Generaldebatte – Merkels maximaler Stuss

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Wie lauteten doch gleich die Themen der heutigen Generaldebatte im Bundestag? Haushaltspläne, Geld für Verteidigung, Entwicklungshilfe und Soziales? Merkels geistigen Totalausfall könnte man mit einem Schüler vergleichen, der in einer Mathematikprüfung stattdessen einen Deutschaufsatz vorträgt.

Bäckertaufe (Schupfen) im Freiluftmuseum Gifhorn | Foto: Wikipedia.org

Phasenweise hatte ich den Wunsch, Merkels Redenschreiber – sofern es den gibt– einer mittelalterlichen Bäckerschupfe zu unterziehen. Eine solche Strafe wurde damals verhängt, wenn ein Bäcker Brotlaibe mit zu geringem Gewicht verkaufte. Man sperrte ihn in einen Käfig und tauchte ihn mithilfe einer Seilwinde solange in eine Jauchegrube, bis er Besserung gelobte. Diese Strafe würde allerdings, und das steht für mich nach der Debatte fest, weder beim Verfasser ihrer Rede noch bei unserer Kanzlerin Wirkung zeitigen.

„Wir wollen in Zukunft vom Bürger her denken und nicht umgekehrt“, begann sie. Ein Satz, dessen Semantik mir schon morgens um neun Uhr die erste Flatulenz bescherte. Gleich darauf die Interpretation des TV-Moderators. Ich kam mir vor, als würden wie einst die Herolde mit Tröten von den Schlosszinnen herab dem Volk verkünden: Seine Majestät der König hat einen Furz gelassen.

Zunächst zählte ihre Durchlaucht eine lange Reihe der Wohltaten für die Bürger auf, geschickt in verschwommene Konjunktive verpackt, und stets mit dem Impetus – „Das macht uns keiner nach“. Schlag auf Schlag ging´s weiter. Kindergelderhöhung, Digitalisierung, Beschleunigungsgesetz für Brückenteilzeit, Steuerungsverordnung für Flüchtlinge, Sammelklagengesetz, Stabilisierung des Rentenniveaus, Allianz der Pflege und Sicherheit für den Klimawandel.

Kanzlerin suhlt sich in vorgetäuschten eigenen Erfolgen

Die putativen Erleichterungen für das arbeitende Volk bringen allmählich jeden Bürger auf die Palme, vor allem, wenn eine Kanzlerin sich in vorgetäuschten eigenen Erfolgen suhlt und unten kaum ein Euro ankommt. Dafür sorgen schon Sozialämter, Finanzämter, Gebührenordnungen, kommunale Verrechnungsmodalitäten, Mieterhöhungen, Inflation und weiß der Teufel, wie viele Gesetzesnovellen unserem Geldbeutel dauerhafte Ebbe bescheren.

Ein Highlight jagte das Nächste. Schwurbel-Angie ließ den Bürger wissen, dass die Kommunikation mit den Behörden durch den virtuellen Zugang unsere digitale Zukunft mit den Behörden perfekt gestaltet wird. Der Bauer in der Digital-Diaspora Bayerisch-Eisenstein dürfte gejubelt haben, dass er theoretisch einen Antrag zum Bau eines Güllebeckens virtuell erledigen kann, theoretisch, versteht sich. Mehr als fünfhundert Anwendungen soll´s in Zukunft geben. Mir schwant Übles.

Merkel legitimierte Grenzöffnung, weil schon immer Migranten von Land zu Land pilgerten

Selbstredend widmete sich die Kanzlerin auch dem Flüchtlingsthema, legtimierte die „humanitäre“ Grenzöffnung damit, weil schon anno dunnemals Zigtausende europäische Migranten von Land zu Land pilgerten, um sich neue Lebensperspektiven zu schaffen. Kann sich diese Frau nicht mehr daran erinnern, dass zur Zeit der großen Bevölkerungswanderungen Europas Population gerade mal zehn Prozent gegenüber der heutigen erreichte? Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass mir mein Geschichtslehrer damals erzählte, dass Millionen von Schwarzafrikanern Europa mit dem Ziel überfallen hätten, westliche Kulturen auszurotten. Schwamm drüber.

Es folgte das Stichwort „Industrie Vier Punkt Null“. In „unserer globalen Welt“, doch, das sagte sie wirklich, „suchen wir den Anschluss an die internationale Digitalausstattung“. Ja, lieber Herrgott, da darf man nur hoffen, dass sie auch fündig wird. In der Annahme, es könne nicht noch schlimmer kommen, schlug sie zu, die Angela.

Gnadenlos malträtierte Angie meine Toleranzresistenz. „Wir haben aus der Geschichte gelernt, haben die wichtigen hundertsten Jahrestage mit Würde und im Andenken der Verbrechen 1945 gefeiert.“ Sie ließ mich weiter wissen, dass aus den damaligen Verbrechen die deutsch-französische Freundschaft erwuchs, salbaderte weiter, indem sie multilaterale Ordnung rühmte und Fluchtursachen in unserm nationalen Interesse stünden. „Wir wollen, dass die Welt besser wird“, appellierte sie ans Plenum. „Patriotismus heißt, wenn man an alle Länder dieser Welt denkt und nicht in nationalen Dimensionen verbleibt“.

Sodann klärte sie mich mit dem wohl markigsten Satz des Vormittags auf. „(…) und wir sind hier im deutschen Bundestag.“ Mir dagegen schoss durch den Kopf: Spaß im Glas mit Nervengas. Will die Frau mich verarschen? Über was redet „Angie die Entgeistigte“ überhaupt und vor allem mit wem? Was um Himmels Willen hat das mit dem Thema der Generaldebatte zu tun?

Die Dezemberausgabe von COMPACT-Magazin steht ganz im Zeichen des Titelthemas „Migrationspakt – Verschwörung der globalen Eliten“ (mit einem Interview mit Viktor Orban!) und des Dossiers „Maaßen und der Tiefe Staat – Der Spion, der in die Kälte ging“.

 

Mir bleibt an dieser Stelle nur, aus dem Buch „Der gute Mensch von Sezuan“ zu zitieren: „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

 

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