Bleich, dürr, grau-weißes Haar, schwarzer Anzug, und mit pechschwarzer Sonnenbrille: Unnahbar. Anblicken, ohne angeblickt zu werden. Keine Nervosität, keinen Liebeskummer, keine Traurigkeit, keine Angst zu erkennen. Nur seine klare Stimme sendete Signale. Mit dem Image des lebenden Toten erinnerte Karl Lagerfeld an den späten Andy Wahrhol: Dünn, reglos, oft mit Sonnenbrille, jede Nähe abwehrend.

    Aber anders als bei Warhol verwies seine Kleidung wie auch sein Wohnsitz (ein Schloss) auf vergangene Eleganz. Einer seiner ehemaligen Gartenarchitekten meinte, Lagerfeld sei ein später Ausläufer von Stil-Exzentrikern, die in den Roaring Twentieth (Wilden Zwanzigern) ihre Hochzeit hatten. Typ koksender Aristokrat. Tatsächlich ist schwer zu beurteilen, was mehr zum dauerhaften Starruhm beigetrug: Seine Mode-Kreationen oder seine Selbstinszenierungen? Hat er an seinen Elitismus wirklich geglaubt?

    Als Lagerfeld im Werbespot des Pay-TV-Senders Sky den Slogan “Sky – Ich seh was Besseres” sprach, klang es hundertprozentig überzeugend. Ebenso, wenn er in einer Talkshow verkündete, dass “wir” (er und sein langweiliger Zirkel) die Schönsten und Begabtesten seien. Oder wenn er sich – richtig mies – beim Flugzeugpersonal beschwerte, in der Nähe eines Rollstuhlfahrers (wörtl. “Krüppels”) sitzen zu müssen. Oder sein Kommentar zur Frauenbwegung: “Ich war nie ein Feminist, ich bin dafür nicht hässlich genug.” Die anarchische Rücksichtsligkeit, die straffreie Selbstherrlichkeit von König Karl faszinierte, wurde von steinreichen Kunden und von (weniger reichen) Lesern der Boulevardmedien gleichermaßen goutiert. Als er der Stadt Berlin jeden Glamour absprach, kommentierte der neoliberale Journalist Ulf Poschardt (Welt) sogleich: Er wünsche sich ein Berlin, in dem Karl Lagerfeldt sich wieder wohlfühle…

    Trotz seiner Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik war der Modezar kein politischer Künstler, stand er konträr zu seiner Kollegin Vivienne Westwood, der Ex-Punk-Designerin, die jetzt Klima-Change-Revolution propagiert. In manchen Momenten erahnte man den Schutzbedarf hinter dem Gothic-Outifit: Beispielweise auf einem unbebrillten Schnappschuss, der seine traurigen Augen zeigte. Oder das Vorwort zu dem Bildband “Where will we meet next?”, in dem er über die Bedeutung von Liebesbeziehung im Leben junger Männer schrieb. Freilich wurden solche Image-Sprenger kaum bekannt.

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    Jetzt ist Karl Lagerfeld gestorben. Angeblich an Krebs. “Tragen die Engel jetzt Chanel?” fragte Bild heute. Engel und Himmel klingen für einen Modezaren zu altmodisch. Für ihn werde die Wiederkehr der Untoten, “The walking Dead”, viel passender. Eine zeitgemäße Version der Unsterblichkeit…

    27 Kommentare

    1. Ein Geck war Karl Lagerfeld schon, aber immerhin einer mit Niveau, und auch ein begabter, hart arbeitender Kuenstler. Seine Selbstinzenierungen hatte ich immer als amuesant und geistreich wahrgenommen. Waeren seine Selbstinzenierungen peinlich oder unueberzeugend gewesen haette es wohl auch kaum diesen Anklang in Presse und der Fan Gemeinde gefunden. Die zumeist geistreichen Frechheiten und seine Bonmot Maschinengewehr-Salven die er in Talk-Shows abfeuerte hatten hohen Unterhaltungswert. Da sagte einer in schneller Sprache so herrlich politisch unkorrekt mit automomen Ansichten seine Meinung. Ein Alpha Mensch ist mir dann symphatisch wenn er nicht politisch korrekt und angepasst ist, wenn er nicht nach oben buckelt und nach unten tritt. Diese Unabhaengigkeit im Dasein, Sprechen und Tun, das machte seinen Faszination aus.

    2. Man muss ihn nicht mögen, aber er verdient meinen uneingeschränkten Respekt. Er hat nicht nur die Modewelt revolutioniert, nein, auch im Tod setzt er neue Maßstäbe. Die ehrlichste Trauer wird von seiner Katze kommen.

    3. Namenlos und heimatlos an

      Ja, ein bißchen affektiert war er schon, zugegeben – er inszenierte sich und seinen Lebensstil wie eine Oper -aber ich glaube, daß er doch andererseits ein reeller Mann mit klarem Verstand und einem realistischen Weltbild war.

      Ich werde ihn auch vermissen.

