Giftanschlag in Großbritannien: Sehr wahrscheinlich eine Provokation!

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Ein britisch-russischer Doppelagent wird bei London vergiftet. In wenigen Stunden wusste Theresa May: Das waren „highly likely“, sehr wahrscheinlich, die Russen. Aber – o Wunder! – zum ersten Mal will die EU die Russen nicht automatisch, ohne Beweise, verurteilen.

_von Alexander Sviridov

Alle Dementis der Russen – auf allerhöchsten Ebene – fruchten nichts: Das Giftgas hat eine russische Bezeichnung „Nowitschok“, Neuling, und damit steht für die Briten der Verbrecher ziemlich fest. „Highly likely“ stand nur am Anfang. In den sehr aufgeregten späteren Äußerungen der Politiker und in der „Verdachtsberichterstattung“ der Presse wurde meist auf diese – unbedeutende! – Floskel verzichtet. Die Russen waren‘s, wer denn sonst?

Die Russen haben eigentlich nicht die schlechtesten Argumente auf ihrer Seite. Der Doppelagent, der früher beim russischen Militärkundschafterdienst GRU in der Personalabteilung tätig war (und die Daten der Agenten gegen Bezahlung an die Briten weitergab), schied 1999 aus dem Dienst. Fünf Jahre später wurde er enttarnt und verhaftet, war geständig, wurde verurteilt und saß im Gefängnis bis 2010, als er in einem „Paket“ gegen die in den USA aufgeflogenen russischen Spione ausgetauscht wurde.

Seitdem lebte er unter seinem Namen (kein Identitätswechsel, keine plastische Chirurgie, was bei gefährdeten Personen üblich ist…) im englischen Salisbury. Und acht Jahre später sollten die Russen („highly likely“ Putin persönlich, wie der britische Außenminister Boris Johnson vermutete) auf die Idee gekommen sein, den Agenten umzubringen: weil ihnen „highly likely“ die außenpolitische Situation des Landes mit der Ukraine, dem Doping, Olympia, den anstehenden Präsidentschaftswahlen und der Fußballweltmeisterschaft zu eintönig erschien?

„Wie können wir ein bisschen Bewegung in unser Verhältnis mit dem Westen bringen?“, haben sie womöglich sinniert. „Vergiften wir vielleicht unseren Rentner-Doppelagenten Skripal?“ Und zwar mit einem leicht zu findenden, identifizierbaren und international geächteten chemischen Kampfmittel mit dem russischen Namen „Nowitschok“, damit Scotland Yard nicht allzuviel nachzudenken braucht.

Als die Briten ihrer Sache schon absolut sicher waren, entstand ein Riss in dem schön gebastelten Konstrukt: Die EU hat sich mit dem Vereinigten Königreich solidarisiert (das Vergiften, auch von Doppelagenten, ist eben nicht gut), konnte sich aber auf keine klare Schuldzuweisung einigen.


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Überraschend erschien dazu ein ziemlich guter Artikel von Lorenz Hemicker sogar in der in Deutschland tonangebenden Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Grund dafür war nicht die Liebe zu Russland, sondern eine gewisse journalistische Vorsicht bei der Wahrheitssuche: „Gemessen an der Schwere der Vorwürfe gegen die russische Führung hat die britische Regierung bislang – zumindest öffentlich – nichts Stichfestes vorgelegt. Und auch die Indizienlage bleibt widersprüchlich.“

Die EU und Briten sind (noch) Freunde und Verbündete, aber ein Mindestmaß an Beweisen sollte doch auf den Tisch. Bis heute gibt es noch keinen einzigen! Sogar für die EU (vor allem für Griechenland und Österreich), sogar gegen die Russen war das ziemlich wenig. „Die tödliche Chemikalie wurde in der Sowjetunion entwickelt“ schreibt Politredakteur der FAZ, aber „nach dem Ende des Kalten Krieges auch in den Vereinigten Staaten hergestellt.“

Was er nicht erwähnt ist die Tatsache, dass die Sowjetunion geografisch heute nicht deckungsgleich mit Russland ist. Einige Experten behaupten, Substanzen, die dem Salisbury-Gift ähneln, wurden an einem Ort in der Sowjetunion getestet, der heute zum unabhängigen Usbekistan gehört, und auf den die Amerikaner seit 1999 Zugriff haben. Eine angebliche ehemalige Produktionsstätte befindet sich in Kasachstan.

Die FAZ lässt nicht locker: „Woher das Gift aber im konkreten Fall stammt, ist bislang völlig offen… Großbritanniens Außenminister Boris Johnson sagt, es gebe Beweise dafür, dass Russland in den vergangenen Jahren Nowitschok produziert und gelagert hat.“ Die „Beweise“ liegen „highly likely“ in dem Panzerschrank von Herr Johnson persönlich. Auf alle Fälle, die Weltöffentlichkeit hat nur den polternden Struwwelpeter Boris und keine Belege gesehen.

Die FAZ kommt zu einem (für dieses Medium) unerwarteten Schluss:
– Russland hat sämtliche chemische Waffen, „laut Aussage internationaler Beobachter“, vernichtet;
– „In der Sowjetunion als auch in Amerika dürfte es Bestände an Nowitschok gegeben haben.“ Zu den Nachfolgestaaten der UdSSR gehört auch die Ukraine, fügen wir hinzu, die auch ein zwingendes Motiv, den Russen einen Mord in die Schuhe zu schieben, haben könnte;

– Selbst „die Briten hätten ein Motiv, weil sie von den Problemen beim Brexit ablenken wollten,“ sagen Russen;
– Nicht nur Staaten, sondern „auch andere Akteure könnten in Besitz des Gifts gelangt sein.“ Erwähnt sei hier der Giftanschlag 1995 in Tokio von der Aum-Sekte. (Und in Syrien wurden beim IS auch Labore zur Giftgasherstellung entdeckt, ergänzen wir).

Wichtigstes Fazit ist aber: „Vertreter der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) aus Den Haag sollen nun in internationalen Labors das Nervengift genauer untersuchen“ und „stichfeste Hinweise auf die Herkunft des Stoffs und die möglichen Drahtzieher liefern“.

Das kann auch schief gehen: 2011 zweifelte der Wissenschaftliche Rat (Scientific Advisory Board) der Organisation für das Verbot chemischer Waffen an der Existenz von Nowitschok. Einige Fachleute behaupten sogar, Nowitschok sei ein Mythos: Obgleich der Stoff angeblich sogar industriell hergestellt wurde, haben weder Russen, noch Usbeken, noch Kasachen, noch Amerikaner irgendwelche (reale, nicht belletristische) Spuren von ihm gefunden.

„Es gibt weder Test- noch Einsatzspuren, auch wenn man nach ihnen sehr aktiv in allen (ehemals sowjetischen – A.S.) Labors suchte“, sagte Toxikologe Alexej Wodowosow. Und ohne Beweise ist die ganze britische Geschichte eine ziemlich wahrscheinliche Provokation.

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