwig das rechtsrheinische Gebiet und dazu die Städte Speyer, Worms und Mainz, weil er den dort angebauten Wein so sehr liebte. Lothar, der dritte Bruder, regierte ein seltsam langgestrecktes Zwi- schenreich, das von den Niederlanden bis nach Korsika reichte und spöttisch als «Kegelbahn» bezeichnet wurde. Seine Brüder nahmen Lothars Sohn 870 das Ganze weg und teilten es wiederum. Ludwig der Deutsche besaß nun ein Territorium, das zwar offi- ziell noch «Ostfränkisches Reich» hieß, aber immer öfter Deutschland genannt wurde. Dazu gehörten Städte wie Hamburg und Köln, Magdeburg und Erfurt, Ulm und Konstanz, Aachen und Halberstadt.
Vielleicht tut man den letzten Karolingern Unrecht, wenn man sie als dekadent bezeichnet, aber Fehler in ihrer Politik machten sie übergenug. Trauriger Höhepunkt war im Jahre 899 die Erhebung des siebenjährigen Knaben Ludwig zum Deut- schen König. Im Reich ging es drunter und drüber, weil niemand dieses Kind ernst nahm. Die fünf mächtigen Stammesherzöge (Sachsen, Schwaben, Bayern, Franken und Lothringen) bekriegten sich in blutigen Fehden; eine zentrale Staatsgewalt, dem Wesen des Frühfeudalismus ohnehin wesensfremd, existierte nicht mehr.
Zum Glück starb Ludwig schon 911. Fortan wähl- ten sich die deutschen Fürsten den Herrscher aus ihren Reihen. Der erste, Herzog Konrad von Franken, wurde Ende 911 zu Forchheim gekürt und versuchte die restlichen sieben Jahre seines Lebens, das Land zu einigen. Das gelang ihm zwar nicht, aber er tat dafür kurz vor seinem Tod einen Schritt, der ihn als klugen Politiker auszeichnet. Konrad veranlasste 919 seinen Bruder, die Königskrone dem Herzog Heinrich von Sachsen anzutragen. Dieser war bis- her Konrads größter Widersacher und Plagegeist gewesen. Jetzt sollte dieser hohe Herr am eigenen Leibe erfahren, was es bedeutete, König zu sein.
Das Jahr 919 war für die deutsche Geschichte immerhin so einprägsam, dass man es mit einer äußerst populären (aber leider unzutreffenden) Anekdote ausschmückte. Der 42-jährige Herzog Heinrich soll bei Quedlinburg im Harz vor einer Scheune gesessen und Singvögel in einem Netz gefangen haben. Bei dieser für Adlige eher unstandesgemäßen Beschäftigung habe ihn eine Delegation angetroffen und feierlich die Königskrone angeboten. Das Ungewöhnliche bestand wohl eher darin, dass mit Heinrich I. am 14. April 919 der Herzog eines Volkes gewählt wurde, welches erst 100 Jahre zuvor gewaltsam dem Frankenreich Karls des Großen und dem Christentum unterworfen worden war. Die einst so widerspenstigen Sachsen (nicht identisch mit dem heutigen Bundesland, sondern in Niedersachsen siedelnd) waren zum Vorreiter der deutschen Einheit geworden, denn außer ihnen wollten nur noch die Franken den neuen Monarchen Heinrich I. anerkennen.
Der Mann aus dem Norden war vor allem in Bayern nicht wohlgelitten. «Was will der Sachse in unserem Land, wo seine Väter keinen Fußbreit Landes besessen haben?», schimpfte Bayernherzog Arnulf der Böse. Erst 921 ließ er sich von Heinrichs Argumenten überzeugen, nachdem er ihn vorher vergeblich zum ritterlichen Zweikampf gefordert hatte.

Cover-Heldin Christin Schellhase präsentiert „ihr“ COMPACT-Geschichtsheft. Foto: privat

