False-Flag-Krieg in Syrien: Die islamische Karte

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Der Islamismus ist das Ass im Ärmel westlicher Geostrategen und Kriegsprofiteure. Sie züchten ihn seit Jahrzehnten, mal offen, mal verdeckt, um ihn als Instrument für die eigenen Pläne einzusetzen. Arabische Staaten sollen destabilisiert, säkulare Kräfte geschwächt, Ressourcenkriege drüben und Totalüberwachung Zuhause legitimiert werden. Die aktuelle Kooperation mit Dschihadisten in Syrien zeigt dieses Muster erneut.

Dieser Artikel erschien zuerst in der COMPACT-Spezialausgabe Nr. 10 Islam – Gefahr für Europa. Hier bestellen

Als US-Präsident George W. Bush neun Tage nach dem 11. September 2001 ans Mikrofon tritt, um den globalen «Krieg gegen den Terror» auszurufen, ahnt die Menschheit noch nicht, welch grausame Konsequenzen seine Worte für die Zukunft haben würden. Heute, 15 Jahre später, liegen die Dinge anders: 9/11 – das «neue Pearl Harbor» (Bush) – schlug im ewigen Teile- und Herrsche-Spiel des angloamerikanischen Imperiums ein neues blutiges Kapitel auf. Nachdem der Erzrivale im Osten mit dem Ende des Kalten Krieges 1990 zusammen- gebrochen war, galt ab sofort der politische Islam als neue Bedrohung. Der erklärte Krieg gegen die sogenannte «Achse des Bösen» brachte seither unendliches Leid, Millionen Tote, unvorstellbares Chaos und ebenso unvorstellbaren Profit – sicherer oder gar friedlicher ist die Welt nicht geworden, ganz im Gegenteil.

Spezial Islam

Bush Junior versprach damals jedoch nicht nur Krieg bis zum Sieg, er nutzte den Moment auch, um erneut zu verschleiern, dass allein die unheilige Allianz des Westens mit den finstersten Ausgeburten des Islamismus dem nun beginnenden Konflikt den Boden bereitet hatte. Die Muslimbruderschaft, Khomeinis Ajatollah-Regime, Saudia Arabiens orthodoxe Wahhabiten, Afghanistans Mudschaheddin, Osama bin Ladens al-Qaida, al-Baghdadis Islamischer Staat – sie alle wurden aus strategischen Gründen umarmt und gefördert, um sie entweder als Verbündete im Kampf gegen die Sowjetunion oder gegen jene säkularen Kräfte des Orients einzusetzen, die dem Einfluss und den kommerziellen Interessen des Westens gefährlich werden konnten – etwa Gamal Abdel Nasser in Ägypten, Mohammed Mossadegh im Iran und Baschar al-Assad in Syrien. Daraus folgte immer wieder das Déjà-vue der US-Außenpolitik: Die Feinde von  heute sind die Freunde von gestern.

Die Feinde der Freiheit

Nach den Anschlägen von 2001 rief die neokonservative Bush-Administration den globalen Krieg gegen die «ansteckendste Sorte eines Virus» aus, «zu dessen Erschaffung die Vereinigten Staaten selbst beigetragen hatten», wie Robert Dreyfuss in seinem 2006 erstveröffentlichten Buch Devils Game treffend formuliert. Gemeint war al-Qaida, ein Produkt der US-Geheimdienste.

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Selbst die Israelis züchteten «den Islam als Gegengewicht zum palästinensischen Nationalismus», wie CIA-Analytikerin Martha Kessler bei Dreyfuss erklärt, und förderten damit den Hamas-Terrorismus, der bis heute als größte Bedrohung des jüdischen Staates gilt. Diese geopolitische Dialektik sollte die angloamerikanisch- zionistische Interessenpolitik auch im 21. Jahrhundert charakterisieren.

