Hippie und Satan: Vor 50 Jahren: Die Manson-Morde

12

Im Sommer 1969 ließ Charles Manson einen archaischen Mythos auferstehen. Verirrte Mädchen verfielen ihm, töteten für ihn. Unter den Opfern der Mordnacht vom 09. August 1969: Hollywood-Star Sharon Tate. Wenige Tage später feierte die Hippie-Jugend das Friede-Freude-Eierkuchen-Festival bei Woodstock – als wäre nichts geschehen… Es folgen Auszüge aus dem Artikel „Hippie und Satan: Vor 50 Jahren: Die Manson-Morde“. Den vollständigen Artikel finden Sie in COMPACT-Magazin 8/2019. Weitere Artikel dieser Ausgabe können Sie auf Digital+ oder in gedruckter Ausgabe lesen – hier zu bestellen.

(…)

Sommer 1969, nahe Los Angeles, Kalifornien: Charles Manson, unehelicher Sohn, wird von seiner Mutter und deren Liebhabern abgelehnt. Aus Frust schlägt er eine kriminelle Laufbahn ein, sitzt ständig im Knast. Als die Hippie-Bewegung freie Liebe und Rausch ausruft, eilen Ausreißer-Mädchen aus L.A. zur Spahn Movie Ranch, zum wilden Manson. Obwohl autoritärer Frauenverächter, spendet er ihnen eine Ersatzgemeinschaft, die sogenannte Manson Family, lässt sie zu seiner Musik zucken und zappeln.

„Tanzte er selbst, war er «wie Feuer, wie eine wilde Explosion, wie ein mechanisches Spielzeug, das plötzlich verrücktspielte“ (Gregg Jakobson). Drogen gibt es im Übermaß. Am 9. August stürmen die Groupies Susan Atkins, Patricia Krenwinkel, Linda Kasabian, Leslie Van Houten und Charles Watson los, dringen in die Häuser der Reichen ein und schlachten mit langen Messern die Bewohner ab. Wild, rasend, mänadisch. Das prominenteste Opfer: Hollywoodstar Sharon Tate, Ehefrau des Regisseurs Roman Polanski, und ihre Gäste. Die 21-jährige Atkins schmiert mit Tates Blut das Wort «Pig» (Schwein) an die Wände.

Es folgen Verhaftung und Prozesse, neben Manson werden sogar die Mädchen zur Gaskammer verurteilt. Nur eine temporäre Aufhebung der Todesstrafe in Kalifornien rettet ihnen das Leben. Aber Manson hatte es geschafft: Als Teil des White Trash, der Garbage People – so der Titel einer frühen Biografie (1971) – war er zum finsteren Gott der Popkultur aufgestiegen. Musiker Marilyn Manson benannte sich Jahrzehnte später nach ihm, Mädchen kommender Generationen trugen (und tragen) sein Konterfei auf ihren T-Shirts, boten ihm per Brief an, weiterhin «Pigs» für ihn abzustechen.

Sogar im Russland der 1990er, im nationalbolschewistischen Underground, nahmen Eduard Limonow und Alexander Dugin ihn in ihre Idol-Galerie auf. Wie im altgriechischen Dionysos-Mythos saugte ein Zurückgewiesener, durch Herkunft Gekränkter, die Vibrationen einer Krisenzeit in sich auf und ließ das Pulverpass gesellschaftlicher Ambivalenz in Drogen und physischer Gewalt eskalieren, machte sich selber zur Symbolfigur blutigster Abgründe.

(…)

So sehr Manson sich hinter Widersprüchen und Maskeraden versteckte, zumindest seine Ideologie zur Tatzeit lässt sich rekonstruieren: Neben Interesse an modischer Bewusstseinserweiterung – Manson las die Dianetik-Schriften des Scientology-Gründers Ron L. Hubbard – prägte ihn vor allem der Emanzipationskampf der US-Schwarzen. Es war die Zeit von Martin Luther King und Malcolm X, Black Power versus Ku-Klux-Klan. Für den Rassisten Manson stand fest: Das eskaliert in einen Bürgerkrieg. Was jetzt zu tun sei, entnahm er einer sehr subjektiven Interpretation des Beatles-Songs Helter Skelter.

Zwischen den Zeilen hörte er einen Aufruf: Man müsse Repräsentanten des reichen, weißen Establishments ermorden. Die Öffentlichkeit würde die Untat den Schwarzen in die Schuhe schieben und damit endgültig die Bombe platzen lassen: Ein apokalyptischer Rassenkrieg wäre die Folge. Den würden die Schwarzen gewinnen, und ihn, Manson, zu ihrem Herrscher ausrufen. Freilich hat diese irre Interpretation nichts mit Musik und Text des Beatles-Songs zu tun. Sie verleitet vielmehr zu dem Schluss, dass Manson in jener Zeit an drogenverursachter Psychose litt. Das Aufspüren angeblich versteckter Nachrichten ist symptomatisch dafür.

