Fernsehduell: Rotkäppchen und böser Wolf

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Im roten Hosenanzug betrat Hillary Clinton gestern die Bühne der meistgesehenen Fernsehdebatte aller Zeiten. Der Moderator spielte die Rolle des Jägers, der das arme Rotkäppchen vor dem ach so bösen Wolf, Donald Trump, beschützen muss, perfekt.

_von Tino Perlick

Die gestrige Fernsehdebatte zwischen Donald Trump und Hillary Clinton musste vor allem einen Zweck erfüllen: die angeschlagene ehemalige First Lady wiederaufzubauen. Moderator Lester Holt (NBC, Jahresgehalt 4,5 Millionen Dollar, Wohnsitz in Manhattan) erfüllte diese Funktion mit Gusto. So ignorierte Holt für Clinton katastrophale Themen wie den Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi im Jahr 2011, den E-Mail-Skandal oder die zwielichtigen Aktivitäten um die Clinton-Foundation komplett. Stattdessen fuhr er das gesamte Repertoire an Trump-Gegenmitteln hervor, die das Establishment zu bieten hat: Dessen Behauptung, Obama habe seine Geburtsurkunde gefälscht und die noch nicht veröffentlichte Steuererklärung des Immobilienmilliardärs nahmen viel Zeit ein. Holts Kunststück: Trumps Magnetthema, Einwanderung, sparte er ebenfalls gänzlich aus. Für viele Zuschauer wäre es sicherlich eine Überraschung gewesen, zu erfahren, dass Killary vorhat, die Einreiseregulierung drastisch zu lockern und Illegale quasi einzubürgern.

Trumps Anhänger applaudierten, als er die 33.000 gelöschten Mails der Ex-Außenministerin erwähnte und wurden sogleich vom Moderator an die Regeln erinnert, die jedweden Applaus verbieten. Wenn jedoch Team Hillary ihrer vermeintlichen Erlöserin zujubelte gab es diese Aufforderung nicht.

Als Law-and-Order-Kandidat Trump gerade erklärte, dass die Polizeitaktik „Stop-and-Frisk“, also das Anhalten und Durchsuchen von Verdächtigen, in New York City die Mordrate nachweislich hat sinken lassen, behauptete der Moderator, diese Vorgehensweise sei von einem Richter als verfassungsfeindlich erklärt worden. Eine Falschaussage, wie Trump richtigstellte, denn der jetzige Bürgermeister Bill De Blasio beendete Stop-and-Frisk, bevor das Urteil gefällt worden wäre.

Angesichts der Vorzugsbehandlung musste Clinton nicht viel mehr leisten, als brav zu lächeln, ihre in dutzenden Wahlkampfauftritten einstudierten, nichtssagenden Standpunkte wiederzukäuen und Trump wie einen Blödmann darzustellen. Nach praktisch jeder zweiten Äußerung ihres Gegners drehte sie mit den Augen und gab eine Variante von „Hört euch nur diesen Quatsch an!“ von sich.

Trump wiederum gab sich zurückhaltend und moderat. Vorbei ist die Zeit des Vorwahlkämpfers mit Revolverschnauze und Schimpfnamen für seine Herausforderer. Die spitzeste Bemerkung des Blondschopfs war zugleich die für den Abend zutreffendste: Der stärkste Mann in Clintons Stall, so Trump, seien die Mainstream-Medien. Dass die hiesige Kriecherpresse Clinton zur klaren Siegerin nach Punkten ernennt, dürfte den fanatischen Ghostwritern des Imperiums auch als selbst verabreichte Beruhigungspille dienen: Jüngste Umfragen hatten beide Kontrahenten gleichauf gesehen und Trump in entscheidenden Bundesstaaten sogar eine Nasenlänge Vorsprung eingeräumt.

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Über den Autor

Tino Perlick, Jahrgang 1982, studierte Kulturwissenschaften und Soziologie in Deutschland, Polen und den USA. Einem zweijährigen Intermezzo in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre folgte 2016 die Anstellung als Korrespondent bei COMPACT.