    4. HERBERT WEISS an

      Er war einer der ganz Großen. Na schön, er hatte auch seine kleinen Macken, wie sein Faible für klapperdürre Models. Ich bevorzuge eher die Rubens-Figuren. Aber über Geschmack lässt sich streiten. R.I.P.!

      • heidi heidegger an

        Franzi Giffey/SPD ! (She nice!) und Abitur hat’S auch und nen Stil wie in den ²DS-Melos d. mitt50er, hihi. Und @Gabis scharfe Kurven erst, aber das G(abi)-Gesetz gebietet mimimir, darüber nix weiter zu schreiben..ach-hach! ;-)

        ² In den Wind geschrieben ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahre 1956. Das Melodram unter der Regie von Douglas Sirk usw.

    5. Sachsendreier an

      Egal, wie er nach außen rüber kam, er war sicherlich kein Roboter. Und hat, im Gegenteil zu vielen Großverdienern, wirklich sehr viel gearbeitet für seinen Luxus, er war sein ganzes Leben lang irgendwie ruhelos. Denn saß er mal nicht an seinen Entwürfen, las er exzessiv. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, doch haben ihm sehr viele andere Modeschaffende Respekt entgegen gebracht. Zudem hat er nie ein Blatt vor den Mund genommen, was in heutigen Zeiten seitens Prominenter selten vorkommt, sowie extrem selten, völlig unbeeindruckt davon, was der Mainstream vorschrieb.

    6. Waldemar Wolkenbruch an

      Vielleicht gibt es psychologische Parallelen zwischen Karl Lagerfeld und Michael Douglas: Totenhaft künstliches Aussehen, elitäre Hofhaltung in Einsamkeit, Bühnenpräsenz. Eine ähnliche Symptomatik.

    7. brokendriver an

      Lagerfeld war gegen die kriminelle Asylanten-Invasion der Templim-Trulla Merkel (CDU).

      Das ehrt ihn für immer…

      • Da solltest Du mal seine ganze Aussage lesen

        Sinngemäß "… ich hasse Merkel, sie hat die Neonazipartei AfD erst ermöglicht…." usw. von dem alten Ar***loch.

    8. marc o´hand an

      Er dachte, er sei etwas besonderes, dabei hatte er nur mit etwas völlig oberflächlichem und unwichtigem wie Mode zu tun…

      • heidi heidegger an

        Mooooment! Zawahr wurde meine unbekannte Freundin BV schwer verulkt dereinst von den üblichen ²V., aber hier:

        >>..Man hat deswegen von der Tyrannei der Mode gesprochen, die aus dem Blauen heraus ihre Launen diktiert. Doch bei genauerer Betrachtung entpuppt sie sich als ein Spiel nach Regeln – und als ein differenziertes Zeichensystem im historischen Wandel. Im bürgerlichen Zeitalter ist Mode weiblich geworden, Männer kommen unscheinbar im Anzug daher. Doch das war nicht immer so..<< quakquak (anm. hh)

        ²Barbara Vinken! Nachdem Ihr Werk »Angezogen« für den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse nominiert worden war, wurden Sie in der Taz zum Thema …und quak-quak und dann schrieb die Schweine-Titanic noch so was wie: *jaja, Sie treiben es halt gerne und oft und machen auch noch viele eitle Worte darüber!*..(irgendwie so!/anm. hh)..LOL

      • MARC
        Seine Leute haben überlebt, mit seiner Unwichtigkeit.
        Wir haben wichtige Leute im Lande, wo viele Leute nicht überlebt haben.

    9. Anfang der Siebziger hatte ich mal von Karl Otto unsere neuen Vorstandsuniformen anfertigen lassen, denn wir kannten uns ja noch von früher. Nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes. Einmal und nie wieder eben. Trotzdem bekam ich seither regelmäßig Klamottenproben, unsere Maße hatte er ja. Mindestens drei Stück pro Jahr. Ich wollte ihm nicht weh tun, deshalb hab ich nie nach Paris zurückgeschrieben. Die ersten Pakete hatte ich noch im Keller aufbewahrt. Später hab ich sie immer gleich im Karo- oder Schanzenviertel an bedürftig Aussehende verteilt. Heute, wo ich von Karl Ottos Tod lese, tut es mir fast ein bisschen leid, dass ich ihn nie zumindest mal angerufen hab. Ich denke, ich werde ihm eine Stele am Feenteich widmen, die ihn als unseren Schneider preist.

      • heidi heidegger an

        LOL..das Parrfenngg war/roch aber totalst kaggé, Du.. -> inmitten der 80er unn dat – aber war eh nicht mein Jahrzehnt, denn -na Ihr wisst schon-..achach

      • Sehr kurzsichtig, Gabi. Zumindest erklärt es, dass die im Schanzenviertel exklusiver gekleidet sind, als das hart arbeitende Volk.

        • heidi heidegger an

          woher wissen Sie, dass G. myopisch ist, häh? und aber zuu eitel (wie die heidi), um glasbausteindicke Compac äh Contactlinsen zu tragäään, hihi..

          zacknweg