Gauweilers böser Verdacht: Wo ist das deutsche Gold?

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Wie wird Deutschland wieder souverän? Unsere Edelmetallreserven lagern großteils im Ausland. Aber ob sie noch da sind, ist unklar – sie wurden seit 30 Jahren nicht mehr überprüft. Von Jürgen Elsässer

Deutschland ist ein reicher Staat, weil unsere Väter und wir nach dem 2. Weltkrieg ordentlich geschafft haben. Früchte dieser Arbeit sind unter anderem die deutschen Goldreserven, ein Niederschlag der deutschen Exportüberschüsse der letzten Jahrzehnte. Sie sind der Notgroschen für Katastrophenfälle – wenn das Papiergeld einmal nichts mehr wert sein sollte.

*** Externer Hinweis: Gaza – Der „Irre von Tel Aviv“ schlägt wieder zu ***

Aber sind diese Goldbestände überhaupt noch vorhanden? Seit 30 Jahren wurden nämlich die im Ausland lagernden Barren nicht mehr überprüft. Das ist das Gros unseres Goldschatzes: Vom Gesamtbestand (3.396 Tonnen mit einem derzeitigen Marktwert von 135 Milliarden Euro) befinden sich 1.536 Tonnen in New York, 450 Tonnen in London und 374 Tonnen in Paris, jeweils in den Tresoren der dortigen Zentralbank.

Mitte Oktober 2012 schlug der Bundesrechnungshof Alarm: Die Barrenliste sei seit 1979/80 nicht mehr geprüft worden. Und als die CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Mißfelder und Marco Wanderwitz das deutsche Gold in London und Paris in Augenschein nehmen wollten, wurde ihnen der Zutritt verweigert. Dabei hatte der französische Zentralbank-Chef Christian Noyer  erst im Vormonat auf die Frage, ob das von seiner Institution verwahrte Gold der Bundesbank in guten Händen sei, geantwortet: „Seien Sie versichert, dass es unter uns sehr gut bewacht ist. Unsere Kunden können sich das ansehen, wann immer sie wollen.“ Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler war besonders empört, nachdem er sich die Bilanzen der Bundesbank genauer angeschaut hatte: Dort gebe es einen Titel, der heiße nicht Gold, sondern „Gold und Goldforderungen“. Goldforderungen aber seien etwas anderes, denn die habe man nur „auf dem Papier“, Gold dagegen „physisch in den Händen“. Zumal auf der Welt „vielmal mehr Goldforderungen herumschwirren als körperlich vorhanden ist“. Der knorrige Bayer hat einen düsteren Verdacht: Die Amerikaner würden das Gold gegen eine Gebühr verleihen und vom steigenden Marktreises profitieren, wenn es nach einem Jahr zurückkommt. „Wir müssen das Gold deshalb physisch prüfen“, fordert er.

Das Argument der aufgescheuchten Bundesbanker für die Lagerung im Ausland: Im Falle einer Währungskrise könnte das im Ausland lagernde Gold rasch in wertstabile Devisen umgetauscht werden. Dieses Argument ist offensichtlich absurd, zumindest im Falle der Pariser Lagerbestände, denn falls der Euro kollabiert, ist Paris ebenso betroffen wie Frankfurt. Und warum sollten die New Yorker und Londoner Reserven bei einem Euro-Notfall in Dollar oder Pfund getauscht werden? Sind die Währungen des siechen Uncle Sam und des kollabierenden Großbritannien nicht ebenso instabil wie der Euro? „Das ganze Gold muss zurück!“, fordert der FDP-Bundestagsabgeordnete Heinz-Peter Haustein das Naheliegende, denn: „Gerade in der Krise brauchen wir Sicherheit über unsere Gold-Reserven.“

Dass Deutschland die Kontrolle über seine Edelmetallreserven aufgegeben hat, ist symptomatisch. Auch in anderen wichtigen Bereichen haben wir die Souveränität eingebüßt, die einen Staat handlungsfähig machen:

*Es gibt keine Grenzkontrollen mehr, die illegale Einwanderung und grenzüberschreitende Kriminalität nehmen ständig zu.
* Es gibt keine Währungshoheit mehr, die hat die seit Euro-Einführung die Europäische Zentralbank übernommen.
* Es gibt keine Haushaltshoheit mehr: Mit Einführung des permanenten Euro-Rettungsschirmes ESM kann dessen Gouverneursrat auf deutsche Steuergelder zugreifen, ohne dass der Bundestag mitbestimmen kann.
* Hinzu kommen die US-Truppen, die ihre Stützpunkte in Deutschland als Nachschubbasis für Kriege wie im Irak und Libyen nutzen, denen Deutschland nie zugestimmt hat.

Thilo Sarrazin hat Recht: Deutschland schafft sich ab, wenn das so weitergeht. Die Frage ist akut: Wie wird Deutschland wieder souverän? Wie lange wollen wir für den Euro zahlen, für die USA in Kriege ziehen?

Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der „Souveränitätskonferenz“, die COMPACT-Magazin am 24. November an der FU Berlin veranstaltet. Hauptredner: Karl Albrecht Schachtschneider, Peter Scholl-Latour, Valentin Falin u.v.a. Weitere Informationen und Anmeldung unter konferenz.compact-magazin.com

„Wie wird Deutschland wieder souverän? Welche Bündnisse brauchen wir?“ ist auch der Titel des Dossiers in der aktuellen COMPACT-Ausgabe 11/2012.

Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

 

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