Heinrich I. war kein Kriegsheld mittelalterlichen Zuschnitts, ihn zeichnete vielmehr ein ruhiger, maß- voller und praktischer Sinn aus. Er fügte sich dem Unabänderlichen und vermied – stets das Erreich- bare im Auge haltend – alle ausufernden «idealen» Ziele. Als Politiker hätte er Vorbild werden können für seine Nachfolger, welche glaubten, nur mit einer römischen Kaiserkrone bedeutende Herrscher zu sein. Ohne Feldgeschrei und Waffengeklirr, Feuer und Schwert ging es allerdings auch bei Heinrich I. nicht ab, doch seine bedeutendsten Erfolge waren eher diplomatisch-ökonomischer Natur. Leider hinterließ er aus seinen 17 Königsjahren nur 41 Urkunden, sodass wir nicht sehr viel Detailliertes über den Mann wissen.
Bedeutsame Verträge wurden schon vor mehr als 1000 Jahren in Bonn geschlossen. Dort traf sich Heinrich mit Frankreichs König Karl (der den bezeichnenden Beinamen «der Einfältige» trug) und veranlasste den Karolinger im November 921 zum Verzicht seiner Dynastie auf den deutschen Ostteil des ehemaligen Franken-Imperiums. Böse Zungen behaupteten, der als trinkfest bekannte Deutsche habe seinen französischen Amtsbruder in Bonn regelrecht unter den Tisch gesoffen. Wie dem auch sei, jenes 920 erstmals erwähnte «Regnum Teutonicum», der frühfeudale deutsche Staat, der als Realität schon 80 Jahre zuvor existierte, wurde somit juristisch festgeschrieben.
Schwieriger war der Umgang mit den bogen- schießenden Reiterhorden der Magyaren, die Jahr für Jahr aus den Wäldern im Osten hervorbrachen.
«Alles, wohin sie kamen, wurde verwüstet… alt und jung, Mann und Frau erschlagen», klagte ein zeitgenössischer Chronist. Heinrich schloss mit den wilden Ungarn 924 einen neunjährigen Waffenstill- stand (was ihn ebenso viel Geld wie Überredungskunst kostete) und nutzte die Zeit weidlich. Das Heer verstärkte er vor allem mit gepanzerten Reitern, ließ für die Bevölkerung im Grenzgebiet Fluchtburgen wie Nordhausen und Merseburg errichten. Ganz nebenbei führte der König 928 seine Männer über die zugefrorene Havel und eroberte die slawische Festung Brennabor (Brandenburg). Ein Jahr später wurde Meißen gegründet.
Den Ungarn erging es im März 933 beim Dorf Riade an der Unstrut schlecht, als sie auf die Idee verfielen, des Königs Ritter und Knechte durch einen Hinterhalt anzugreifen.
«Nun auf, ihr Volksgenossen,
Nun waffnet Haupt und Arm,
Auf flinken Steppenrossen
Naht her der Ungarn Schwarm.
Du, König Heinrich, lenk die Schlacht,
Und scheuch den Feind mit Schwertesmacht In seine Pußtasümpfe.»
ereiferte sich noch 956 Jahre später der sächsische Lyriker Albert Möser.
Doch kehren wir zurück zum Datum von 919. Mag dieses Jahr pragmatisch gewählt sein – es scheint folgerichtig, das damalige Geschehen als Ausgangspunkt einer Entwicklung zu sehen, die das Werden des deutschen Feudalstaates wesentlich bestimmte. Heinrich I. gelang es, das Auseinanderbrechen dieses noch sehr fragilen Staates erfolgreich zu ver- hindern. Er legte den Grundstein, auf dem seine Nachfolger ab 936 weiterbauen konnten. Zur Jahrtausendwende erblickte man schließlich wichtige Wesenszüge eines Reiches, dessen Charakter deutsche Nationalität und deutsches Volk prägen sollten. Heinrich selbst schuf dafür eine wichtige Voraussetzung, als er in der Quedlinburger Hausordnung vom September 929 seinen 17-jährigen Sohn Otto zum Nachfolger in der Königswürde bestimmte. Dieser erste Ansatz zur Installierung einer Erbmonarchie sicherte über Heinrichs Tod hinaus Unteilbarkeit und sicheren Bestand des Staates der Deutschen.
Ab 936 baute Otto I., mit Recht der Große genannt, die Zentralgewalt sowie den Einfluss des Deutschen Reiches nach außen weiter aus. Nachdem die Ungarn 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld südlich von Augsburg geschlagen und ihre Macht für immer gebrochen worden war, orientierte Otto seine Politik auf Italien. 962 ließ er sich nach alter karolingischer Tradition vom Papst zum Römisch-Deutschen Kaiser krönen. Einflussrei- che kirchliche Kreise empfanden dies als Demüti- gung, weil damit der Kaiser sich über den Stellvertreter Gottes auf Erden gestellt habe. Es begann ein Zeitalter, das von der Rivalität zwischen Papsttum und Kaisern geprägt wurde.Die Italienzüge und Kreuzfahrten richteten den Blick des Herrschers zunehmend nach Süden. Eine andere Stoßrichtung ging nach Osten. Mehrere Feldzüge Ottos gegen die Slawen leiteten ein erstes Kapitel deutscher Ostexpansion ein, das für die folgenden Jahrhunderte die Stellung des Reiches in Europa festigen sollte.
Denn der endgültige Sieg über die Ungarn war nicht nur von militärischer Bedeutung. Diese erste Beseitigung einer äußeren Gefahr, unter der fast alle gelitten hatten, ließ im Reich der Deutschen auch außerhalb der Adelskreise ein Gefühl der Verbundenheit entstehen. Die politische Einheit begann den Menschen langsam bewusst zu wer- den. Seine glanzvollste Wegstrecke hatte das Regnum Teutonicum aber noch vor sich.