Die Angreifer vom 11.9.2001, so heuchelte Bush Junior in seiner Kriegserklärung weiter, hassten «unsere Freiheiten», «unsere Religionsfreiheit (…) und die Freiheit, kontroverse Meinungen zu vertreten». Es war jedoch nicht der Terror, der der Freiheit in den USA ein Ende setzte, sondern das als Patriot Act bezeichnete Ermächtigungsgesetz, welches Bush danach unterschrieb und das den US-Präsidenten (bis heute) mit diktatorischen Vollmachten ausstattet. Die Mär vom Kampf Gut gegen Böse wird seither durch Staatsführer weltweit immer wieder in die Köpfe der sogenannten westlichen Wertegemeinschaft gehämmert, etwa nach den Anschlägen in Madrid, London, Istanbul, Paris und Brüssel, die alle ohne aktive Unterstützung (oder Unterlassung) staatlicher Sicherheitsapparate undenkbar gewesen wären. Immer waren die Täter längst aktenkundig oder standen unter Überwachung, oft besorgten die Dienste ihnen Waffen oder Sprengstoff und hielten ihre schützende Hand über sie.

Das Gleichnis vom Kampf der christlichen Zivilisation gegen die islamischen Barbaren ist die wohl nachhaltigste Lebenslüge des westlichen Systems. Nicht Menschenrechte, sondern Schürfrechte waren immer Amerikas außenpolitischer Hauptantrieb. Dreyfuss zufolge kapierten die US-Strategen schon zu Zeiten des Kalten Krieges, dass die Verteidigung Westeuropas ohne einen «Plan zur Kontrolle der Golfregion nicht denkbar war». Hier kamen die Dschihadisten ins Spiel, die sich von westlichen Globalstrategen immer wieder bereitwillig für diese Zwecke einspannen ließen. Keinen Zweifel ließ Bush in seiner Rede aufkommen, dass sich die Welt «nicht auf eine Schlacht, sondern auf einen lang andauernden Feldzug» einstellen müsse, wie sie ihn bislang noch nicht erlebt habe. Weiter nahm er Amerikas Verbündete in die Pflicht: «Dies ist nicht nur ein Kampf Amerikas. (…) Es ist der Kampf aller, die an Fortschritt und Pluralismus, Toleranz und Freiheit glauben.»

Die Geister, die sie riefen

Der 11. September 2001 schlug ein neues Kapitel im Plan der Washingtoner Kriegstreiber auf, doch wo begann die Geschichte des gezüchteten Islamismus? 1916, als Briten und Franzosen im sogenannten Sykes-Picot Abkommen die Gebiete des ehemaligen Osmanischen Reiches in kolonialherrlicher Manier unter sich aufteilten? 1917, als  der Brite Arthur Lord Balfour das Heilige Land Palästina mit Unterstützung der Bankiersfamilie Rothschild zur «Heimstätte für die Juden» erklärte und dadurch das jüdische Finanzkapital zur Unterstützung der Alliierten im Ersten Weltkrieg bewegte? 1920, als der Völkerbund die Herrschaft über den Nahen Osten übernahm und die Hoffnung auf nationale Unabhängigkeit der arabischen Völker im Keim erstickte? 1928, als mit finanzieller Hilfe der Briten und der Unterstützung des MI6 ein junger islamischer Gelehrter namens Hassan al Banna die Muslimbruderschaft gründete? 1948, als die Staatsgründung Israels erfolgte und damit ein Satellit westlicher Macht im Orient installiert wurde? 1953, als man den säkularen Ministerpräsidenten des Iran, Mohammad Mossadegh mithilfe von CIA, MI6 und radikaler Islamisten stürzte (Operation Ajax), um den Schah von Persien, Mohammad Reza Pahlavi, an die Macht zubringen? Halfen die westlichen Dienste auch 1979 bei dessen gewaltsamer Ersetzung durch ein Ajatollah-Regime mit? 1979, als der berüchtigte Globalstratege Zbigniew Brzezinski die Operation Cyclone einfädelte, die afghanische Gotteskrieger zum Kampf gegen das Sowjetimperium instrumentalisierte?

