Frankfurter Universität sagt Vortrag von Chef der Polizeigwerkschaft ab

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Die Frankfurter Goethe-Universität hatte den Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, eingeladen, zur Eröffnung des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam ein Referat zum Thema „Polizeialltag in der Einwanderungsgesellschaft“ zu halten. Termin wäre der 26. Oktober 2017 gewesen. Dazu kam es nicht. Die Veranstaltung wurde abgesagt, angeblich aus Sicherheitsgründen. Vorab war jedoch ein öffentlicher Brief im Internet erschienen, von 60 Wissenschaftlern unterzeichnet: Darin wurde Wendts Ausladung gefordert.

Die Unterschreibenden bezweifeln, dass Wendt tatsächlich Erfahrungswissen über Polizeipraxis besitze: „Vor diesem Hintergrund erscheint fraglich, ob Rainer Wendt bezüglich des „Polizeialltags in der Einwanderungsgesellschaft“ wirklich ein Experte ist, der erkenntnisfördernde Erfahrungen oder Ansätze für einen wissenschaftlichen Diskurs liefern könnte. Im Übrigen ist Rainer Wendt innerhalb des Polizeiapparats höchst umstritten. Immer wieder gibt es lautstarke Stimmen, die darlegen, dass Herr Wendt keinesfalls für die Polizei spreche.“

Wendt, so heißt es, mache Stimmung gegen Migranten, um sein gesetzeswidriges „Race-Profiling“ durchzusetzen. Im Kontext zur Flüchtlingspolitik habe Wendt außerdem behauptet, „dass die Bundesrepublik Deutschland angeblich kein Rechtsstaat sei“.

Dann kommt ein Satz, der zu einer demokratischen Lösung des Problems hätte führen können: „Wir wissen nicht, welche Gründe dazu geführt haben Rainer Wendt als Diskussionspartner einzuladen, ja nicht einmal ihm ein kritisches Gegenüber entgegenzusetzen.“ Hier hätten die Unterzeichner fordern können: Konfrontiert Wendt mit einem Kritiker. Ladet einen weiteren Referenten mit gegenteiliger Meinung ein. Sorgt für eine Diskussion, bei der die Fetzen fliegen. Warum nicht? Das wäre Demokratie gewesen.

Aber das wollten die 60 Unterzeichner freilich nicht. Stattdessen die Forderung nach Zensur: „Wir erwarten (!) aber, dass die von uns aufgezählten Gründe zu einer entsprechenden Konsequenz führen und die Veranstaltung mit ihm abgesagt wird.“ Nicht „Wir bitten“ oder „Wir möchten“. Nein, „Wir erwarten“. Gleich zweimal in dem Schreiben. Die Verfasser wussten, dass die Universität keine Wahl mehr hatte.

In seinem – ebenfalls öffentlichen – Antwortschreiben erkennt Wendt die Situation genau: „Ich finde es außerordentlich bedauerlich, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich nicht mit Fakten auseinandersetzen, sondern Fake News verbreiten und damit Stimmungsmache betreiben.“

Wendt widerspricht den Anschuldigungen: So sei er beispielsweise niemals offensiv für Racial Profiling eingetreten, sondern habe nur Polizisten vor falscher Anschuldigung in Schutz genommen. Die Unterzeichner hätten „weder Bereitschaft noch Befähigung zu diesem Diskurs“ erkennen lassen.

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