Mörderische Hippie-Mädchen, die Charlie hörig waren: Susan Atkins, Patricia Krenwinkel and Leslie Van Houten (v.l.n.r.) nach ihrer Verhaftung. Foto: picture alliance/AP Photo

Die Bestie und ihr Opfer

Makabre Krönung fand der Manson-Kult in der Opferwahl: der Schauspielerin Sharon Tate. Alle anderen Menschen, die bei den Schlachtzügen umkamen, waren und blieben unbekannt. Tate aber war zum Zeitpunkt ihrer Ermordung ein Hollywoodstar, mit exakt konträrem Image zum finsteren Manson. Durch Filme wie Tanz der Vampire (1966) oder Das Tal der Puppen (1967) ins Rampenlicht gelangt, galt sie als vitale Lichtgestalt: «Sharon Tate genoss ihr Leben bis zur Neige, solange es währte, und trug eine hohe und fröhliche Qualität zum Leben der anderen bei», schwärmte Underground-Dichter Gerard Malanga.

(…)

Ende der Auszüge. Den vollständigen Artikel finden Sie in COMPACT-Magazin 8/2019. Weitere Artikel dieser Ausgabe können Sie auf Digital+ oder in gedruckter Ausgabe lesen – hier zu bestellen.

Über den Autor

COMPACT

12 Kommentare

  1. Avatar

    Ich weiß nicht wirklich, warum man zu jedem "Jahrestag" etwas schreiben muss. Was Charles Manson betrifft, so reicht es hin, sich bei Wikipedia über dessen (frühen) Lebensweg zu informieren, um ein gewisses Verständnis dafür zu erlangen, wie er sich zu diesem "Monster" entwickeln konnte. Irgendwie ein Produkt des "American Way of Life", und wahrscheinlich auch ein Produkt vaterloser Gesellschaften. Da kam vieles zusammen. Der alltägliche Wahnsinn von Kleinkriminalität, Drogenhandel, Rassenwahn, Mord und Totschlag. Der alltägliche Wahnsinn des "Überlebenskampfs" in einer "freien" Gesellschaft – jeder gegen jeden. Die dunklen Seiten eines Staatengebildes, das von den Apologeten der "freien Marktwirtschaft" immer noch als "Vorbild" hochgehalten wird, obwohl es nahezu keine "hellen" Seiten mehr gibt! Charles Manson war ein Schwerverbrecher, einer von sehr vielen in den USA, und auch deshalb kein "vom Himmel gefallenes Unglück", sondern (auch) ein Produkt elender Zustände. Und dazu gehören – wie in seinem Fall – völlig zerrüttete und desolate "Familienverhältnisse". Irgendwie ähnlich den vaterlosen "Patchworks", den die pseudolinke Mischpoke auch hierzulande präferiert und fleissig vorantreibt. Eine Parallele, die keineswegs zu weit hergeholt ist.

  2. Avatar

    Der Kerl hat für Conchita Wurst Modell gestanden. Apropos Hörigkeit: wenn ich sehe, wie die Schulschwänzer vor Gräte Thunfisch auf die Knie fallen, erinnert mich das auch an eine Sekte. Geheimzeichen: Schweigefuchs.

  3. Avatar
    Terence Pickens am

    Aus dem Artikel: "Alle anderen Menschen, die bei den Schlachtzügen umkamen, waren und blieben unbekannt". Das stimmt nicht ! Am Tage nach dem Mord an der damals schwangeren Sharon Tate, wurde das Ehepaar Leno & Rosemary La Bianca in ihrem US $ 2 Millionen-Haus in den Hügeln von Los Angeles von Mansons Bande umgebracht. Als der Prozeß stattfand befand ich mich in California und hörte stets auf dem Autoradio die Reportagen vom "Tate / La Bianca murder trial". Die Polizei hätte Mansons Bande die Taten nie nachweisen können, wenn nicht einige seiner Frauen – verhaftet wegen kleiner Delikte – in der Haft geprahlt hätten, die "wealthy pigs" getötet zu haben.
    Manson verbüßte seine Strafe in Einzelhaft. Im Gefängnis von Vacaville, Nord-Kalifornien, hortete er Unmengen von in der Kantine gekauften Gaspatronen für Feuerzeuge und bastelte einen Ballon, um über die Gefängnsmauer zu fliehen. Der von Schüssen durchsiebte Ballon ließ Charly dann zur Erde purzeln . . .