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Die Liste westlicher Schandtaten ließe sich beliebig verlängern. Den ebenso sinnlosen wie blutigen (Anti-)Terror Krieg führt die US-hörige Welt mit offenen und verdeckten Mitteln nun seit über 15 Jahren – in Afghanistan, Irak, Pakistan, Libyen, Syrien und überall sonst, wo sich das Phantom des Islamismus zu verstecken droht, sprich: wo geostrategische Interessen des Westens angeblich bedroht sind. Ergebnis: Statt den Terrorismus von der Erdoberfläche zu tilgen, haben sich die Islamisten in einem selbsternannten Kalifat konsolidiert. Viele weitere Terrorgruppen sind durch das geschaffene Vakuum wie Krebsgeschwüre gewachsen, vereint im Hass auf den Westen. Der globale Dschihad erfreut sich rekordverdächtiger Beliebtheit und kann sogar europäische Konvertiten zum Märtyrertod verführen. Wer diese Tatsache aber als Versagen westlicher Geostrategie interpretiert, hat nichts verstanden. Das Wachstum des islamischen Fundamentalismus und das Schüren des gegenseitigen Hasses ist Teil der Strategie, nicht Merkmal ihres Scheiterns.

Das Islamismus-Phantom

Fakt ist, dass der Kampf gegen den Terror eine Art Blankoscheck für westliche Angriffskriege liefert. Zufällig treibt der heimlich unterstützte Erzfeind immer gerade dort sein Unwesen, wo die westlichen Globalstrategen Chaos erzeugen wollen: Als Saddam Hussein im Irak zu gefährlich wurde, schob man ihm zuerst 9/11 in die Schuhe, dann erfand man seine angeblichen Massenvernichtungswaffen; Osama bin Laden – dem ehemaligen CIA-Agenten – unterstellte man ebenfalls, die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon geplant und ausgeführt zu haben, und marschierte kurzerhand in Afghanistan ein, wo die US-Armee interessanterweise den internationalen Opiumhandel zu neuer Blüte brachte, der unter den Taliban fast vollständig gestoppt worden war.

Als dann ab 2011 auch die ehemaligen «Partner» Hosni Mubarak in Ägypten und Muammar al-Gaddafi in Libyen den Einfluss des Westens bedrohten, ließ man sie durch künstliche Protestbewegungen mithilfe der Muslimbruderschaft hinwegfegen. Dasselbe sollte mit dem säkular eingestellten Präsidenten Syriens Baschar al-Assad geschehen, erst durch Giftgas-Lügen, dann mittels Guerilla-Terror. Nur dank russischer Hilfestellung konnte dies bisher verhindert werden.

Heute steht die Welt vor den Trümmern einer Politik, die fremde Völker gegen den Westen aufgebracht, in unseren Ländern aber ebenso zerstörerisch auf die Rechte und Freiheiten des Einzelnen und die Verfassung unserer Nationen gewirkt hat. Der Krieg gegen den Terror war «genau der falsche Weg, mit der Herausforderung des politischen Islam umzugehen», wusste der Autor Dreyfuss bereits 2006, als er warnte, dass «neue al-Qaida- ähnliche Organisationen entstehen könnten», die ihre Geburt alleine dem Hass auf die US-Imperialisten verdankten. Genau das geschah dann auch in Form des IS. Von ihrem gefährlichen Zynismus rücken die US Globalstrategen trotzdem nicht ab – immer noch wird die militärische Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus maßlos übertrieben und propagandistisch inszeniert, während gleichzeitig die demographische und kulturelle Bedrohung, die reale Gefahr für Europas Bürger, kleingeredet wird. Die verdeckte Unterstützung für die blutrünstigen Vollstrecker des Propheten verschweigt man. Wie ließe sich der Wahn des Weltpolizisten besser rechtfertigen als vor der Drohkulisse permanenter Gefahr?

