Der am vergangenen Wochenende zurückgetretene frühere österreichische Vizekanzler und FPÖ-Parteivorsitzende Heinz-Christian Strache hat sich heute mit einer Videobotschaft zu Wort gemeldet. In ihr räumt er eine „Mitschuld“ an dem politischen Erdbeben ein, das Österreich in den vergangenen Tagen erschüttert hat. Als „Akteur einer inszenierten Gesprächssituation“ habe er „Gedankenspiele artikuliert“, die Strache im Nachhinein als „dumm“ bezeichnet. Er schäme sich für seinen „Auftritt“, seine „Aussagen“ und sein „Verhalten“.

    Gleichzeitig weist der frühere österreichische Vizekanzler aber auch auf die extrem selektive Bearbeitung des Videomaterials hin. Aus dem insgesamt siebenstündigen Gespräch seien nur sieben Minuten wiedergegeben worden. Die Entstehung seiner Aussagen im Gesprächsverlauf werde nicht dargestellt und nicht in den Gesamtkontext eingeordnet.

    Keinem Politiker seien „Gedankenspiele“ fremd, in denen er „über Mittel und Wege nachdenkt, die politischen Ziele seiner Partei zu verwirklichen.“ Keine der „Ideen“, die er auf Ibiza geäußert habe, sei aber „weitergesponnen“ oder auch nur „im Ansatz“ verwirklicht worden. Außerdem habe er auch im Gespräch selbst darauf aufmerksam gemacht, dass sich alle angedachten Handlungen im Rahmen der bestehenden Rechtsordnung bewegen müssten.

    Strache: „Keine weiteren kompromittierenden Bilder“

    Es gibt laut Strache auch kein weiteres, ihn „kompromittierendes Videomaterial“, weder welches, das ihn beim „Konsum von Drogen“ noch bei „sexuellen Handlungen“ zeige. Die Veröffentlichung des Videos kurz vor der Europawahl nannte Strache einen „gezielten Angriff gegen die Regierung dieses Landes, gegen unsere Souveränität sowie die Handlungsfähigkeit und den Rechtsstaat insgesamt“.

    Strache wirft die Frage auf, welche „politischen und wirtschaftlichen Interessen“ hinter der „Destabilisierung unseres Landes“ stehen und forderte eine „lückenlose Aufklärung“. Hierauf werde er all seine Energie verwenden. Der FPÖ-Politiker lobte außerdem die Medien, die einen „anerkennenswerten Beitrag“ zur Aufklärung leisten würden. Strache gibt außerdem bekannt, dass er bei der Staatsanwaltschaft Wien Strafanzeige „gegen zumindest drei als mögliche Mittäter identifizierte Personen“ eingereicht habe.

    Gegen den Brüsseler Zentralismus, gegen den Souveränitätsverlust der Nationalstaaten und die Völkerwanderung nach Europa: Europas Patrioten sind für viele Wähler die letzte Hoffnung. Lesen Sie mehr dazu in der aktuellen Ausgabe des COMPACT-Magazins, jetzt schon abrufbar auf COMPACT-Digital+.

    Vielleicht könnte die Affäre rund um den früheren FPÖ-Obmann eine weitere überraschende Wendung nehmen. Heinz-Christian Strache kandidiert nämlich auch für die FPÖ zur Europawahl, wenn auch nur auf Platz 42. In Österreich gibt es allerdings die Möglichkeit, Vorzugsstimmen zu verteilen und so auf hinteren Listenplätzen befindliche Kandidaten nach vorne zu wählen. Auf diesem Weg könnte der frühere FPÖ-Chef doch noch in das Europaparlament gelangen.

    COMPACT-Autor Martin Sellner hat auf seinem Youtube-Kanal unter dem Motto „Strache voten gegen Böhmermann-Quoten“ schon zur Wahl des Wiener Politikers aufgerufen. Er wolle zwar Straches Äußerungen nicht entschuldigen, aber die Hintermänner des Ibiza-Videos wie auch die Etablierten in Politik und Medien hätten die härtestmögliche Antwort auf ihre Schmutzkampagnen verdient – und die bestehe eben in der Wahl Straches ins Europaparlament.

    Der Vorgang wäre keinesfalls einzigartig. Bei den Europawahlen des Jahres 2004 gelang es dem FPÖ-Politiker Andreas Mölzer, 21.980 Vorzugsstimmen zu ergattern und somit dem Spitzenkandidaten Hans Kronberger, auf den sich die Wahlwerbung konzentriert hatte, das damals einzig gewonnene Mandat der Freiheitlichen in Straßburg noch abzuluchsen.

    Kommentare sind deaktiviert.