Ene mene Muh und raus bist Du – Der Betrug mit der Flexi-Rente

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Mitte September legte SPD-Arbeitsministerin Andrea Nahles dem Kabinett einen Gesetzentwurf zur Rente vor, der in den nächsten Tagen im Bundestag beraten werden soll. Kernstück des Entwurfs ist die Einführung der Flexi-Rente ab Anfang 2017.

_von Esmiralda Sturm

Derzeit liegt der maximal anrechnungsfreie Hinzuverdienst bei Teilzeitrentnern vor Erreichung der Regelaltersgrenze bei 450,- Euro im Monat = 5 400,- Euro jährlich. Summen über diesen Betrag werden nach einem Stufenmodell auf die Rente angerechnet. Jetzt soll alles anders werden – die Flexi-Rente wird’s richten. Teilzeitrentner zu sein wird attraktiv! Die Behörden werden ordentlich zu tun bekommen. Viele werden am Schlaraffenlandleben dieser privilegierten Gruppe teilhaben wollen und dafür sogar die dauerhaften Abschläge bis zum Ende des Rentenbezugs in Kauf nehmen.

Die anrechnungsfreie Obergrenze des Hinzuverdienstes wird um satte 900,- Euro auf 6 300,- Euro im Jahr erhöht. Dies entspricht einem monatlichen Einkommen von 525,- Euro. Darüberliegendes Einkommen wird mit 40 % besteuert. Vorsicht Falle, denn insgesamt dürfen Teilzeitrente und Hinzuverdienst nicht höher sein als der Bruttoverdienst des Durchschnitts der letzten 15 Arbeitsjahre. Die Summe, die darüber liegt, wird zu 100 % auf die Rente angerechnet. Rentenabschläge der Teilzeitrente können ab dem 55 Lebensjahr durch zusätzliche persönliche Beiträge an die Rentenversicherung ausgeglichen werden. Und wer über die gesetzliche Regelaltersgrenze hinaus arbeitet, der soll vom Arbeitgeberanteil zur Rentenversicherung profitieren. Wenn der arbeitende Rentner freiwillig seinen Arbeitnehmeranteil weiter bezahlt soll das letztendlich zu einer individuellen personenbezogenen Rentenerhöhung führen.

Des Weiteren dürfen Bezieher des ALG II nicht mehr zwangsverrentet werden, wenn sie dadurch auf ewig auf die Grundsicherung im Alter angewiesen wären und arbeitsuchend bleiben wollen.

Das ist ein Witz!

Die meisten ALG II-Bezieher dieses Alters sind schon jahrelang in diesem unsozialen System, in dem die Maßnahmen zur Aufnahme einer Arbeit am erstem Arbeitsmarkt unterirdisch sind und deshalb kaum Erfolge für die Betroffenen bringen. Somit sind viele von ihnen ohnehin auf die Grundsicherung im Alter angewiesen. Für Arbeitgeber ist es ein Gewinn, denn sie profitieren davon, dass ihnen erfahrene Fachkräfte weiterhin zur Verfügung stehen und sie für diese zukünftig keine Arbeitslosenversicherung mehr zahlen müssen – ein Geschenk an die Wirtschaft und ein unsolidarischer Schlag ins Gesicht der jüngeren arbeitenden Generation.

Insgesamt ein gelungener Gesetzentwurf! Den Murx, unter Altkanzler Schröder losgetreten und von Frau Merkel kontinuierlich fortgesetzt in Sachen Renten/Arbeitsmarktpolitik, sollen die Teilzeitrentner und Rentner, die über die Regelaltersgrenze hinaus arbeiten, wieder geradebiegen. Arbeiten, um nicht in die Grundsicherung zu müssen und um auch das persönliche Rentenloch zu verkleinern, das eine unsoziale Politik zu verantworten hat. Einfach genial!

Gruselig wird es, wenn ich mir den derzeitig aktuellen Rentenwert (Entgeltpunkt) anschaue. Er beträgt 30,45 Euro für die alten und 28,66 Euro für die neuen Bundesländer. Nur wenn der persönliche Jahresverdienst dem Durchschnittsverdienst aller Versicherten entspricht, gibt es pro Jahr einen vollen Rentenpunkt! Aber was wird aus denen, die Erwerbsminderungsrente beziehen und in die Frühverrentung gehen müssen und Menschen, die Aufgrund physischer und psychischer Erkrankungen und durch jahrelange Maloche einfach zu kaputt sind, um diesem perfiden System der Rentengesetzgebung, einschließlich der Flexi-Rente, standzuhalten?

Ene mene Muh und raus bist Du?

Und was wird mit den Teilzeitrentnern und denen, die über die Regelalterszeit hinaus arbeiten, wenn sie erkranken, bekommen sie Krankengeld? Was wird mit ihnen, wenn sie dieses diabolische Rentenspiel nicht mehr mitspielen können?

Ach so, hätte ich bald vergessen, diese Flexi-Rente soll wohl mit entsprechenden gesundheitspolitischen Maßnahmen und diversen Reha-Maßnahmen gekoppelt werden, um die Rentnertruppe fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Die Gesundheitswirtschaft wird einen richtigen Boom erleben.

Siebenmeilenstiefel auf dem Weg zu lebenslanger Arbeit

Grotesk! Das Ganze erinnert mich an einen SF- Film, da gab es in diesem Falle auf Staatskosten eine Injektion zum friedlichen Ableben. Senioren, die gern noch arbeiten möchten, sollten dies nicht wegen des Geldes tun müssen, sondern aus Freude am Job. Diese Altergruppe hat es verdient, ihren Lebensabend ohne finanzielle Sorgen zu verbringen und mit der nötigen Achtung und voller Würde behandelt zu werden. Ihre Lebensleistung hat die Wirtschaft und unser Land vorangebracht – das gilt für jede einzelne Rentengeneration.

http://www.ksta.de/wirtschaft/teilrente-das-aendert-sich-mit-der-flexi-rente-24041722?originalReferrer=https://t.co/kx9lw4cY3a&originalReferrer=https://t.co/7cU5MJop2b

http://www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/flexi-rente-gesetz-100.html

https://www.tagesschau.de/inland/flexi-rente-103.html

http://vorunruhestand.de/2016/09/was-ist-die-flexi-rente-und-wann-kommt-sie/

Flexi-Rente 2019: Neues Hinzuverdienstmodell für die Rente

http://www.deutscherentenversicherung.de/Allgemein/de/Navigation/1_Lebenslagen/05_Kurz_vor_und_in_der_Rente/01_Kurz_vor_der_Rente/04_wie_sich_die_rente_berechnet/wie_sich_die_rente_berechnet_node.html;jsessionid=0ED833BE58DD19D700CEFC8CBC2E5F18.cae02#doc233988bodyText1

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