In manchen Kulturen und Religionen ist das Fasten fester Bestandteil. In moderner Zeit nimmt das Fasten zunehmend andere Bedeutungen an. Allen Arten des Fastens ist gleich: man übt Enthaltsamkeit. Das kann auch die zeitweise Abstinenz von Alltäglichem sein. Immer beliebter wird der Verzicht auf elektronische Medien. Wenn auch nicht lange durchzuhalten.

    Geht man von den Ursprüngen des Wortes „fasten“ aus, so erschließt sich in erweitertem Sinne das Fasten als ein Festhalten an – den Geboten – der Enthaltsamkeit. Für eine gewisse Zeit übt man also einen Verzicht. Das können verschiedene Dinge sein. Beim klassischen Fasten bezog sich die Enthaltsamkeit auf Nahrungsmittel sowie auf den Verzicht auf Alkohol und andere Genussmittel oder auch auf Sex. Das konnte zu bestimmten Jahreszeiten geschehen, kollektiv oder individuell. Kulturhistorisch überwiegen Fastenzeiten zu bestimmten Terminen, wo sie neben religiösen Aspekten auch als medizinisch nützlich angesehen wurden.

    In neuerer Zeit bedeutet Fasten auch das Aussetzen liebgewordener Gewohnheiten. Ob es um die Nutzung elektronischer Medien geht oder den Verzicht aufs tägliche Autofahren. Viele Formen sind möglich. In unserem Kulturkreis, der christlich und vorchristlich geprägt ist, beging man früher in der Regel alljährlich zwei Fastenzeiten. Zum einen in der Adventszeit und zum anderen in der großen Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern. Hier ist von der vierzigtägigen Fastenzeit die Rede. Wer nachrechnet, wird feststellen, dass es eigentlich 46 Tage sind. Gibt uns aber den Hinweis darauf, dass wöchentlich an einem Tag mit dem Fasten ausgesetzt werden sollte. Da der Sonntag in der christlichen Mythologie eine besondere Rolle spielte, durfte an diesem Tage ausgiebig gefeiert und mit dem Fasten gebrochen werden. Ausgiebig feiern meint hier jedoch dem eigenen Gott huldigen. Lobpreiset den Herrn!

    Begibt man sich auf die Suche nach vorchristlichen Riten, die die Enthaltsamkeit über einen gewissen Zeitraum, in unseren Gegenden, in unserem Kulturkreis forderten, wird es schwierig. Das kann daran liegen, dass uns Aufzeichnungen aus dieser Zeit fehlen, oder aber auch, da das Christentum auch eine Religion der Eroberung war, dass die Erinnerungen an diese alten Feste weitestgehend getilgt wurden. Das vielfach genannte Fest der Ostara ist jedenfalls nur unzureichend belegt. Für unsere Zwecke ist dies auch nicht wichtig. Folgt man dem Jahreskreis, so liegt die österliche Fastenzeit im Frühling. Das ist genau jene Jahreszeit, wo einerseits die Natur wieder erwacht und andererseits die Vorräte an Nahrungsmitteln zur Neige gingen bzw. nur noch länger haltbare Speisen übrig geblieben waren.

    Stärker scheint mir jedoch die Freude darüber zu sein, dass endlich die kalte dunkle Jahreszeit durch die kräftiger werdende Sonne vertrieben wurde. Wenn das kein Grund zum Feiern ist? Die durch häufig wechselnde Wetter frisch erstrahlende Natur wirkt gereinigt und erschafft sich jedes Frühjahr neu. Der Kreislauf kann beginnen. Warum auch nicht bei uns Menschen? Altes hinter sich lassen. Wie nach einem erfrischenden Bade soll es nach der Fastenzeit mit uns selbst sein. Wir fühlen uns gereinigt und gestärkt. Haben diese Zeit der Enthaltsamkeit genutzt, unsere Wahrnehmung zu fördern und unsere Willenskraft erprobt und gestärkt. Schlussendlich können wir stolz darauf sein, unser Fasten durchgehalten zu haben.

    Warum 40 Tage oder fast sieben Wochen fasten?

    Die verschiedenen Religionen haben die Zahl 40 fest implementiert. Wundersamer Weise passen 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Gründonnerstag. Das aber nur am Rande. Eine Erklärung findet sich, dass bestimmte physiologische Veränderungen in unserem Körper so lange brauchen, um Erfolge zu zeitigen. Erst nach mehreren Wochen sind Prozesse so weit abgeschlossen und umgebaut. Jeder, der irgendein regelmäßiges Training beginnt, wird diese Erfahrung bereits gemacht haben. Training – bedeutet regelmäßig und über einen längeren Zeitraum hinweg. Bis man sich daran gewöhnt hat. Das ist im Übrigen der zweite Aspekt: bestimmte Umstellungen sollen die Fastenzeit möglichst überdauern.