23 Kommentare

  1. Volker Spielmann am

    Von der Herrschaft der Privatzentralbanken

    Der Bankenbaron soll einmal gesagt haben, daß es ihm egal ist, wer ein Land regiert, solange er dessen Währung beherrscht. Damit ist im Wesentlichen die Herrschaft der Privatzentralbanken umrissen, denn nicht umsonst galt das Münzrecht seit uralter Zeit als Vorrecht der Regierung. Allerdings sind die Privatzentralbanken und ihre Eigentümer klug genug, um ihre Herrschaft nicht sichtbar auszuüben, sondern bedienen sich dafür gekaufter Handpuppen, die dann dem Volk vorgaukeln, daß es etwas zu sagen hätte. Besonders schön kann man dies an den VSA sehen, wo die Privatzentralbanken und ihre Konzerne – die den Banken ja auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind – den Kandidaten der beiden Parteien den Wahlkampf finanzieren. Dazu wird das Volk einer umfassenden Indoktrination im Sinne der liberalen Marktspinnerei unterworfen und glaubt daher, daß die Wirtschaft gemäß irgendwelcher Scheinnaturgesetze funktioniere und das liebe Geld ist obendrein ein mächtiges Steuerungswerkzeug.

    Im Übrigen bin ich dafür, daß der Euro zerstört werden muß!

  2. Man wird Trump auf keinen Fall als Präsident zulassen. Obama hat sich ja schon im Vorfeld dazu geäußert. Er zweifelt dessen Führungsqualität an. Das wird dazu führen, das unter irgend einem Vorwand, Obama weiter macht.
    Interessanterweise würde sich das auch mit den seherischen Aussagen von Wanda und Irlmeier decken.

  3. In der letzte halbe Stunde entnam man Trump mindestens 10x das Wort. Bei Clinton nicht einmal. Das viel mich auf !

  4. Oh je, 2 Schauspieler kämpfen um den Regierungsoscar! Mag sein, daß sie beeindruckend sind in ihrer schauspielerischen Leistung, doch andere führen Regie. Das ist mein Eindruck. Die BRD muß springen, hopp, hopp, wie die Besatzer wollen. Ob Clinton (ist sie es wirklich?) oder Trump ist eigentlich egal.

    • Clinton, ist sie es wirklich – ? Das frage ich mich inzwischen auch. Im ersten TV-Auftritt wirkte sie auf mich wie eine Frau, die nur aussieht wie Hillary C., aber ebenso viele Ähnlichkeit mit einem schauspielernden Zirkusdompteur im roten Clownskostüm hat. Die Frau am Ground Zero war „gefühlt“ eine andere. Friedhofsblässe, pergamentartiges Gesicht, kurz vor dem Kollaps.
      Der Gedanke geht mir nicht aus dem Kopf, dass die Echte irgendwo in einem Sauerstoffzelt liegt und von einer surrealen Machtmaschine fremdbeatmet wird. – Bizarr.

      • Waltraud Fornwagner am

        Mir ist trotz aller (FPÖ-ähnliche Methoden, der man ins Wort fällt unterbricht, hinhackt provoziert, schlecht macht, als hetzerisch bezeichnet ) Trump auf unterer Seite lieber als die schleimige Lady oben bei ihrer Farce. Entschuldigt meine etwas vulgäre Ausdrucksweise.
        Aber die meisten Leute haben die Scheuklappen wie Vorhänge am Kopf und lassen sich alles vorgaukeln.
        Da gibt es für diese breite Masse das Sprichwort: Denken ist die schwierigste Arbeit der Menschheit, deshalb beschäftigen sich die wenigsten damit.

  5. Man will den Trump weg haben. Das ist in der jetzigen Situation ein sicheres Zeichen dafür, dass man bei dem richtig liegt.

    Denn wenn man bedenkt, was diese Schreiberlinge sonst für antidemokratische Tendenzen zeigen, dann kann man (jetzt noch) alles was die wollen, nicht sollen und alles was die ablehnen, das kann man nur wollen.

  6. Volker Spielmann am

    Betriebliche Mitbestimmung gibt es bei den nordamerikanischen Wilden nicht

    Durch das alberne Getue der hiesigen Lizenzpresse, im Volksmund auch liebevoll Lügenpresse genannt, legen viele den Wahlen bei den nordamerikanischen Wilden eine falsche Wichtigkeit bei. So mancher glaubt sogar, daß dabei unter Umständen über Krieg und Frieden entschieden werden könnte. Dabei dürfen die Indianer in den VSA lediglich den Pressesprecher ihres Privatbankenkartells wählen und dieser verkündet dann lediglich, was im Offenmarktausschuss beschlossen wurde, wo unter anderem über Krieg und Frieden – streng nach Grundsätzen der Gewinnsteigerung – entschieden wird. Das Ganze ist Teil jener liberalen Komödie, die die Häuptlinge in den VSA ihren Indianern nun einmal vorspielen müssen, damit diese nicht wieder das Spinnen anfangen und sich weigern ohne Urlaubsvertretung Steuern zu bezahlen oder behaupten, daß sie unveräußerliche Rechte besitzen würden. Oder glaub jemand wirklich, daß man in den VSA z. B. Busch Junior tatsächlich die Verfügungsgewalt über die Atomwaffen geben würde?

