Erdrutschsieg für Modi (BJP) in Indien: Der Gigant erwacht!

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Über drei Jahrzehnte verfolgte Indien den spektakulären ökonomischen Aufstieg des Nachbarn China nur in der Zuschauerrolle mit. Doch seit der frischgebackene Wahlsieger und BJP-Politiker Narendra Modi das Zepter übernommen hat, beginnt der Wind sich zu drehen.

Zwischen dem 11. April und dem 19. Mai dieses Jahres fanden in Indien die größten parlamentarischen Wahlen statt, die es weltweit gibt. 900 Millionen Wahlberechtigte – davon 100 Millionen Erstwähler – stimmten über die Zusammensetzung der Lok Shaba, des in der Hauptstadt Neu-Delhi tagenden Unterhauses, ab. Elf Millionen Beamte waren nötig, um dieses Ereignis der Superlative zu organisieren – und sie waren in den abgelegenen ländlichen Gebieten Indiens teilweise auf Kamelen oder Elefanten unterwegs, damit wirklich jeder registrierte Wähler seine Stimme auch abgeben konnte.

Das mittlerweile vorliegende Ergebnis ist insbesondere in seiner Deutlichkeit eine faustdicke Überraschung. Die Wahl wurde ganz klar durch die rechtskonservative hinduistische Bharatiya Janata Party (BJP) und ihren Spitzenkandidaten, den amtierenden Premierminister Narendra Modi, gewonnen. Die BJP holte 303 der insgesamt 542 Sitze in der Lok Shaba.

Für den sozialistischen Indischen Nationalkongress (INC), der in den ersten Jahrzehnten nach der Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947 die Geschicke des Landes bestimmt hatte, gerieten die diesjährigen Wahlen zum Fiasko. Die einst so einflussreiche Partei konnte gerade noch 52 Sitze im Unterhaus gewinnen.

Eine Wahl von globaler Bedeutung

Mit Blick auf den jetzt abgehaltenen Urnengang in Indien war es wohl selten einmal so berechtigt, eine Wahl als wichtige Richtungsentscheidung auch für den Rest der Welt zu bezeichnen.

Modi hat sein beim Amtsantritt im Jahr 2014 gegebenes Versprechen, Indien in den Kreis der großen globalen Wirtschaftsnationen zu führen, nämlich in durchaus beeindruckender Art und Weise eingelöst. In den letzten fünf Jahren hat Indien vier Mal den großen asiatischen Konkurrenten China beim Wirtschaftswachstum überflügelt und das Land ist die am schnellsten wachsende größere Volkswirtschaft der Welt.

Noch vor dem Ende des laufenden Jahrzehnts könnte die indische Wirtschaft sowohl den ehemaligen Kolonialherrn Großbritannien wie auch Frankreich überflügeln, und auch Deutschland ist man schon ganz dicht auf den Fersen.

Das ist sicherlich das Verdienst Modis, der sich schon dazu bekannte, ein „Thatcherist“ zu sein und der zahlreiche Reformen durchsetzte. So gilt in Indien mittlerweile ein landesweit einheitlicher Mehrwertsteuersatz, während dieser zuvor von Region zu Region variierte. Modis Regierung beseitigte auch zahlreiche bürokratische Hürden, die das Land zuvor regelrecht gelähmt hatten.

Aufstieg zur neuen Supermacht?

In dem von der Weltbank aufgestellten Doing-Business-Index hat Indien in allen relevanten Kategorien in den vergangenen fünf Jahren stark aufgeholt. Vor fünf Jahren lag es zum Regierungsantritt Modis in der Kategorie der bürokratischen Hürden vor einer Unternehmensgründung noch auf Platz 140, mittlerweile konnte es sich auf Platz 70 vorarbeiten.

Noch größer war der Sprung im Bereich der Genehmigung von Baukrediten, hier sprang das Land von Platz 181 auf Platz 52. Beim Zugang zu Krediten liegt Indien sogar auf Platz 22 und ist damit Teil der erweiterten Spitzengruppe. Im vergangenen Jahr führte dies zu einem gewaltigen Wirtschaftswachstum von 7,4 Prozent.

Asien wird immer stärker zum neuen Zentrum der Weltpolitik und der Weltwirtschaft. Die Ära der US-amerikanischen Hegemonie ist vorbei, die Musik spielt nun in Ländern wie China und Indien. Lesen Sie mehr zu diesem Thema in COMPACT-Spezial 16 „USA gegen China – Endkampf um die neue Weltordnung“.