    Der Frühling ist nachwievor das Symbol des Lebens und des Neubeginns. Die Tage werden länger und „lichtvoller“ und die ersten, zarten Regungen in der Natur sichtbar. Erwacht der Frühling, erwachen auch wir und spüren die Kraft des Frühlings in uns. Fasten als bewusster Verzicht ist ein Stück Seelsorge für sich selbst: eine Zeit, sich von irdischen Abhängigkeiten freizumachen und den Blick für das Wesentliche zu schärfen. Sieben Wochen lang soll nicht nur auf etwas verzichtet, sondern der Alltag hinterfragt werden. Neue Perspektiven einzunehmen und neue Wege zu beschreiten.

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    Formen des Fastens
    Neben dem Fasten aus religiösen Gründen war es auch schon immer ein Ziel, sich gesund zu erhalten, sich zu „reinigen“. Mit manchen Formen des Fastens kann man tatsächlich auch Krankheiten heilen. Der Arzt Dr. Buchinger machte diese Erfahrungen als er im Selbstversuch sich von seinen Rheumaschmerzen befreite. Er begründete damit das Heilfasten nach Buchinger. Weitere Formen des Fastens sind etwa Saftfasten, Basenfasten oder auch das Intervallfasten.

    Während die meisten Formen des Heilfastens über mehrere Tage oder Wochen andauern und eine gewisse Vorbereitungszeit benötigen, lässt sich das Intervallfasten auch gut in den Wochenablauf einbauen. Schon nach 16 Stunden beginnen die „Staubsauger“ in unseren Zellen, die Mitochondrien mit dem Reinigen der Zelle, bauen so Abfallstoffe in den Zellen ab, beseitigen Trümmer. 16 Stunden kann jeder. Dies regelmäßig in den Wochenablauf ein- bis zweimal eingebaut und schon ist ein guter Anfang gemacht.

    Was passiert beim Fasten im Körper?
    Beim Fasten verwertet der Körper zunächst Zucker als Energielieferant. Er stammt aus Leber und Muskeln, wo er in seiner Speicherform Glykogen vorliegt. Diese Reserven sind nach 24 Stunden aufgebraucht. Weil die inneren Organe und das Gehirn aber nach Energie verlangen, holt sich der Körper diese aus anderen Vorräten. Eben nicht nur aus unliebsamen Fettpolstern.

    Der Körper baut auch Eiweiß aus Muskeln und Organen ab
    „Alle Organe büßen beim Fasten etwas an Größe ein“, so Prof. Hauner, Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin an der TU München. Wer lange und extrem fastet, riskiere sogar einen gefährlichen Abbau des Herzmuskels. Wenn der Körper beim Fasten in den „Notbetrieb“ schaltet, verbraucht er weniger Energie. Die Verdauung wird lahmgelegt, das Herz schlägt langsamer und der Blutdruck sinkt. Darum haben Fastende manchmal Kreislaufprobleme. Wenn die Muskeln schrumpfen, sinkt zudem der Energiebedarf. Der Grundumsatz sinkt. Um einem etwaigen Abbau von Muskelmasse zuvor zu kommen, ist daher verstärkte Bewegung bzw. sportliche Aktivität gerade während des Fastens angezeigt.

    Nur unser Gehirn muss beim Fasten nicht hungern
    Das lässt sich mit unserem evolutionären Erbe erklären. Hunger würde beim Jagen in der freien Wildbahn den Geist träge machen, die Chancen auf Beute wären gering. Aber auch hier hat die Evolution eine Lösung hervorgebracht: Wenn kein Zucker zugeführt wird, stellt unser Gehirn auf einen anderen Treibstoff um, auf sogenannte Ketonkörper, die beim Abbau von Fettsäuren in der Leber entstehen. Ein guter Lieferant für Ketonkörper ist übrigens auch Kokosöl. Sie führen auch zu dem fiesen Mundgeruch nach Azeton, den viele Fastende kennen. Führt man ihm im Übrigen die richtigen Vitamine und auch geeignete Mineralstoffe wie Magnesium zu, wird der Prozess der Ketose wirkungsvoll unterstützt. So legen Studien nahe, dass viel Magnesium dem Gehirn viel Gutes tut. So eine Studie des Hirnforschers Slutsky vom MIT in Boston. Die Wissenschaftler verabreichten Ratten verschiedener Altersstufen regelmäßig zusätzliches Magnesium. Schon nach zwölf Tagen schnitten die Tiere in Lerntests und Gedächtnisübungen deutlich besser ab als eine Kontrollgruppe von Ratten, die einen normalen Magnesiumspiegel im Körper hatte.