    Im Übrigen bin ich dafür, daß der Euro zerstört werden muß!

  7. Wähl oder Stirb,

    Kotstulle gegen Rieseneinlauf.

    Hauptsache Showbusiness, was für ein Wahnsinn.

  8. Ob Trump eine gute Wahl ist, kann man außen vor lassen, aber sicher nicht schlechter wie Clinton, es kommt wohl nur auf die Sichtweise an.
    Wofür man Trump allerdings vorher schlecht gemacht hat, macht Clinton jetzt nach Frauenart nach und
    schon allein, weil sie von den Medien "gehyped" wird, müsste Trump gewinnen.

  9. Trump mischt den Schuppen in Amerika und Europa schön auf….

    Einmal Clinton im Weißen Haus ist genug….

    Schade nur, daß in der Fernsehdebatte die Geliebte von Papa Bill Clinton , Monica Lewinsky, nicht im Zuschauerraum anwesend war.

    Details über ihre gemeinsame sexuelle Beziehung mit Bill , etwa Oral-Sex als Praktikantin, hätten die Einschaltquoten bei diesem TV-Duell in die Höhe schnellen lassen…

    Aber die TV-Sender in USA haben eben keinen Bildungsauftrag zu erfüllen, wie die bundesdeutschen

    GEZ-ARD-ZDF-WDR-NDR-Senderanstalten (gleichgeschaltet)….

    • Der dicke Dieter am

      Jedenfalls sollte man im Falle von Clintons Wahlsieg alle etwaigen männlichen Praktikanten aus dem weißen Haus nehmen.

      Denn Monika Lewinsky´s Ruf ist über ihre Lebzeit hinaus leicht versaut. Und sie geht nicht etwa wegen Zigarrenrauchen in die Geschichtsbücher ein.

  10. DerSchnitter_Maxx am

    Dank der, weltweiten, arroganten, aggressiven, kriegstreibenden, Politik der USA – U nglaubwürdig
    S chädlich A rrogant – haben wir hier in Europa mit diesen exorbitanten Flüchlingsströmen zu kämpfen !!! Dankes-SMS bitte an: The White House … Killary, Obomber … oder sonstwem der da Handpuppen-Präsident ist/wird !

    Die agieren in einer Art und Weise, welches "unsere Vorstellungskraft sprengt" – Diese Schurken-Brut … spielt (immer) alle gegeneinander aus … damals wie heute. Die haben für alles ein ThinkTank-Drehbuch (à la Hollyschrot) und gestalten damit, dass gewollte Scripted-Reality-Szenario, welches dann ihren Vorstellungen entsprechend initiiert/umgesetzt wird – und die Welt dann akzeptieren und fressen soll …! Die Welt hat sich … dank der USA (U nglaubwürdig S chädlich A rrogant), nebst Anhang und der Koalition der Willigen, in ein schizophrenes, paranoides, Permanent-Schlachtfeld verwandelt – "Bravo" ! Bündnisse und Koalitionen … müssten Weltweit verboten und unter Strafe gestellt werden. (Immer) Wenn die Menschheit erwacht und nicht mehr reinfällt auf jeden, inszenierten und initiierten Konflikt/Bluff … treiben "sie" die Welt (auf’s Neue) in eine, gnadenlose, tödliche, Schlacht – Das ist die "Ultima Ratio Regum" … der allerletzte Strohhalm … ihrer (bröckelnden) Macht ! Und so wird, nach und nach, stets, ein Hebel mehr von den ThinkTanks im Autrag der "Brut" umgelegt … um so … dass erdachte und gewünschte Szenario zu initiieren und/oder fortzuführen !

    >>Ultima ratio regum (lat.), "das letzte (Beweis-) Mittel der Könige", d. h. die Kanonen, ein gewöhnlich auf Ludwig XIV. zurückgeführter Ausspruch, findet sich im 1. Akt von Calderons Schauspiel "In diesem Leben ist alles wahr und alles Lüge." (retrobibliothek.de)<<

    Diese US-(Faschismus-)"Demokratie" ist ein Alptraum !!!

