Zum faulen Zauber um den neuen CDU-Messias. Editorial der Dezemberausgabe von COMPACT-Magazin

    Viele Leute glauben an Friedrich Merz. Ich glaube lieber an den Weihnachtsmann. Der brachte mir immer schöne Geschenke, und manchmal hatte er sogar das Christkind dabei. Merz dagegen wird uns mit der Rute kommen: Länger arbeiten bis zur Rente, und die Steuerersparnis – nicht die Steuererklärung – passt auf einen Bierdeckel. Die europäische Arbeitslosenversicherung, von der er zeitweise schwärmte, findet auch den Beifall eines anderen, allerdings schon wieder abgestürzten Messias, nämlich von Martin Schulz.

    Das alles wäre zu verschmerzen, wenn Merz gegenüber Moslems und Illegalen auch den Knecht Ruprecht loslassen würde. Aber das ist nicht zu erwarten:

    (…)

    So bescheinigte er Mitte November den Grünen, sie seien nicht nur bürgerlich, sondern „sehr bürgerlich“ und damit für ihn ausgesprochen „partnerfähig“. Mit Recht ätzte die “Frankfurter Allgemeine Zeitung”: „So freundlich kommt das nicht einmal Angela Merkel oder Annegret Kramp-Karrenbauer über die Lippen.“

    Im konservativen Bürgertum ist die Sehnsucht groß, dass es über einen wie Merz eine sanfte Ablösung der Kanzlerin und ein Zurück in die gute alte Zeit geben könnte, die – für sie! – noch bis zum Jahr 2014 andauerte und erst durch die Grenzöffnung 2015 zerstört wurde. Vor der Wahl der AfD schrecken diese Leute zurück, weil sie Wolfgang Schäubles Warnungen vor Alexander Gauland mehr glauben als umgekehrt. Sie denken wirklich, bei Pegida demonstriere das „Pack“ und östlich der Elbe liege „Dunkeldeutschland“, wo der neue Hitler in Gestalt von Björn Höcke in Kürze die Macht ergreifen werde. Im Bücherregal steht noch Ernst Jünger (von den Eltern geerbt), aber in der Garage schon eine Elektrolimousine. Sie verachten die amerikanisierte Massenkultur und schätzen die deutsche Klassik, sind insofern wichtige Träger der Kultur. Aber sie leiden an einer Versteifung, die schon ihre Väter und Vorväter in wichtigen historischen Entscheidungssituationen hemmte: Sie lösen eine Bahnsteigkarte, bevor sie den Bahnhof besetzen. Gerade ihre Tugend, zu der an erster Stelle die preußische Disziplin gegenüber der Obrigkeit gehört, macht sie wehrlos in einer Situation, wo diese Obrigkeit Volk und Staat in den Untergang führt. So hoffen sie jetzt auf Merz, wie sie früher auf Kohl und noch früher auf Brüning gehofft haben.

    Mir wäre es ja auch am liebsten, wenn es in der CDU plötzlich einen Sebastian Kurz gäbe, der in trennen unserem Nachbarland zusammen mit Heinz-Christian Strache einen guten Job macht. Aber Merz ist nicht Kurz, so viel ist klar, und das kann auch gar nicht anders sein: Da sich die Alpenrepublik geschickt als „erstes Opfer Hitlers“ inszenierte, konnte unser Brudervolk dem Schuldkult weitgehend entgehen, der die Deutschen zu Nationalmasochisten verzwergt hat. Das bewahrte in der ÖVP eine patriotische Substanz, die Kurz möglich machte – die es aber in der CDU höchstens noch im äußersten Osten gibt.

    Statt auf einen Messias in der Union zu hoffen, sollten wir die Adventstage nutzen, um der Geburt des christlichen Messias zu gedenken. (…)

    Jürgen Elsässers Editorial vollständig lesen in der Dezemberausgabe von COMPACT-Magazin. Hier bestellen.

    Kommentare sind deaktiviert.