Seit „Soko- Chemnitz“, der „satirischen Kunstaktion“ der linksradikalen Aktivistengruppe ZPS (Zentrum für Politische Schönheit), rollt wieder eine große Entfreundungswelle durch Facebook. Während einige „Tolerante“ die Aktion als den genialsten Einfall seit Erfindung des Handstaubsaugers feiern, macht sich der andere Teil der tief gespaltenen Gesellschaft ernsthaft Sorgen um die demokratischen Grundwerte.

    _ von Susanne Aster

    Angeblich sollte die Aktion eine Gegenreaktion auf den Online-Pranger für Lehrer sein, die die AfD ins Leben gerufen hatte. Auf dieser Plattform konnte man Lehrkräfte, die gezielt Falschinformationen bezüglich der AfD an die Jugend brachten, namentlich melden. Weiterhin wollte man das Recht auf Versammlungsfreiheit der sogenannten „Wutbürger“ in der Form vergiften, dass man durch öffentliche Denunziation und Anschwärzung beim Arbeitgeber zukünftige Demonstrationen schon im Keim erstickt. Um eventueller Strafverfolgung zu entkommen, nannten sie ihre Aktion „Kunst“.

    „Wenn Hetze den richtigen Inhalt hat, finde ich sie gut!“, kommentierte eine „Tolerante“ unter einen Beitrag über Soko Chemnitz.
    „Ich bin ja eigentlich Pazifist. Nur bei diesem braunen Pack habe ich einen etwas erweiterten Gewaltbegriff“, schnaubte der Nächste in die Runde.
    „Also findet Ihr, dass Hetze sich am Inhalt festmacht, nicht an der Methode?“, fragte ich vorsichtig. Langes Schweigen. Über Whats App meldete sich eine Bekannte mit der Sprachnachricht: „Hey, sei mal ´n bisschen vorsichtig mit dem, was Du auf Facebook schreibst. Mich schreiben schon andere Leute an, ob Du zur AfD gehörst und man Dich besser blocken sollte. Ich kenne Dich ja. Ich weiß, dass Du kein Nazi bist. Das habe ich denen auch gesagt.“

    Plötzlich wieder ein Kommentar einer dritten Person: „Mmmhh ja, weißt Du, es geht darum, dass es in letzter Zeit wieder vermehrt Hass gegen Ausländer gibt, und das wollen wir einfach verhindern.“
    „Verhindern durch Hass? Also vermeintlichen Hass durch Hass auslöschen, oder wie? Ist man dann nicht auch ein Nazi?“ Meine Ich-halte-mich-zurück-Strategie ging nicht ganz auf. „Pfui, mir wird ganz schlecht!“, meldete sich eine vierte Person, eine alte Bekannte, zu Wort. „Wie kann man nur derartig Nazi-Verbrechen verharmlosen! Ich ziehe mich mal aus der Freundschaft zurück.“

    Und zack, war ich entfreundet. In diesem Augenblick musste ich wirklich aus mehreren Gründen lachen, zuletzt auch deshalb, weil ich in zehn Jahren diese „Freundin“ nur zweimal gesehen hatte und sie ihre Wichtigkeit bei mir wohl etwas überschätzte.

    In der Zwischenzeit stapelten sich die Kommentare in meiner Timeline. „Und außerdem sollen die mal sehen, wie das so ist, wenn man im Netz an den Pranger gestellt wird! Das haben die doch mit dem Online-Pranger für Lehrer gemacht! Die AfD-Schweine!“, kommentierte wieder Person eins. „Meinst Du, alle, die auf der Demo waren, sind AfD-Schweine?“, fragte ich erstaunt. „Na klar! Und Nazischmeißfliegen! Und die Polizei behauptet auch noch, es hätte sich mehrheitlich nur um ganz normale Bürger gehandelt! Da sieht man mal wieder, wie der braune Staat seine Brut schützt!“

    „Vielleicht lag einfach keine Straftat vor und die Polizei spricht deshalb von ganz normalen Bürgern?!“, entgegnete ich, worauf es diese fiesen lachenden Smileys hagelte. Ich versuchte die Diskussion am Laufen zu halten: „Die Frage ist doch, wo das Denunzieren angefangen hat. Meiner Meinung nach hat es da begonnen, wo Lehrer im öffentlichen Dienst die AfD durch Falschinformationen anschwärzten. Da kann ich die Reaktion mit einem Online-Meldeportal verstehen.“ „Ey, bist Du blöd? Man kann doch Menschen nicht öffentlich denunzieren! Das sind Nazimethoden!“, blökte Person eins.

    Langsam wurde ich sauer: „Ey Alter, dann pack Dich mal bei Deiner eigenen Nudel, oder lass sie besser los, dann kannst Du auch wieder denken! Da stirbt ein Mensch durch einen Migranten, daraufhin Bürger friedlich gegen die Masseneinwanderung demonstrieren, keine Anzeigen, keine Verletzten, und am Ende werden diese Demonstranten im Internet als Nazis hingestellt mit Kopfgeld und Aufforderung zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses! Und das alles, weil Lehrer ihr Neutralitätsgebot nicht halten können? Was wird hier eigentlich gespielt?“

    Person eins blockierte mich mit den Worten: „Hätte ich nicht gedacht, dass hier Nazis unterwegs sind. Ich bin dann mal raus, ist mir zu blöd, dann schöne Chemtrails und viel Spaß mit Deinen braunen Freunden!“ „Ja, ebenso, und auf dass in Deinem Fall der Mensch wirklich vom Affen abstammt!“ schleuderte ich ihm noch ins Nirvana hinterher. Plötzlich schaltete sich eine fünfte Person ein, die wohl schlichtend wirken wollte: „Nun, es ist so, der Unterschied liegt darin, dass was das Zentrum für Politische Schönheit gemacht hat, ist Kunst.“ Das machte mich sprachlos. Alles, wozu ich noch imstande war, war auch einen dieser hässlich lachenden Smileys abzufeuern.

    Ich brauchte eine Nachdenkpause. Wie konnte es nur geschehen, dass erwachsene Menschen mit Schul- und Uniabschluss solch einen Mist von sich geben. Ich konnte mich in das Weltbild meines Gegenübers einfach nicht reindenken. Ich schaute mir meine Facebookfreunde nochmal genauer an. Selbstständige, Künstler, Künstler, Lehrer. Sie müssten doch genau wie ich dieses Unsicherheitsgefühl haben, was die Zukunft betrifft?! Diese Angst vor sozialem Abbau und einem unwürdigen Leben im Alter für sich und die Liebsten. Was war der Unterschied zwischen uns? Könnte es vielleicht am Charakter liegen?

    .

    Kommentare sind deaktiviert.