    Die ganze Welt hat die USA satt – https://www.youtube.com/watch?v=v27bMXYZvmU

    Free Germany … Free the German People …

  11. wolfgang eggert am

    die umfragen sind verwirrend weit auseinander. cnn spricht von einem erdrutschsieg für clinton während der daily mail heute schreibt dass die meisten anderen befragungen das ergebnis geradewegs umgekehrt haben. dass "unsere" systemmedien, die "naturgemäss" trump ablehnen, ins cnn-horn blasen ist keine überraschung, aber vernachlässigungswert. jetzt steh ich vor einem rätsel weil ich´s selbst nicht gesehen habe. es wäre gut einen zuschauer zu hören, der unpolitisch ist oder keinem der beiden lager zuneigt, was er oder sie nun vom gestrigen abend hält. wie die kandidaten bei ihm/ihr angekommen sind. könnte compact da bitte nochmal wen aus dem ärmel ziehen, für eine zweite nachbearbeitung? wir sind hier zu recht im trump-lager, aber lasst uns mal kurz "drüber" stehen.

    • "die umfragen sind verwirrend weit auseinander. cnn spricht von einem erdrutschsieg für clinton während der daily mail heute schreibt dass die meisten anderen befragungen das ergebnis geradewegs umgekehrt haben."

      die daily mail spricht von online-unfragen, wie drudge und breitbart, wo jeder so oft teilnehmen konnte wie er wolte. trump hat die ergebnisse heute morgen retweetet. die sind aber nicht ernstzunehmen. die cnn-umfrage ist dagegen solide fundiert. da wurden leute repräsentativ ausgewählt und angerufen. die focus group des unverdächtigen (weil trump-anhänger) frank luntz hat auf cbs ein eindeutiges bild ergeben: hillary gewann. die meisten pundits in den us-medien sagen, hillary habe einen punktsieg eingefahren, ein knock-out-punch war es aber nicht – was trump als erfolg verbuchen kann. more to come. jetzt tritt erst mal tim kaine gegen mike pence an. vorteil kaine, der in fließendem spanisch einiges sagen wird. das wird hillary in florida und nevada helfen.

    • heidi heidegger am

      nun, das quasi fünfte ass aus dem ärmel kann hier, wie eigentlich immer wenn’s eng wird, nur ditt Majo sein. qualifizieren tut ihn foljendett: abonnent mit niedriger gerader feldpostnummer, treuer -naja- familienpappa mit schlach bei die weiberzz, bürjermeise äh meister-in-amt und "über" die parteien/der AfD stehend. also dazu hier, watt frischett von die Majo:

      https://www.youtube.com/watch?v=aqT_F0mX4WE

  12. heidi heidegger am

    Tino Perlicks seitenhieb auf Lester Holt hat biß und ist mehr als berechtigt. und was der dt. mainstream zur debatte sendet und druckt, bringt mich dazu, die GEZ noch mehr zu hassen. aber es gibt hoffnung+widerstand. hier, viral in gestalt einer lieblich-nichtkaputttätowierten (zit. n. JE(lol)) drääsdnerin (eh schönste frau-en d. republik usw.). standbild in 2:07 ist süüüüß, gell!?

    https://www.youtube.com/watch?v=gJ9obIdIcG4

  13. heidi heidegger am

    "..Illegale quasi einzubürgern." hah! 1980 klappte das schon nur sehr sehr bedingt mit Fidel Castros LEGALEN *boat people*.

    [ich rekurriere dabei, wie fast immer bei migrationsthemen, auf De Palmas film von ’83. hey!, 2 minuten "doku" am anfang, immerhin.]

  14. Ich glaube nicht, dass diese ´Gespächsrunde´ tatsächlich Auswirkungen auf das Wahlverhalten der Amis hat.

    Der Alltag, die unmittelbare Lebenswelt ist es, die heutzutage hauptsächlich die Wahlentscheidung bestimmt.

    In Ami-Land und ebenso hier.

    Warten wir also das Wahlergebnis ab.

    Im Übrigen sollten sich die etablierten Ärsche mal fragen, was für eine Scheißpolitik der letzten 20 Jahre in der westlichen Welt unter ihrer Verantwortung stattfand, dann erklärt sich auch das massive Aufkommen der neuen und ernstzunehmenden politischen Gegner.

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