Als Gerhard Schröder die Hartz-Gesetze erließ, forderte er mehr Kreatiität von den Betroffenen: Sie sollten Ich-AGs gründen und in Marktlücken springen. Mit anderthalb Jahrzehnten Verspätung kam dem jetzt ein 18jähriger Realschulabsolent in Göttingen nach. Der behob den Mangel der dortigen Sparkasse an Goldbarren und verkaufte ihr gleich mal 259 Stück.

    Aber nicht auf einmal, sondern in elf Raten, auf zwei Jahre verteilt. 2016 ging es los: Zuerst hatte er der Sparkasse nur ein paar Exemplare angedreht. Die leckte Blut und wollte mehr. Na klar, hatte er. Lieferte er auch. Unterm Strich fuhr er 300k€ ein. Bei den steigenden Lebenskosten reicht das für eine kurze Zeit.

    Die Goldbarren hatte er sich mutmaßlich via Ebay aus China bestellt. Die sind aus Messing und Kupfer gefertigt, haben einen hauchdünnen Goldüberzug und “Original”-Verpackungen. Den Fake-Artikel erhält man in China für wenig Geld. Der Spitzname “Land des Lächelns” bekommt plötzlich eine ganz neue Bedeutung…

    Das Business könnte noch gut und gerne weiterlaufen, wenn die Mutter des Importeurs nicht plötzlich auch dem Goldrauch verfallen und in den Deal eingestiegen wäre. Und da Eltern ja immer alles versemmeln, flog der Handel auf. Das ist bedauerlich, auch für die Sparkasse, denn die hatte das Fake-Gold ihrerseits erfolgreich weiterverhökert. Zu den glücklichen Kunden zählte u.a. die Nord/LB. Ein anderer Teil wurde eingeschmolzen. Näheres ist noch nicht bekannt.

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    Jetzt hat der Oberstaatsanwalt übernommen. Aber eigentlich gibt es da nichts zu beanstanden, sofern die Sparkasse den Gold-Dealer nicht bar ausgezahlt, sondern per Überweisung entlohnt hat: Schließlich ist die Bank-Knete auch bloß noch virtuell und nicht mehr gedeckt.

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