    Umstellung ist Stress für den Körper
    Fastende fühlen sich am Anfang oft unwohl, sind nervös oder sogar aggressiv. Diese Umstellung bedeutet Stress. Wer sich schon im Dauerstress befindet, sollte keineswegs noch eins „Drauf“ setzen. Verzicht aufs Essen sollte freiwillig erfolgen. Denn dann verschwinden diese Gefühle meist schnell.
    Erzwungener Verzicht hingegen führt zu Dauerstress. Er setzt eine hormonelle Kettenreaktion in Gang, bei der viel Cortisol gebildet wird. Das Hormon hält den Stresspegel hoch, denn der Hungernde soll handeln, ehe seine Kräfte schwinden. Jedoch ist ein hoher Cortisol-Spiegel gefährlich und verhindert sogar das Abnehmen! Der natürliche Gegenspieler ist wiederum das Magnesium. Wer also fastet, kann mit Magnesium dem dabei entstehenden Stress wirksam entgegenwirken!

    Unterstützung mit Vitaminen und Mineralstoffen
    Wer freiwillig und maßvoll fastet, bei dem stellt sich kurze Zeit später gute Laune ein. Woher diese kommt, hat der Göttinger Neurobiologe Prof. Gerald Hüther an Experimenten mit Ratten herausgefunden: Beim Fasten wird im Gehirn mehr vom Stimmungsaufheller Serotonin gebildet. Serotonin spielt beispielsweise eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Appetit und Körpertemperatur. Schafft man es also, den Serotoninspiegel zu erhöhen, kann dies zu einem gesünderen Essverhalten, zum Verschwinden von Heißhungerattacken und ggf. zu einer langersehnten Gewichtsabnahme führen. Da Serotonin die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren kann, muss sich das Gehirn sein Serotonin selbst herstellen. Dazu braucht unser Gehirn Baustoffe wie Tryptophan, Vitamin B3, B6, Magnesium und Zink. Gerade während der Fastenzeit ist also eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen wichtig und unterstützen das Fasten sehr wirkungsvoll.

    Wer darf fasten und wer sollte lieber verzichten?
    „Prinzipiell kann jeder gesunde Erwachsene fasten“, sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Trotzdem gibt es Risikogruppen, die beim Fasten aufpassen sollten. Experten warnen etwa Schwangere vor dem Basenfasten. Die aus dem Fettgewebe freigesetzten Giftstoffe könnten auf den Fötus übergehen. Auch Menschen, die unter Depressionen leiden, sollten besser auf’s Fasten verzichten. Generell warnt die DGE alle Menschen mit ernsten Erkrankungen vor einer Fastenkur.

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    Risiken des Fastens und Alternativen
    Es gibt immer mehr Belege dafür, dass der Körper auf den Entzug von Eiweißen – und beim Saftfasten gibt es nichts außer superdünner Gemüsebrühe – mit Muskelabbau reagiert. Eiweiß ist ein wichtiger Lieferant von Aminosäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Werden ihm diese Bausteine vorenthalten, holt er sie sich dort, wo sie vorhanden sind: aus den Muskeln. Wird, wie bei vielen geführten Fastenkuren üblich, intensiv Sport getrieben, steigert das den Effekt des Muskelabbaus noch. Dagegen wenn man beim Fasten auf zusätzliche Eiweißzufuhr achtet, unterbleibt der Muskelabbau.

    Eine Alternative zum klassischen Fasten ist das sogenannte Intervallfasten. Dieses nutzen z. B. viele Leistungssportler als Bestandteil ihrer Wettkampfvorbereitung – hier verzichten sie für kurze Zeit komplett auf bestimmte Lebensmittel.

    Wie beim klassischen Fasten in der Osterzeit, sollte bei längerem Fasten ein Tag pro Woche damit ausgesetzt werden. Das empfehlen auch Ernährungswissenschaftler, um immer wieder zu einer ausgewogenen, gesunden Ernährung zurückzukehren.

