Am 15. März 933 – heute vor 1.185 Jahren – besiegte Heinrich I. mit einem Heer aus allen deutschen Stämmen die Ungarn bei Riade. Auszug aus COMPACT-Geschichte “1.000 Jahre Deutsches Reich – Unsere Geschichte, unsere Leistungen, unser Stolz”. Jetzt Wunschprämie für Neuabonnenten von COMPACT-Magazin.

    Das Jahr 919 war für die deutsche Geschichte immerhin so einprägsam, dass man es mit einer äußerst populären (aber leider unzutreffenden) Anekdote ausschmückte. Der 42-jährige Herzog Heinrich soll bei Quedlinburg im Harz vor einer Scheune gesessen und Singvögel in einem Netz gefangen haben. Bei dieser für Adlige eher unstandesgemäßen Beschäftigung habe ihn eine Delegation angetroffen und feierlich die Königskrone angeboten. Das Ungewöhnliche bestand wohl eher darin, dass mit Heinrich I. am 14. April 919 der Herzog eines Volkes gewählt wurde, welches erst 100 Jahre zuvor gewaltsam dem Frankenreich Karls des Großen und dem Christentum unterworfen worden war. Die einst so widerspenstigen Sachsen (nicht identisch mit dem heutigen Bundesland, sondern in Niedersachsen siedelnd) waren zum Vorreiter der deutschen Einheit geworden, denn außer ihnen wollten nur noch die Franken den neuen Monarchen Heinrich I. anerkennen.

    Der Mann aus dem Norden war vor allem in Bayern nicht wohlgelitten. «Was will der Sachse in unserem Land, wo seine Väter keinen Fußbreit Landes besessen haben?», schimpfte Bayernherzog Arnulf der Böse. Erst 921 ließ er sich von Heinrichs Argumenten überzeugen, nachdem er ihn vorher vergeblich zum ritterlichen Zweikampf gefordert hatte.

    Heinrich I. war kein Kriegsheld mittelalterlichen Zuschnitts, ihn zeichnete vielmehr ein ruhiger, maßvoller und praktischer Sinn aus. Er fügte sich dem Unabänderlichen und vermied – stets das Erreichbare im Auge haltend – alle ausufernden «idealen» Ziele. Als Politiker hätte er Vorbild werden können für seine Nachfolger, welche glaubten, nur mit einer römischen Kaiserkrone bedeutende Herrscher zu sein. Ohne Feldgeschrei und Waffengeklirr, Feuer und Schwert ging es allerdings auch bei Heinrich I. nicht ab, doch seine bedeutendsten Erfolge waren eher diplomatisch-ökonomischer Natur. Leider hinterließ er aus seinen 17 Königsjahren nur 41 Urkunden, sodass wir nicht sehr viel Detailliertes über den Mann wissen.

    Bedeutsame Verträge wurden schon vor mehr als 1000 Jahren in Bonn geschlossen. Dort traf sich Heinrich mit Frankreichs König Karl (der den bezeichnenden Beinamen «der Einfältige» trug) und veranlasste den Karolinger im November 921 zum Verzicht seiner Dynastie auf den deutschen Ostteil des ehemaligen Franken-Imperiums. Böse Zungen behaupteten, der als trinkfest bekannte Deutsche habe seinen französischen Amtsbruder in Bonn regelrecht unter den Tisch gesoffen. Wie dem auch sei, jenes 920 erstmals erwähnte «Regnum Teutonicum», der frühfeudale deutsche Staat, der als Realität schon 80 Jahre zuvor existierte, wurde somit juristisch festgeschrieben.

    Schwieriger war der Umgang mit den bogenschießenden Reiterhorden der Magyaren, die Jahr für Jahr aus den Wäldern im Osten hervorbrachen. «Alles, wohin sie kamen, wurde verwüstet… alt und jung, Mann und Frau erschlagen», klagte ein zeitgenössischer Chronist. Heinrich schloss mit den wilden Ungarn 924 einen neunjährigen Waffenstillstand (was ihn ebenso viel Geld wie Überredungskunst kostete) und nutzte die Zeit weidlich. Das Heer verstärkte er vor allem mit gepanzerten Reitern, ließ für die Bevölkerung im Grenzgebiet Fluchtburgen wie Nordhausen und Merseburg errichten. Ganz nebenbei führte der König 928 seine Männer über die zugefrorene Havel und eroberte die slawische Festung Brennabor (Brandenburg). Ein Jahr später wurde Meißen gegründet.

    Den Ungarn erging es im März 933 beim Dorf Riade an der Unstrut schlecht, als sie auf die Idee verfielen, des Königs Ritter und Knechte durch einen Hinterhalt anzugreifen.

    «Nun auf, ihr Volksgenossen,
    Nun waffnet Haupt und Arm,
    Auf flinken Steppenrossen
    Naht her der Ungarn Schwarm.
    Du, König Heinrich, lenk die Schlacht,
    Und scheuch den Feind mit Schwertesmacht
    In seine Pußtasümpfe.»

    ereiferte sich noch 956 Jahre später der sächsische Lyriker Albert Möser.

    Doch kehren wir zurück zum Datum von 919. Mag dieses Jahr pragmatisch gewählt sein – es scheint folgerichtig, das damalige Geschehen als Ausgangspunkt einer Entwicklung zu sehen, die das Werden des deutschen Feudalstaates wesentlich bestimmte. Heinrich I. gelang es, das Auseinanderbrechen dieses noch sehr fragilen Staates erfolgreich zu verhindern. Er legte den Grundstein, auf dem seine Nachfolger ab 936 weiterbauen konnten. Zur Jahrtausendwende erblickte man schließlich wichtige Wesenszüge eines Reiches, dessen Charakter deutsche Nationalität und deutsches Volk prägen sollten. Heinrich selbst schuf dafür eine wichtige Voraussetzung, als er in der Quedlinburger Hausordnung vom September 929 seinen 17-jährigen Sohn Otto zum Nachfolger in der Königswürde bestimmte. Dieser erste Ansatz zur Installierung einer Erbmonarchie sicherte über Heinrichs Tod hinaus Unteilbarkeit und sicheren Bestand des Staates der Deutschen.

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