Der Konformisten-Schocker: Identitäre erklimmen Brandenburger Tor

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Gestern erkletterten Mitglieder der „Identitären“ das Brandenburger Tor. Das war nicht die erste spektakuläre Aktion der jungen Protestbewegung. In Wien sorgten sie beispielsweise durch das Erklimmen der Burgtheaterfassade für Aufsehen. In ihrer Presserklärung zur Berliner Aktion heißt es: „Der heutige Tag der offenen Tür der Bundesregierung und ihrer Ministerien findet unter dem Schwerpunkt ,Migration und Integration‘ statt. Die Aktivisten wählten diesen Tag daher bewusst, um ein deutliches Zeichen gegen die verfehlte Politik der Bundesregierung zu setzen, die nach wie vor geltendes Recht bricht und im Zuge der Migrationskrise völlig versagt hat.“

Die Konformistenpresse reagierte wie der Pawlowsche Hund. Vor allem die Berliner Boulevardpresse – ja, die mit der sinkenden Auflage – bemühte sich um Sprachakrobatik: „Vollpfosten schänden Tor“, dichtete der Berliner Kurier. Für ihn war die Aktion ein „Skandal“. Die B.Z. meinte, die Kletterer hätten etwas falsch verstanden: „Nazis raus, nicht Nazis rauf“, lautete die Belehrung. Auch die „Qualitätspresse“ schaffte kaum mehr Differenzierung. „Schlicht widerlich“ nannte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) das Spektakel. „Der Schock saß tief am Sonnabend“, schrieb die Berliner Morgenpost wimmernd und erklärte das Brandenburger Tor kurzerhand zum Symbol für „die offene Gesellschaft und die weltoffene Metropole Berlin“. Skandal: Das Tor in Wurfnähe zur Amerikanischen Besetzerbotschaft ist Symbol der Einheit Deutschlands, gegen dessen Zersetzung sich die IB tapfer und friedlich zur Wehr setzt.

Für alle Leser, die mit diesen Stellungnahmen intellektuell nicht ausgelastet sind, bietet das aktuelle COMPACT 9/2016 die Möglichkeit, sich aus erster Hand über eine Bewegung zu informieren, die keiner mehr ignorieren kann. Es folgen Auszüge aus einer Selbstdarstellung durch Martin Sellner, dem Sprachrohr der Identitären Bewegung, der sich selbst in der „Tradition der Rebellen“ verortet. Vollständig lesen können Sie diesen Text und weitere Artikel über die Identitären in COMPACT 9/2016 – hier bestellen

Lesen Sie dazu auch den Kommentar auf Jürgen Elsässers Blog

Keine plumpe Hetze

_ von Martin Sellner

Müssen wir den Westen gegen den Islam verteidigen? Oder müssen wir uns vom Westen lösen, um unser kulturelles Erbe wiederzufinden? Die Identitäre Bewegung versucht, über neue Begriffe den Widerspruch zwischen diesen Positionen zu überbrücken und die Sprachhoheit der Etablierten zu durchbrechen. Der derzeit wichtigste Begriff ist der «Große Austausch».

Alle Metapolitik ist ganz wesentlich eine Arbeit mit Begriffen und Bildern. Hinter Begriffen wie «Klasse», «Menschheit», «Kapitalismus» oder «Rechtsradikalismus» stehen politische Ideologien, die, scheinbar neutral, verschiedenste Individuen und Phänomene zu einer «Sache» bündeln und mit einem Etikett versehen. Die Herrschaft über die Begriffe bedeutet die Beherrschung der Perspektive. Jede politische Bewegung, jede Partei, jede Interessensgruppe muss versuchen, ihre zentralen Ideen und ihre Sicht der Dinge in solche Sammelbegriffe zu gießen, die verknappt und vereinfacht die ganze Fülle ihrer Weltanschauung enthalten. Ein guter metapolitischer Begriff muss viele theoretische Überlegungen auf den Punkt bringen und dennoch klar verständlich sein. Er muss die richtigen Bilder evozieren, eine klare Erklärung des Geschehens und das richtige Feindbild vermitteln.

All diese theoretischen Fragen bewegten uns von der Identitären Bewegung, als wir aus dem «Grand remplacement» des französischen Schriftstellers Renaud Camus eine Kampagne für den deutschen Sprachraum entwickelten. Bis dahin hatten wir vor allem eine positive Zielbestimmung, den «Erhalt der ethnokulturellen Identität», verfolgt. Unsere «Feindbegriffe» zergliederten sich in Masseneinwanderung, Islamisierung, Demographiekollaps und viele andere negative Erscheinungen, die wir als Bedrohung unserer Identität erkannten. Uns fehlte jedoch der entscheidende Sammelbegriff, der diese vielen Aspekte vereinen konnte. Uns fehlte das, was die Kommunisten damals im «Kapitalismus», was die Moslems im «Westen» hatten: ein klares Feindbild. Statt Camus‘ «remplacement» wörtlicher mit «Ersetzung» zu übersetzen, wählten wir das elegantere «Austausch». Einerseits unterstreicht es die Gleichgültigkeit und Verdinglichung, mit der die Politiker ihre Bevölkerung schlichtweg gegen «Importware» austauschen.

