Am Sonntag steht in Chemnitz der Pokalkracher gegen den Hamburger SV an. Doch die Fans treibt nur noch die Frage um, was hinter dem Rauswurf des Leistungsträgers und Kapitäns Daniel Frahn steckt. Dieser wurde fristlos gekündigt, weil er beim jüngsten Auswärtsspiel des Vereins, an dem er wegen einer Verletzung nicht teilnehmen konnte, im Stadion angeblich neben rechten Fans gestanden haben soll.

    Einer der traditionsreichsten Vereine des früheren DDR-Fußballs, der Chemnitzer FC, der DDR-Meister des Jahres 1967, wird derzeit gerade unter dem Signum des „Kampf gegen Rechts“ eiskalt abgewickelt.

    Wirklich gut geht es den Himmelblauen schon seit längerem nicht mehr. Im vergangenen Jahr musste der Verein seine Insolvenz bekanntgeben und stieg von der 3. Liga in die Regionalliga Nordost ab. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage stieg der CFC aber als Meister direkt wieder in die 3. Liga auf.

    Konstruierte Kontaktschuld gegen Daniel Frahn

    Die Freude darüber währte freilich nur kurz, denn insbesondere in den vergangenen zehn Tagen gab es einige Hiobsbotschaften. Die nach wie vor äußerst prekäre wirtschaftliche Situation führte dazu, dass der Kölner Insolvenzverwalter Klaus Siemon den Trainern und Mitarbeitern des Vereins kündigte.

    Besonders bitter ist, dass nun auch dem renommierten und deutschlandweit bekannten Nachwuchsleistungszentrum das Aus droht. Der Chemnitzer FC ist für seine gute Talentförderung berühmt, so wurde Michael Ballack, der langjährige Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, als Kind und Jugendlicher sieben Jahre beim CFC ausgebildet.

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    Mittlerweile hat Jochen Breideband, der Sprecher der 3. Liga, mitgeteilt, dass auch die Profi-Abteilung des CFC im Falle einer Liquidation des Vereins keine Drittligalizenz mehr erhalten würde. Doch statt in dieser prekären Situation zusammenzustehen, suchten der Notvorstand und die Geschäftsführung nach einem Bauernopfer – und fanden es in Daniel Frahn.

    Der befand sich nämlich beim letzten Spiel seines Vereins, das beim Halleschen FC ausgetragen wurde, nicht auf dem Platz, sondern wegen einer Verletzung gemeinsam mit den CFC-Fans im Gästeblock. Der beliebte Spieler soll dort angeblich – der Vorgang klingt, als wäre er aus einer alten Stasi-Akte entnommen – neben rechtsorientierten Fußballfans gesehen worden sein. Das war der Aufhänger, den die Vereinsführung sofort für eine fristlose Kündigung des Spielers nutzte.

    Rekordtorschütze bei RB Leipzig

    Der Vorgang kommt einem sportlichen Enthauptungsschlag gegen die eigene Mannschaft gleich, denn Frahn war der Schlüsselspieler der CFC-Profis und brachte viel Erfahrung mit. Von 2010 bis 2015 spielte der gebürtige Potsdamer beim RB Leipzig und war maßgeblich dafür verantwortlich, dass den Pleißestädtern damals der Durchmarsch von der vierten in die zweite Liga gelang. Bis heute ist Frahn – vor Timo Werner und Yussuf Poulsen – der Rekordtorschütze von RB.

    In der Nationalmannschaft bestritt Frahn eine Partie für die U19-Auswahl.

    Ohne ihren Stürmerstar dürften es die Chemnitzer sehr schwer haben, die Klasse zu halten. Eine besonders perfide Note erhält der Vorgang dadurch, dass Frahn in einer Pressemitteilung des CFC auf eine giftige Art und Weise politisch attackiert wurde und er es nun schwer haben dürfte, trotz seiner sportlichen Qualitäten überhaupt noch einen Verein zu finden.

    In der CFC-Erklärung wurde Frahn fehlende „Haltung“ vorgeworfen, am Ende des Textes wurde dann gedonnert: „Daniel Frahn, für Sie ist beim Chemnitzer FC kein Platz mehr.“

    Die Hintergründe des Skandals um die Haller-Trauerfeier

    Außerdem wurde Frahn vorgeworfen, am 9. März dieses Jahres schon einmal unangenehm aufgefallen zu sein. Damals hatte er beim Spiel gegen den VSG Altglienicke einen Treffer erzielt und danach ein T-Shirt hochgehalten, um seine Trauer über den Tod des kurz zuvor verstorbenen Sicherheitsunternehmers und Hooligans Thomas Haller auszudrücken. Die Aktion erregte bundesweite Aufmerksamkeit, da in den etablierten Medien über eine Huldigung für einen angeblichen „Neonazi“ berichtet wurde.

    Der vermeintliche „Neonazi“ war in Chemnitz freilich fester Teil des Lebens der Stadt, sein Sicherheitsunternehmen betreute Motorsportveranstaltungen am Sachsenring, Veranstaltungen der Tageszeitung Freie Presse wie auch Veranstaltungen der Stadt Chemnitz selbst. Für einen „Neonazi“ schien ihn damals keiner gehalten zu haben, sonst hätte Haller solche Aufträge wohl kaum erhalten.

    Zu seinem Tod kondolierte unter anderen auch die damalige SPD-Stadträtin Peggy Schellenberger, und auch Frahns Aktion war Teil einer größeren und von der damaligen Vereinsführung genehmigten Traueraktion, die am 9. März im Chemnitzer Stadion ablief.

    Fast alle Fans des CFC halten die Gründe, die offiziell für die Kündigung Hallers herhalten müssen, für vorgeschoben, wie ein Blick auf den Kommentarbereich des CFC-Fanforums bzw. der Facebookseite des Vereins deutlich macht.

    Offensichtlich wollte die derzeitige Vereinsführung den beliebten Spieler und die starke Identifikationsfigur Frahn abschießen, um sich auf billige Art und Weise selbst einen politisch korrekten Heiligenschein zu verpassen und so von dem eigenen Scherbenhaufen abzulenken, den man gerade hinterlässt. Und wer heute jemanden abschießen möchte, der braucht bekanntlich nur das Zauberwort „Rechts“ in die Manege zu werfen, um eine berufliche und soziale Existenz zu zerstören.

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    Es wird sich zeigen, ob die Strategie der derzeitigen Vereinsführung aufgeht, denn schon am 19. August steht eine für den CFC entscheidende Mitgliederversammlung an. Möglicherweise werden einige Fans ihrer Unzufriedenheit auch am Rande des am kommenden Sonntag anstehenden Pokalkrachers gegen den Hamburger SV Ausdruck verleihen – dieses Spiel ist nun nicht mehr nur unter sportlichen Gesichtspunkten interessant.

     

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