In seinem Artikel „Indien – bald eine Weltmacht?“, stellte Frank Stocker deshalb in der Tageszeitung Die Welt in der Ausgabe vom 26. April 2019 fest:

„Ab 23. Mai wird ausgezählt, und dann ist klar, wie es mit Indien weitergeht ‒ vor allem wirtschaftlich. Denn die Wahl entscheidet darüber, ob die Regierung ihren Kurs der wirtschaftlichen Reformen fortsetzen kann. […] Mittlerweile scheint sogar möglich, dass der Subkontinent es endlich schaffen kann, zu China aufzuschließen. Damit hätte Indien auch das Potenzial auf globaler Ebene einen ähnlichen Einfluss zu gewinnen ‒ neben den USA, Europa und China würde dann ein viertes Kraftzentrum der globalen Wirtschaft entstehen, mit allen Konsequenzen.“

Im Falle eines Wahlsiegs von Oppositionsführer Rahul Gandhi vom Indischen Nationalkongress hätte dieser wohl wieder viele Reformen zurückgedreht. Vor der Wahl hatten Demoskopen noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet, da die BJP zuletzt einige Wahlen in wichtigen indischen Bundesstaaten verloren hatte.

Vom erfolgreichen Landesfürst zum Premierminister

Narendra Modi hatte vom Jahr 2001 bis zum Jahr 2014 in seiner dreizehnjährigen Amtszeit als Ministerpräsident des indischen Bundesstaates Gujarat jedenfalls schon bewiesen, dass er eine Region wirtschaftlich ganz nach vorne bringen kann. Der Bundesstaat ist so etwas wie das Bayern oder Baden-Württemberg Indiens und erwirtschaftet mit fünf Prozent der indischen Bevölkerung etwa 20 Prozent der Exportleistung des Landes, das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt hier zweieinhalbfach höher als im Landesdurchschnitt.

Während der Ära Modi konnte der an der pakistanischen Grenze im äußersten Westen Indiens gelegene Bundesstaat jährliche Wachstumsraten von durchschnittlich mehr als zehn Prozent erwirtschaften. Indien gelänge zweifellos der Aufstieg zur weltwirtschaftlichen Supermacht, wenn es insgesamt über mehr als ein Jahrzehnt hinweg die Entwicklung nimmt, die Gujarat in der Regierungszeit Modis durchlief.

Zuletzt sorgte das Land auch mit spektakulären Technologieprojekten für Aufsehen. Erst im März dieses Jahres schoss Indien erfolgreich mit einer Rakete einen Satelliten in 300 Kilometern Höhe in der Erdumlaufbahn ab. Diese Fähigkeit beherrschen sonst nur Russland, China und die USA, wobei es auch warnende Stimmen gab, die eine zunehmende Militarisierung des Weltraums befürchten.

Unter Modi dürfte Indien nun seinen Weg zur zweiten asiatischen Supermacht neben China fortsetzen.

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14 Kommentare

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    Europa geht gerade runter wie des römische Reich ab dem 3.Jh.. Trotzdem hat sich Byzanz noch bis 1453 (Ende des Mittelalters) gehalten. Über die Kirche hat es tatsächlich das ganze Mittelalter hindurch ja auch noch geherrscht. Aber heute gehen solche Entwicklungen schneller als vor 1000 Jahren.
    Andererseits hat Modi den Fehler gemacht gegen das Bargeld anzugehen. Das wird einige Leute dazu bringen auf Alternativen zu der staatlichen Bankenwirtschaft vorbei auszuweichen.
    Langfristig hat Indien den Vorteil einigermaßen ethnisch homogen zu sein und nicht monotheistisch / dogmatisch geprägt. Das setzt sich langfristig immer durch, es seie denn es wird mit Gewalt "bekehrt"! Dafür gibt es aber inzwischen genug schlechte Beispiele in der Historie sodaß das nicht passieren dürfte.
    In 50 Jahren werden China und Indien die Weltmächte überhaupt sein, als 3. möglicherweise ein südamerikanischer Staat. Europa wird dann ein Großitalien – was die Leute und ihre Fähigkeiten betrifft. Wahrscheinlich gehört es dann zur Umma.