(…)

Gerade im patriotischen Lager droht man ständig in alte Erb- und Erzfeindbilder zurückzukippen, droht eine geistige Verflachung und propagandistische Banalisierung. Die plumpe Hetze gegen Fremde, simples Islam-Bashing oder gar der unausrottbare Mythos der «Jüdischen Weltverschwörung» – all diese Kurzschlüsse widersprechen unserem Grundverständnis als Identitäre und Ethnopluralisten. Wir wissen genau, dass die Masseneinwanderung Teil eines globalen Zerstörungsfeldzugs gegen alle Völker und Kulturen ist.

Wir wissen genau, dass es die eigene Dekadenz und der liberalistische Werteverfall sind, die Europa erst sturmreif für die Invasion der Fremden gemacht haben. Wir wissen vor allem, dass der wahre Feind im eigenen Land sitzt: Unsere Eliten, die uns fortgesetzt verraten, unsere Intelligenz, die sich im Ethnomasochismus suhlt – das sind die eigentlichen Urheber der Misere.

(…)

Auf lange Sicht führt dies notwendig zu einem Austausch der europäischen Völker durch Fremde. Dass dabei die Kulturen, die Sprachen und Identitäten auf der Strecke bleiben werden, ist jedem klar. Es zeigt sich bereits überdeutlich in den «gekippten» Straßen, Vierteln und Städten, die nicht mehr Teil des ethnokulturellen Europas sind. Sie sind wie schwarze Löcher – in religiöser, sprachlicher, sozialer und sogar juristischer Hinsicht. No-Go-Areas, Scharia-Zonen, fremde Enklaven – sie wachsen und wachsen. Dieser Prozess ist der Große Austausch. Er steht als wahres Problem hinter allen Randphänomenen. Ein Volk kann sich von wirtschaftlichen und kulturellen Krisen erholen. Die schlimmsten Fehler und Niederlagen können bereits in der nächsten Generation wiedergutgemacht werden. Der Prozess des Großen Austausch ist jedoch irreversibel. Er geht an die Substanz. Alle Debatten über Regierungsformen, Wirtschaftssysteme, über religiöse und umweltpolitische Themen erübrigen sich, wenn das «Subjekt» dieser Fragen, das Volk, nicht mehr existiert.

(…)

Die eine Seite sieht im Islam und der Islamisierung die größte Gefahr und verteidigt vor allem die westlichen, freiheitlichen Verfassungsordnungen. Die zweite wirft diesem Flügel vor, damit auch die unüberwindbaren inneren Widersprüche und Verfallstendenzen des Liberalismus zu verteidigen, die erst zum demographischen und kulturellen Niedergang geführt haben. Sie sehen das Problem also vor allem in uns selbst, in unserer Unfähigkeit zur Verteidigung und Fortführung unserer Traditionslinien. Die erste Position führt zu einem bis ins Neokonservative reichenden «Selbstverteidigungsmodus» des Liberalismus, der einen wehrhaften Staat und eine kompromisslose Leitkultur anstrebt. Die zweite Position sieht sich eher zu einer grundlegenden Kritik an der Moderne, an ihrem Universalismus, Egalitarismus und Progressivismus genötigt.

Der Große Austausch trägt beiden Perspektiven Rechnung und fasst sie zu einer umfassenden Kritik
zusammen. Die Abschaffung und Ersetzung, die stattfindet, betrifft sowohl unser Rechtssystem und unsere Demokratie als auch unsere ethnokulturelle Substanz. Die Ideologie der Multikultis, die die freiheitlichdemokratische Grundordnung als Abstraktum verteidigen will, als wäre sie eine ungeschichtliche, zeitlose Größe, erweist sich mehr und mehr als falsch. Die Einwanderer bringen auch ihre Geschichte und Kultur mit, die – als Gegenmythos, Kitt und ideologischen Fluchtpunkt – letztlich die Scharia dem als fremd empfundenen westlichen System gegenüberstellt. Der Islam wirkt also hier in jeder Hinsicht verstärkend und zuspitzend. Das wird von kulturkonservativen Strömungen, die oft eine (un-)heimliche Sympathie für den ebenso «konservativen» Islam hegen, leider in der Regel unter den Teppich gekehrt. Aber an einem Punkt haben sie Recht: Eine Masseneinwanderung würde auch dann zu einer Totalveränderung und Abschaffung unseres Rechtssystems und unserer kulturellen Identität führen, wenn sie nicht aus dem islamischen, sondern einem anderen außereuropäischen Kulturraum käme. De facto ist dieses Gedankenexperiment aber hinfällig, da die Flutung unseres Kontinents sich hauptsächlich in Gestalt muslimischer Massen vollzieht und dies aufgrund der demographischen Situation in den Herkunftsländern auch so bleiben wird. Der Kampf gegen die Islamisierung Europas deckt sich also mit jenem gegen die Massenimmigration. Die Bestrebungen aller islamischen Lobbygruppen in Europa zielen daher auch auf die Lockerung der Einwanderungsgesetze.

Sie können Martin Sellner auch auf der COMPACT-Konferenz 2016 im Oktober live hören – Infos und Vorbestellung hier

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