*** Dieser Artikel stammt aus COMPACT-Geschichte Nr. 1 Jan von Flocken, „1000 Jahre Deutsches Reich“.***

Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

12 Kommentare

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    "Die COMPACT-Geschichtskonferenz am 9. Juni blickt zurück auf über über 1000 Jahre Deutsches reich"

    Deutsches Reich

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    heidi heidegger am

    Schöner Faden. Einer aber zickt und quakt mitten in die Soki-Vorlesung: Ey!, Sie da äh duda mit der gelben Lambda-Tättowieherung aufm nackichen Bauchi, machma mal besser Musik an beim kommentieren. Vorschlag: Dean "heidi" Martini♪ ♫ 🙂

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    R. Heuschneider am

    Herr Elsässer, mit König Heinrich I., wurde eben nicht der erste König des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewählt, sondern mit Konrad I. von Franken im Jahre 911. Jan von Flocken schreibt es richtig, Sie sollten es auch etwas genauer nehmen. Zweifellos war Heinrich I. der verehrungswürdige Regent, der dem Heiligen deutschen Reich zur glänzenden Geburt, Sanierung und Sicherung verhalf, während Konrad von Franken glücklos war; immerhin war Konrads großer Verdienst, daß er seinen Gegner Herzog Heinrich von Sachsen zu seinem Nachfoger empfahl.
    Trotz dieser kleinen Fehler finde ich es hervorragend, daß Compact die deutsche Geschichte angemessen würdigt!

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    katzenellenbogen am

    Warum haben wir das jetzt nicht mehr? Sinnvolle moderne Errungenschaften wie Rechtsstaat, Gewaltenteilung, usw. ließen sich ohne weiteres mit einer parlamentarischen Monarchie vereinbaren, und ästhetisch, kulturell macht die Old Lady in St. James allemal noch hundertmal soviel her wie die Merkels, Van der Bellens,… und alle diese Ödbären und – bärinnen!

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    Alles neu macht der Mai,eine schöne Jahreszeit. Ihr hättet mal den Sokrates zum Deutschen König wählen sollen,als noch Zeit war. Zu spät, das habt ihr nun davon, brav auslöffeln die Suppe!

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      Jeder hasst die Antifa am

      Du wärst nur ein Sofaklecks in der 1000 jährigen Geschichte Deutschlands oder ein Vogelschiss

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    Die Forderung nach einer starken zentralen Staatsgewalt ist unhistorisches Ex-Post-Denken.Sie kam erst mit der bürgerlichen Revolution auf . Das alte Deutsche Reich war eine Adelsrepublik in der der einzelne Edle auf seinem Eigentum möglichst vollständige Souveränität beanspruchte, ganz natürlich und verständlich. Der König,nach germanischer Sitte ein Wahlkönig,war mehr eine Art Wahlbeamter in einem Amt,daß mehr Ehrenamt war und oft mehr kostete als es einbrachte.

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    " Fische fangen und Vogelstellen schufen manchen Junggesellen". Warum soll Heinrich der Vogler dieses Hobby nicht gehabt haben ? Die Menschen des frühen Mittelalters fraßen mit Sicherheit auch kleine Vögel,wie es die Italiener bis vor kurzem noch taten. Sicher war der Vogelfang keine Selbstverständlichkeit für hohe Edle. Sonst hätte man es nicht bemerkenswert gefunden und es über Jahrhunderte überliefert. Aber direkt unschicklich war es wohl auch nicht,weil man es sonst verschwiegen hätte. Mir gehen Leute,die nach 1000 Jahren daherkommen und verkünden "es war alles ganz anders", auf den Geist. War Jan van Flocken dabei? Herr Heinrich saß am Vogelherd,als die Boten kamen,basta!

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    Tausend Jahre sind nicht viel, blühende Jugend,aber schnell verschlissen und alt. Hauptsächlich durch die Erfindungen der letzten 200 Jahre.

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    Jeder hasst die Antifa am

    Die letzte Königskrönung in Deutschland war wohl die von Angela der letzten.

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      Lila Luxemburg am

      Und danach kommt dann die von ANNEKRÖT, der ERSTEN (und letzten…)!

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        Jeder hasst die Antifa am

        Die nächste Kröte die Deutschland schlucken muss heißt Annekröte.

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