Friedenstaube Bannon – wenigstens der Linksjournalist Mellenthin hat’s (fast) geschnallt

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Der reaktionäre Wutbürger Bannon hier, die friedliebenden Progressiven dort – eine Sichtweise, wie sie kaum falscher sein könnte. Wie in Deutschland und anderen europäischen Ländern (außer in Griechenland), verkennen die Linken in den USA die Chancen einer antiglobalistischen Querfront. Bannon wäre genau der richtige Mann dafür.

Nur 48 Stunden nach dem Abschied Steve Bannons aus dem Weißen Haus hatte US-Präsident Donald Trump seinen Kurswechsel in der Afghanistanpolitik verkündet. Für die US-Linke war Bannons Weggang ein Grund zum Jubeln, denn der konservative Medienmann war den Washingtoner Liberalen von Anfang an ein Dorn im Auge. Ein „Antisemit“ sei er, ein „Rassist“, und außerdem ein Gegner angeblich fortschrittlicher Ideen wie Gender Mainstreaming und Homo-Gleichstellung.

Tatsächlich hat mit Bannon kein „Rassist“ oder „Antisemit“ das Weiße Haus verlassen, sondern ein überzeugter Non-Interventionist, eine „Taube“ zwischen einem Heer von „Falken“, die nun freie Hand haben, die Lady Liberty auf Kriegskurs zu steuern. Außer COMPACT hat das im medialen Blätterwald kaum einer erkannt, bis auf einen, jedenfalls fast: Knut Mellenthin von der Linkspostille Junge Welt. Im Aufmacher der gestrigen Printausgabe berichtete er unter Berufung auf amerikanische Medienberichte, dass die Aufstockung des Truppenkontingents vom Pentagon schon lange geplant war. Nur einer, nämlich Bannon, stand den Militärstrategen im Weg.

Mellenthin wörtlich: „Das es nicht dazu kam [zur Erhöhung der US-Truppenstärke am Hindukusch], scheint hauptsächlich auf das Zögern des Präsidenten und die Einwände seines damaligen ‚Chefstrategen‘ Stephen Bannon zurückzugehen. Trump hatte vor allem in den Jahren 2012 und 2013 immer wieder getwittert, in Afghanistan würden nur Leben und Gesundheit US-amerikanischer Soldaten geopfert und Milliarden US-Dollar verschwendet. Die einzige vernünftige Option sei daher der sofortige Abzug.“

Blackwater-Chef Erik Prince (c) picture alliance / newscom

Mellenthin schreibt, dass Bannon zuletzt einen Plan des ehemaligen CEOs von Blackwater (jetzt: Academi) Erik Prince unterstützt habe, der vorsah, die Anzahl der stationierten Soldaten dauerhaft auf 2.000 zu senken und ansonsten private Sicherheitskräfte – angeblich bis zu 5.000 Mann – einzusetzen, um die Kosten für den US-Haushalt zu drücken. „Am selben Freitag, an dem Bannons Abschied bekanntgegeben wurde, fiel bei einem Treffen von Trump, seinen Generälen und Vizepräsident Michael Pence die Entscheidungen zugunsten der Forderungen des Militärs.“

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Nun kann man natürlich einwenden, dass jemand, der einen Plan unterstützt, der den US-Krieg in Afghanistan nicht beenden, sondern lediglich privatisieren würde, keine „Friedenstaube“ sein kann. Doch wer so denkt, verkennt die Komplexität politischer Strukturen in Washington beziehungsweise der Politik überhaupt. Bannon ist ein gewiefter Stratege, ein Mann, der notfalls auch um zwei Ecken denken kann. Sonst wäre er im letzten Jahr erst gar nicht erst auf den Trump-Train aufgesprungen.

US-Verteidigungsminister James Mattis in Garmisch (c) picture alliance / Sven Hoppe/dpa

Möglicherweise schlug er sich einfach nur auf die Seite von Prince, weil dieser als einziger eine Alternative zur Verstärkung der regulären Truppen am Hindukusch vorbrachte, die vor allem von Bannons Widersachern, Ex-Generälen wie Verteidigungsminister James Mattis und Sicherheitsberater H.R. McMaster hinter den Kulissen betrieben wurde. Und möglicherweise unterstützte er den Vorschlag von Prince, weil er genau wusste, dass dieser nur dem kurzsichtigen Profitdenken eines früheren Söldnerdienst-Unternehmers geschuldet war, aber politisch auf längere Sicht gar nicht durchzusetzen gewesen wäre. Außenpolitisch wäre aber erstmal etwas Zeit gewonnen und Druck abgelassen worden.

Solche Möglichkeiten zieht der Linke Mellenthin nicht in Betracht, aber immerhin räumt er ein, dass nur er – der Rechte Bannon – eine noch aggressivere US-Außenpolitik bislang verhindert habe. Den zweiten, eigentlich logischen Schritt will auch Mellenthin nicht gehen, noch nicht einmal vorsichtig andenken: eine antiimperialistische, antiglobalistische und antiinterventionistische Querfront gegen Kriegstreiber und Freihandelsextremisten, wie sie etwa der russische Philosoph und Geopolitik-Experte Alexander Dugin empfiehlt.

Dem stehen neu-linke Spleens entgegen: Gender-Kult, Gleichstellungswahn, Multikulti und eine aus neomarxistischer Ideologie gespeiste Feindschaft gegenüber dem traditionellen Modell der Familie, die nicht als Grundvoraussetzung für das Fortleben der Völker, sondern als Keimzelle reaktionären Ungeistes identifiziert wird. Die in solchen Vorstellungen gefangene Linke – hüben wie drüben – begreift nicht, dass sie damit ihren erklärten Gegnern in die Hände spielt: Wenn Mütter möglichst schnell wieder ins Berufsleben einsteigen und ihr Kind in die Krippe abschieben, entspricht dies den Interessen der großen Wirtschaftsverbände. Schrankenlose Migration ist nicht nur unökologisch, sondern fördert Lohndrückerei und Sozialdumping. Gesinnungsethik ist Gift für die Freiheit, One-World-Moralismus immer ein guter Vorwand für militärische Interventionen, die dann allem Möglichen dienen, nur nicht der Moral, und Conchita Wurst & Co. sorgen vor allem für klingelnde Kassen bei der Werbe- und Medienindustrie.

Steve Bannon, der sich im Interview mit Rupert Murdochs Wall Street Journal einmal als „ökonomischer Nationalist“ und „America first guy“ bezeichnete und dabei Rassismus und Antisemitismus eine klare Absage erteilte, ist ein ausgewiesener Isolationist und Interventionismus-Gegner und wollte auch im Nordkorea- und Venezuela-Konflikt deeskalieren. Er ist Globalisierungs- und Freihandelskritiker und stand auch deshalb schon lange auf der Abschussliste der Kushners, Cohens und McMasters. Eine Linke, die in Bannon den personifizierten Gottseibeiuns sieht und die Fake News des Mainstreams wiederkäut, betreibt das Spiel der Gegenseite. Würde sie ihn hingegen als potenziellen Partner erkennen, könnte der Widerstand an Fahrt aufnehmen. Insgeheim erkennen dies auch viele Linke, trauen sich aber leider nicht, es auszusprechen. Selbst Knut Mellenthin nicht.

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Über den Autor

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Daniell Pföhringer, Jahrgang 1973, stammt aus Bayern, wuchs in Hamburg auf und studierte dort Politikwissenschaft, Soziologie und Kulturwissenschaften. Seit einigen Jahren lebt er als Unternehmer und freier Publizist in Dresden. Seit Juni 2017 arbeitet er für COMPACT.

 

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