Fanatische Feinde, falsche Freunde

Zu den vielleicht folgenreichsten Lügen im Krieg gegen den Terror gehört, dass sich das aus dem Westen stetig gefütterte Monster des Islamismus – spätestens seit 9/11 – selbstständig gemacht habe und der Kontrolle westlicher Geheimdienste leider „entglitten“, dementsprechend zu einer echten Gefahr für den Weltfrieden geworden sei. Diese These ignoriert alle Fakten, die den Schulterschluss westlicher Agenten und islamistischer Terrorzellen belegen – und sie verwischt mal wieder die Interessen der angloamerikanisch-zionistischen Achse in dieser Weltregion. Allgemein bekannt ist heute, was etwa Jürgen Elsässer in seinem 2008 erschienen Buch Terrorziel Europa – Das gefährliche Doppelspiel der geheimen Dienste herausgearbeitet hat: dass bei allen Anschlägen in Europa «Agenten oder V-Männer von Geheimdiensten eine tragende Rolle» gespielt haben, «kein einziger dieser Morde oder Mordversuche (…) ohne die Hilfe der Staatssicherheit» hätte unternommen werden können. (siehe auch COMPACT Spezial Nr. 5 – Dschihad in Europa)

Obwohl heute alle Welt ahnt, dass die Anschläge vom 11. September ein Inside Job par excellence waren, obwohl das verhängnisvolle Joint Venture von al-Qaida und CIA auch im Mainstream bekannt ist und auch die jüngeren Anschläge in Europa deutliche Zeichen von externer Steuerung aufweisen, versuchen die großen Medien, jede Verantwortung westlicher Schlapphüte zu leugnen. David Shayler, ein ehemaliger Agent des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5, erklärte zu den Anschlägen von Paris im November 2015, dass sie «alle Merkmale einer Gladio-Operation» aufwiesen, wahrscheinlich also durch NATO-Terroristen ausgeführt wurden, nicht durch Islamisten.

Schon im Februar 2012 flog auf, dass die USA in Jordanien ein Trainingslager zur Ausbildung von Rebellen für den syrischen Umsturz unterhielt und einige der dort trainierten Kämpfer später zum IS überliefen. Zum Thema IS ließ der US-General Thomas McInerney im September 2014 die Katze aus dem Sack: «In Syrien haben wir, wie ich glaube, die falschen Leute innerhalb der richtigen Teile der Freien Syrischen Armee unterstützt (…). Wir haben also geholfen, ISIS aufzubauen.» Was bleibt uns anderes übrig, als zu konstatieren, dass das westliche Geheimdienstnetzwerk im Terroruntergrund immer noch die Fäden zieht? Es gilt: Gefährlicher noch als der Feind, der dich angreift, sind falsche Freunde, die dich umarmen.

Das Ziel der Destabilisierung und Balkanisierung arabischer Staaten hängt auch mit dem Anfang der 1980er Jahre veröffentlichten Oded Yinon Plan – dem Projekt eines «Groß-Israel» vom Nil bis zum Euphrat – zusammen, der von Zionisten seit den Tagen Theodor Herzls stetig vorangetrieben wird. Der Autor Oded Yinon ist ein israelischer Journalist, der zeitweilig für das israelische Außenministerium tätig war. Israel Shahak, ehemals Professor an der Hebräischen Universität Jerusalem und bekennender Kritiker des ultraorthodoxen Machtflügels im Heiligen Land, sieht hier vor allem die Hardliner der Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie deren Verbündete in Militär und Geheimdiensten am Werk. Shahak meint, dass sich die Kriege im Irak, im Libanon, in Syrien und im Jemen ebenso wie die Machtergreifung der Muslimbrüder 2012 in Ägypten am besten vor dem Hintergrund dieses Plans begreifen lassen.

Die Zerstückelung des Nahen Ostens wird aber nicht nur von Zionisten, sondern auch von den US-Globalstrategen vorangetrieben. In einem 2006 publizierten Pentagon-Strategiepapier mit dem Titel «Wie ein besserer Mittlerer Osten aussehen würde» spielen die Vereinigten Staaten mit der Idee, die bestehenden Grenzen der dort existierenden Staaten allesamt neu zu ziehen. Dazu braucht es genau jenes Chaos, das vom IS verbreitet wird.

Spezial Islam

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Über den Autor

Marc Dassen

Marc Dassen wurde 1989 in Aachen geboren und hat Anfang 2015 sein Studium der Geschichte und Philosophie mit dem Bachelor-Grad abgeschlossen. Seither arbeitet er als Journalist für COMPACT-Magazin.

 

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