    Effekte des Fastens
    Wer sich der Illusion hingibt, mit einer Woche eiserner Disziplin beim Heilfasten die Figurprobleme für den Rest des Jahres zu lösen, hängt Wunschträumen nach. Langfristig schlank wird man nach dem totalen Nahrungsverzicht nur, wenn man dann auch seinen Lebensstil konsequent anpasst. Und dazu bedarf es oft mehrerer Wochen an Umstellung, Disziplin und Durchhaltevermögen. Sieben Wochen könnten gerade gut genug sein.

    Fasten macht schlau
    Forscher aus Utah haben in klinischen Studien festgestellt, dass regelmäßiges Fasten das Gehirn robuster machen kann. Die Amerikaner bemerkten, dass eine reduzierte Kalorienzufuhr eine Verbesserung der Resistenz der Nervenzellen im Gehirn bewirkt. Dadurch könnten degenerative Erkrankungen, wie Alzheimer, verzögert oder sogar verhindert werden. Das periodische Heilfasten, bei dem komplett auf die Aufnahme von fester Nahrung verzichtet wird, wirkt also auf das Gehirn wie ein Abhärtungstraining.

    Fasten hält jung
    Die Forscher fanden außerdem heraus, dass Fasten die Aktivität unserer Gene beeinflusst. In der Zeit des künstlich herbeigeführten Nahrungsmangels werden im Körper vermehrt Sirtuine ausgeschüttet. Diese Botenstoffe verzögern das Älterwerden, indem sie einen Mechanismus anregen, der die einzelnen Körperzellen jung hält.
    Wichtig: Diese beiden positiven Effekte setzen nur beim Heilfasten ein, also beim völligen Verzicht auf feste Nahrung. Das populäre „7-Wochen-ohne-Fasten“, bei dem nur auf bestimmte Nahrungsmittel verzichtet wird, reicht dafür nicht.

    Fasten schützt das Herz
    Eine Studie des American College of Cardiology in New Orleans belegt, dass sich kurzzeitiger Verzicht auf Nahrung positiv auf Herzrisikofaktoren wie Blutzucker und Übergewicht auswirkt. Für ihre Studie ließ das Team um den wissenschaftlichen Leiter Benjamin D. Horne vom „Intermountain Medical Center Heart Institute“ rund 200 Probanden insgesamt 24 Stunden lang fasten. Die Studienteilnehmer durften während dieses Zeitraums lediglich Wasser trinken. Das Fastentag-Resultat: Der Wert des Wachstumshormons HGH stieg signifikant an, bei den teilnehmenden Frauen um grandiose 1.300 Prozent, bei den Männern sogar um das nahezu 20fache. Das Hormon HGH („Human Growth Hormone“) reduziert den Forschern zufolge den Abbau von Muskelmasse im Körper und stärkt und stabilisiert den Stoffwechsel. Während des Schlafens wird in der Regel am meisten HGH produziert.

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    Fasten fördert den Abbau von Fettzellen
    Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass sich nach dem Fastentag die Werte der Blutfette aufgrund der kurzen Fastenkur erhöht hatten – und zwar sowohl die Anteile des guten HDL-Cholesterins („High Density Lipoprotein“) als auch die des schlechten LDLs („Low Density Lipoprotein“). „Dem Körper wird ermöglicht, sein Fett zur Energiegewinnung heranzuziehen anstelle von Blutzucker“, so Wissenschaftler Horne. Das Fasten würde somit den Abbau von Fettzellen im Körper fördern und damit Übergewicht und seine gesundheitsschädlichen Auswirkungen reduzieren. Ein Fastentag ab und zu scheint demnach eine gute Sache zu sein. Wenn man das Intervallfasten auf mind. 20 h ausdehnt, werden diese Effekte sichtbar.

    Zusammenfassung
    Heute verbinden viele Menschen mit der Fastenzeit vor allem eine Gewichtsreduktion. Aber egal ob durch Heilfasten, Diät, Fernsehverzicht oder Rückzug aus dem gewohnten Freundeskreis – 40 Tage für uns selbst, das ist die beste Form der seit Jahrtausenden von Menschen gepflegten Fastenzeit. Aber auch das eigene Durchhaltevermögen auszutesten ist für viele ein Anreiz. Der Experte weiß: „Wenn es mein eigener Wunsch ist, steigen die Chancen zum Durchhalten. Bei einem Erfolg kann die erlebte Selbstwirksamkeit auch auf andere Lebensbereiche übertragen werden.“

    Das ist doch ein Ansporn! Oder?

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