Gekommen, um zu bleiben: Leipziger Soziologen sagen dauerhafte Etablierung der AfD voraus

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Die AfD ist keine Eintagsfliege, sondern wird sich dauerhaft im deutschen Parteienspektrum etablieren: Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung von Soziologen der Universität Leipzig auf der Basis einer Studie zu den Wahlmotiven von AfD-Anhängern, für die sie Daten von mehr als 8.400 Befragten des Sozioökonomischen Panels aus dem Jahr 2016 ausgewertet haben.

Holger Lengfeld, Soziologieprofessor und Initiator der Studie, begründet dies wie folgt: „Die etablierten Parteien haben den abgewanderten Wählern derzeit kein überzeugendes Angebot zu machen.“ Sie böten keine Programme, die zu den Motiven dieser Wähler passten. Auffällig sei das hohe Maß an Parteiidentifikation einiger Befragter. Diese Variable messe die langfristige Bindung zu einer Partei und die dürfte es „bei einer so neuen Partei eigentlich noch gar nicht geben“.

Als entscheidendes Wahlmotiv für AfD-Anhänger haben die Forscher die Ablehnung der gegenwärtigen Asyl- und Zuwanderungspolitik identifiziert. Je kritischer jemand gegenüber Merkels „Willkommenskultur“ eingestellt ist, desto größer ist, unabhängig vom sozialen Status, die Wahlpräferenz für die sogenannten Rechtspopulisten. „Die AfD erhält von vielen Seiten ihre Unterstützung. Ob es nun Arbeiter, Angestellte, Selbständige oder Rentner sind, ob mit geringerer oder höherer Bildung: Es scheinen häufig Menschen zu sein, die sehr konservative Meinungen vertreten und sich bei der CDU nicht mehr zu Hause fühlen“, betont Lengfeld.

Die Autoren der Leipziger Studie stellen deshalb fest: „Um AfD-Anhänger auf ihre Seite zu ziehen, müssten die etablierten Parteien ihre mehr oder weniger liberalen Positionen in Zuwanderungsfragen zumindest teilweise aufgeben.“ Ein solcher Positionswechsel berge für die etablierten Parteien die Gefahr des Glaubwürdigkeitsverlustes und der Abwendung bisheriger Wähler. Die Vorstellung, AfD-Anhänger durch paar soziale Wohltaten zurückgewinnen zu können, sei naiv, weil diese „aus einem Gefühl der kulturellen Bedrohung heraus“ agierten.

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Soziologe Lengfeld sagt folgerichtig: „Wenn es um die Sorge geht, dass die deutsche Identität bedroht ist und geschützt werden muss, werden auch größere Umverteilungen zu nichts führen. Das zentrale Motiv für AfD-Wähler ist der Wunsch nach einer geschlossenen Gesellschaft und dichten Grenzen sowie die Angst vor Überfremdung.“

Mit kleinen Kurskorrekturen auf Nebenkriegsschauplätzen, etwa geringfügigen Rentenerhöhungen oder Steuersenkungen, und einer linkspopulistischen Pseudo-Opposition á la Wagenknecht und Lafontaine wird man die AfD also nicht mehr von der politischen Bühne wegbekommen.

Über den Autor

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Daniell Pföhringer, Jahrgang 1973, stammt aus Bayern, wuchs in Hamburg auf und studierte dort Politikwissenschaft, Soziologie und Kulturwissenschaften. Seit einigen Jahren lebt er als Unternehmer und freier Publizist in Dresden. Seit Juni 2017 arbeitet er für COMPACT.

 

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