Erdogans islamistische Helfer

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Seit zehn Tagen versuchen Kopfabschneiderbanden im Auftrag Ankaras Teile Syriens zu erobern. Bislang ohne nennenswerten Erfolg. Mittlerweile kristallisiert sich heraus, wer für den neuen Sultan in den Kampf gezogen ist: Mörder, Vergewaltiger, Folterer.

Die Journalisten türkischer Medien brauchen dieser Tage Landkarten mit großem Maßstab. Ein Hügel hier, ein Feldweg dort: viel mehr Eroberungen können die Propagandakompanien aus dem Kanton Afrin nicht vermelden. Am Montag war die Einnahme des „strategisch wichtigen Burseya Berges“ dem Staatssender TRT International gleich drei Meldungen Wert. Der Schauplatz dieses Sieges ist zwar nicht einmal bei Google Maps zu finden, doch offensichtlich handelt es sich um ein Gebiet unmittelbar an der Grenze mit Ausblick auf die Städte Kilis (Türkei) und Azaz (Syrien, von mit der Türkei verbündeten Banditen besetzt).

Die Gründe für die militärische Pleite Ankaras sind nicht ganz klar zu erkennen. Das Wetter – die Gegend ist derzeit nach Regengüssen aufgeweicht und von Nebel überzogen – macht es den Angreifern schwer. Doch vor allem scheint es, als würden Erdogans Hilfstruppen versagen, die der Sultan zur Schonung der eigenen Soldaten ins Feld geschickt hatte.

kurdische siedlungsgebiete grafik

Welche Crème de la Crème sich dort nun seit etwa zehn Tagen austobt, kommt erst scheibchenweise an die Öffentlichkeit. Zeitweise erfolgreich war der Versuch, der Soldateska durch den Namen Freie Syrische Armee mit dem Nimbus prowestlichen Widerstandes zu umgeben. Doch die verschiedenen Gruppierungen sind noch viel illustrer.

Mit dabei ist etwa die Miliz Nur Al-Din Al-Senki. Auf sich aufmerksam machte sie vor zwei Jahren, durch die Enthauptung eines Zwölfjährigen vor laufenden Kameras. An ihrer Seite verdingt sich Ahrar Al-Scharkija, die aus der Al-Nusra-Front hervorgegangen ist. Deren Kommandant wurde zwar nicht beim Kopfabschneiden gefilmt, dafür aber bei der Vergewaltigung eines Kindes. Ebenfalls zu beobachten waren die Truppe Dschaisch Al-Nukhba, bei der es sich um einen Zusammenschluss mehrerer dschihadistischer Kleinmilizen handeln soll. Medienberichte über das Ableben des Tschetschenen Murad Margoshvilis alias Muslim Abu Walid al Schishani deuten zudem auf eine Beteiligung von dessen aus Tschetschenen und Libanesen rekrutierte Bande Dschunud asch-Scham, die wiederum Teil des Islamischen Front (nicht zu verwechseln mit dem IS) ist.

Ebenfalls gemeldet wird die Beteiligung der Turkestanischen Islamischen Partei in Syrien. Die Salafistentruppe ist etwas weit von zu Hause entfernt – eigentlich will sie ein Kalifat in Teilen Chinas errichten. Turkmenen-Milizen sind ebenfalls mit von der Partie – angeblich jene, die 2015 einen kriegsgefangenen Russen öffentlichkeitswirksam schlachteten. Auch ein syrischer Ableger der Moslembruderschaft lässt sich offenbar die Gelegenheit nicht entgehen. Meldungen weisen zudem auf die Anwesenheit der Jaysh al-Nasr hin. Einige Stimmen meinen, der Haufen sei ein umbenannter oder irgendwie verselbständigter Teil der al-Nusra-Front, was aber nicht bewiesen ist. Aktiv ist zudem anscheinend Nour al-Din al-Zenki, der Folterungen und Hinrichtungen von Zivilisten nachgesagt werden.

Weiterlesen: Die osmanische Mobilmachung – Erdogans Pseudo-Rocker als Gefahr

 

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