Das Jahresende bringt für Syrien Hoffnung auf Frieden im ganzen Land. Hauptverantwortlich dafür ist die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump von vor einer Woche, seine Truppen vollständig aus dem Land zurückzuziehen. Entgegen der Schwarzmalerei der etablierten Medien, die ein “Machtvakuum” und einen türkischen Einmarsch in die Kurdengebiete in Nordsyrien prohezeiten, hat der Schritt zu mehr Stabilität geführt: Die Kurden unterstellten sich wieder der Autorität der Regierung in Damaskus und baten Assad um militärische Unterstützung gegen einen türkischen Angriff. Damit ist ein großer Schritt zur Überwindung der Zersplitterung des Landes getan.

    Offensichtlich war die Ankündigung Trumps zwar nicht mit den US-Gremien, aber umso besser mit Putin abgestimmt. Der nutzte sofort seine Kanäle nach Ankara und schickte eine doppelte Botschaft: Erstens müsst Ihr Türken jetzt nicht mehr in Syrien einmarschieren, da jetzt, nach der Anerkennung der syrischen Zentralregierung durch die Kurden, kein kurdischer Protostaat mit Tiefenwirkung in die Türkei hinein mehr droht. Und wenn Ihr trotzdem eine Invasion wagt, bekommt Ihr es mit uns zu tun.

    In bemerkenswerter Distanz zum Mainstream hat der Bremer Weser Kurier am 28.12.2018 die Lage erkannt und die Verdienste von Putin herausgestrichen.

    In Syrien hat Moskau die Regie übernommen, weist Ankara in die Schranken und dürfte damit eine neue Eskalation der Gewalt verhindern. (…) Nach tagelangem Schweigen hat der Kreml klar gemacht, dass er ein Machtvakuum in der Region ebenso wenig dulden wird wie eine Invasion der quasi-autonomen Kurdenregion durch die Türkei, die Erdogan seit Tagen ankündigt. Russland hat wie der Iran und das Assad-Regime kein Interesse daran, dass Ankara seinen Einfluss in Syrien weiter ausdehnt. Deshalb wurden offenbar Absprachen getroffen, um Erdogans Invasionspläne zu stoppen. Wie es aussieht, müssen die Kurden nun zwar ihren Traum eines unabhängigen Teilstaats begraben, aber sie erhalten im Gegenzug Schutz gegen die türkische Aggression. Russland, das den syrischen Luftraum ab sofort konkurrenzlos beherrscht, hat Ankara unzweideutig vor einem Angriff gewarnt, und syrische Regimetruppen sind in die von einem kurdisch-arabischen Bündnis beherrschte Stadt Manbidsch eingerückt, die Erdogan zuerst attackieren wollte. Das sind gute Nachrichten, denn damit dürften neues Blutvergießen, ethnische Säuberungen und ein weiterer Exodus der Christen abgewendet werden.

    *** Trump will in Syrien seine Wahlkampf-Ankündigung des Truppenrückzugs wahr machen. Eine gute Gelegenheit, sich einmal mit dem gesamten Programm zu beschäftigen, dass der neue Präsident in Petto hat – COMPACT-Edition bietet die Gelegenheit dazu.***

    Putins Große Reden – auf Deutsch nur in der COMPACT-Edition.

    Allerdings ist die Rochade in Manbidsch noch nicht in trockenen Tüchern. Trump hat den Abzug zwar angekündigt, aber noch nicht umgesetzt. Anders als der Weser Kurier schreibt, sind auch noch keine syrischen Regierungstruppen in Manbidsch, sondern höchstens im Umfeld. Noch am Samstag (29.12.2018) wurden eine unverminderte Präsenz von US-Truppen in der Stadt und US-Kampfjets in der Luft gemeldet. Die Verwaltung der Stadt liegt immer noch bei der Kurdenmiliz YPG. Es ist damit zu rechnen, dass die Phase des von Trump angekündigten “langsamen Rückzugs” von den Kriegstreibern des Tiefen Staates dazu genutzt wird, Provokationen zu inszenieren, die man dann Assad in die Schuhe schiebt und so Druck auf das Weiße Haus ausübt, den Abzug zu revidieren.

    32 Kommentare

    1. Rumpelstielz an

      Wie destabilisiert man einen (unliebsamen) Staat? Man bewaffnet die Opposition. So in Syrien; Afghanistan usw…
      Die Folge ein Bürgerkrieg – in dem man sich dann lenkend einbringt. Israel hat zusammen aber im Hintergrund ein Interesse daran Assad zu beseitigen. Der Vater von Assad hat die Pipeline von den nördlichen Ölfeldern des Irak bis nach Israel – stillgelegt, weil Israel die zu Syrien gehörenden Golanhöhen illegal besetzt hält. VSA´s Plan Isrel am Zapfhan Europas ohne Suezkanal…. Ein Schelm der Böses denkt

    2. Gute Analyse, ein Danke an Jürgen Elsässer!
      Herr Trump macht außenpolitisch ein hervorragendes Bild, und dieses elende Geschwurbel von wegen "Schwächung des Nato-Bündnisses" ist nichts als dümmste Propaganda. Wenn die Menschen nur endlich begreifen könnten, was da mit Ihnen veranstaltet wird! Mister Trump macht es gut, er hat sich mittlerweile einen stabilen Panzer gegen die abartigen Diffamierungen zugelegt. Und der russische Präsident ist eh ein genialer Politiker. Vielleicht bringt das Jahr 2019 ja die Wende im Syrien-Krieg – Frieden unter dem gewählten Präsidenten, es wäre all den Leidtragenden zu wünschen!

      Ein frohes neues Jahr an das Compact-Team und an alle treuen Foristen hier!