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    @ Michael am 25. Mai 2019 18:03

    Zitat: ,, Viele Köche "…

    Aber zu viel Brei verdirbt auch den Koch!

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    Indien: 900 Millionen Wahlberechtigte wählen 542 Sitze
    Deutschland: 62 Millionen Wahlberechtigte wählen 631 Sitze
    Viele Köche …

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    Modi gehört übrigens zu einer niederen Kaste. Als er von der hochcharmanten Sophie Schewardnadze in RT interviewed wurde,zeigte er sich von deren Liebreiz völlig unbeeindruckt,als wäre er aus Holz,was er wohl auch ist.

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      heidi heidegger am

      hehe, ganz anders unsere Philippa "Stand by your man" Strache: — seine Frau Philippa spendet ihm (HC) jetzt Trost. Zwar sei er "deppat" gewesen, aber auch ein Opfer. Ein "Opferlamm".. — quelle: n-tv

      und: U said *hochcharmant[en]* – das macht dann 35 Schilling ins Forumsschweinderl, weil hochsympathisch u. Ä. ist von mimimir und ich hab da Forumstitelschutz daruf, quasi, heast?! *schmunzel*

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        heidi heidegger am

        35 geteilt durch 7 Schilling = 5 mack =so ziemlich gar nix in euro, hihi..haste wieder Glück gehabt. Grüßle! Du kennst doch meinen Stil: neo-NS-Sprache (aber kühler!), quasi -> voll / hoch /ur(arg usw.) statt *Total End gigantisch ungeheuer* 🙂

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    Wieder Diversion vom Feinsten.Weder ist die Modi-Partei in unserem Sinne "rechtskonservativ" (es sind vielmehr krasse Hindu-Nationalisten,wogegen aus indischer Sicht nichts zu sagen ist) noch war die Congess-Partei oder Indien jemals "sozialistisch",der Begriff ist gradezu ein Witz angesichts der Verteilung des Volksvermögens in Indien.

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    Irgendwehr am

    Das soll die Trottel in Berlin nicht davon abhalten, sich zu "Holi" mit Farbbeuteln zu bewerfen. So lange der Stoff dort billig ist, und der Yogi ’nen Langen hat, ist doch alles supi.

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    Indien wird noch 50 Jahre brauchen um auf das Level Chinas zu kommen. Alleine schon durch die nicht vorhandene Infrastruktur. Wer das anders sieht war noch nicht dort. Moeglicherweise der Herr Stocker auch nicht. Deshalb empfehle ich ihm diese Eingabe in eine Suchmaschine: "Indien wird von der FED finanziert". Da hoert die Traeumerei schnell auf. Ein Artikel mit einem Zitat aus der "Welt" zu einem momentan so unwichtigen Thema, zu einer Zeit, in der es um Alles oder Nichts fuer die Deutschen geht, halte ich fuer sonderbar. Aber sorry,-Prioritaten setzt ihr.

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      Hereinspaziert!!! am

      Ich bin viel in Indien, meist auf dem Land. Die Leute lieben Modi. Er ist eine Vaterfigur, ein Führer. Er führt Indien zu einer nie dagewesenen Größe in der Welt und alle sind überaus patriotisch. Ich kann objektiv nicht ausmachen, was Modi fùr die einfachen Leute getan hat. Internet, Straßenbau und Elektrifizierung mögen Gewicht haben,aber ob das sein Verdienst ist ? Kindlich naiv und gutgläubig wie viele Inder nun einmal sind, glauben die auch alles was in den Nachrichten läuft. Das ist amüsant und erschreckend zugleich. Daß er die Heiligen Orte und Flüsse nicht dem Verfall und weiterer Verseuchung preisgeben will, ehrt ihn aber eines ist klar. Wenn Indien so weiter macht wie jetzt, wird es bald das größte Dreckloch der Welt sein. Klimaweltrettungswahn in Deutschland. Zum Lachen das Ganze. Was ich anderseits gut finde, ist die fast vollkommene Abwesenheit des Staates. Hier macht man einfach wie man will. Nix Genehmigungen und Bürokratie. Fehlverhalten wird durch die Dorfgemeinschaft sanktioniert. So wenig Staat wie möglich aber auch soviel wie nötig. Das wäre mein Wunsch auch hier. Aber ob es möglich ist? Keine Ahnung?

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        Hereinspaziert!!! am

        Ach ja, hier sind Männer noch Männer und Frauen noch Frauen.

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