    • Avatar
      heidi heidegger am

      Gute Ergänzung. Der Promi-Frisör, der in Polanskis Haus *mit*-ermordert wurde, diente als Vorlage für Warren Beattys Rolle in Hal Ashbys Film SHAMPOO von ’75, so meine ich..

  4. Avatar
    heidi heidegger am

    Also musikalisch etwas impotent war das kleine Männchen (okay: Robert Redford ist auch nur 1.79 m groß *schluck*) und dazu ein Lurch mit Hknkrz auf der Stirn, wie man auf youtube immer noch hören und sehen kann. Aber wohl ähnlich wie der erratische Mönch Rasputin vor ihm, löste er äh gewisse Empfindungen in den Damen aus und spendete Genüsse, die heuer nur Ficker-Habeck im gehobenen Frauenmittstand usw. (LOL) – bei Manson waren es weibl. *runaways* aus d. unteren Mittelschicht und b. Rasputin dekadente Adelsfrauen (denn worumm trieben die es nicht mit dem Stallknecht, häh?)

    Der *radical chic* an der Schwelle d. 70er tat sein übriges/Satanismus und so..und die ²Sache d. Hippies war eh den Bach runter spätestens nach 1967, als sie auf *langhaarige Gammler* einerseits und als Mode-Träger andererseits reduziert und kommerzialisiert wurden.

    ² Adam und Eva im Tal des Todes..so sah Antonioni die Sache in *Zabriskie Point* (ein Film-Märchen von 1970)..

    Nun, d a s Signum des Hippietums an sich ist der Song *crown of creation* der Beat-Kapelle J. Airplane..das ganze hat was von früher Christengemeinde, die war(en) ja auch erleuchtete (Lebens)Reformer und Aussenseiter, hah!

    • Avatar
      heidi heidegger am

      Ergänzung: quasi-religiös auserwählt fühlten sich die echten frühen Hippies dazu auch noch. Das ist normal, denn was Europa an Pfingstlern oder Schwärmern und Quäkern usw. nicht brauchen konnte, saugten die USA auf, seit den Tagen der Pilger!väter. Wir sehen: die *guten* konsum- und zivilisationkritischen Hippies waren auch wertekonservativ und wollten bissi zrugg ins 17. Jh. und die *bösen* wollten sich schlicht dauernd paaren wie die Bonobos und Drogen nehmen wie nix gutes, hihi. Zielloser Eskapadismus oder so..

      • Avatar
        heidi heidegger am

        corr.: Eskapismus (aber ich schrieb ja auch *oder so*, hihi

        [ Kunst – Eskapadismus – NEON.de
        www.neon.de/artikel/freie-zeit/kunst/eskapadismus/1652894
        23.05.2017 – Eskapadismus. je suis passioneée par…..toi, chérie- eine Hommage an und für deine Anmut per se. Mein Refugium nennt sich Poesie,..]

      • Avatar
        heidi heidegger am

        Nein, das mit den Drogen war zu oberflächlich dahingeschrieben: John Milius (Steve Bannon würde sich mit dem verstehen, glaube ich..hihi) ist alt und ein Surfer und Drehbuchschreiber (Jeremiah Johnson und Apocalypse Now! usw. usw.) erklärte mal, dass es den meditierenden Strandhippies mit dem Nirvana damals nicht schnell genug ging (verflixt-verwöhnte *fast food-Jugend*!), also stand Mitte der 60er gerne mal auf dem T-Shirt NIRVANA NOW! und dazu etwas lecker LSD genascht..als könnte man Erleuchtung aus dem Kaugummiautomaten ziehen quasi, tsstss..

  5. Avatar
    Paul der Echte am

    Der Kerl wäre heute Anführer der Merkel Jugend
    Der Hosenanzug bedauert seinen kalten Abgang

  6. Avatar

    (..) Sogar im Russland der 1990er, im nationalbolschewistischen Underground, nahmen Eduard Limonow und Alexander Dugin ihn in ihre Idol-Galerie auf. (..)

    Die Sorte "Mensch" gibt’s in Ost und West, er erinnert an einen Kommissar der Roten Armee (namentlich Salomon Morell) in Ostpreußen ´45 / 46, der Teufel in Person. Seine Lieblingsbeschäftigung, mit einem Kantholz das Gehirn aus dem Schädel deutscher Frauen vor den Augen derer Kinder zu schlagen.

    • Avatar
      DerSchnitter_Maxx am

      Tja … die "Guten" haben halt den Krieg gewonnen … weil sie -immer- so gut sind/waren und die Deutschen – natürlich- das pure und reine Böse waren/sind – wer’s glaubt, hat nicht mehr alle Maschen … am angepissten Drahtzaunpfosten zu hängen ! 😉

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.

Empfehlen Sie diesen Artikel