Grünes Chaos: Volker Beck will neue Familie mit vier Eltern

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Endlich wieder ein neues Gesellschaftsexperiment! Da soll doch keiner sagen, die Grünen könnten keine konstruktiven Vorschläge machen. Diesmal geht es (wieder) um die Familie. Forderung: Ein Kind soll bald vier Eltern haben dürfen.

_ von Michael Richter

Volker Beck und Katja Dörner (beide Bundestagsabgeordnete von Bündnis90/Die Grünen) haben ein Thesenpapier aufgesetzt, das auf dem Kongress linker Parteigruppen in Berlin gestern und heute zur Diskussion gestellt wurde. Danach werde die traditionelle Form der Familie dem heutigen Pluralismus nicht mehr gerecht. So seien bereits im vergangenen Jahr 30 Prozent aller Kinder bei Alleinerziehenden, in Patchworkfamilien und weiteren Formen des Zusammenlebens aufgewachsen.

In der klassisch heterosexuellen Ehe sind beide leiblichen Eltern für das Kind zuständig. Die Forderung von Beck und Dörner: Diese beiden Eltern müssten das Sorgerecht juristisch bindend auf zwei weitere „soziale Eltern“ ausweiten dürfen. Diese zusätzlichen „sozialen Eltern“ könnten beispielsweise der aktuelle Partner eines leiblichen Elternteils sein. Sie wären berechtigt, Schulausflüge zu erlauben, den Nachwuchs bei Routineuntersuchungen zum Arzt oder auf Reisen zu begleiten. Diese „sozialen Eltern“ hätten zwar Unterhaltspflichten, aber keine Unterhaltsansprüche. Deutlicher formuliert: Zwei Gratis-Hilfskräfte sollen das neoliberale Chaos, das die leiblichen Eltern überfordert, lindern helfen. Also jene Missstände mildern, die die Grünen als Regierungspartner der Schröder-SPD zu Jahrtausendwende mitverantwortet haben.

Egal, ob man diese Ausweitung jetzt bei heterosexuellen Ehen oder schwullesbischen Adaptions-Ehen vornimmt (beide Varianten sind im Thesenpapier gemeint): Bei vier Personen, die sich um ein Kind sorgen – ist da nicht endlose Streitigkeit vorprogrammiert? Schließlich gibt es ja bereits unter zwei Ehepartnern oft genug erbitterten Zoff um Erziehungsfragen. Natürlich, so lässt das Thesenpapier wissen, sei es dringende Voraussetzung, „dass die Beteiligten sich einig sind und keine Sorgerechtsstreitigkeiten entstehen“. Pures Wunschdenken, wie so oft in der Politik.

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