Am 19. April startet The King – Mit Elvis durch Amerika in den Kinos. Ein Dokumentarfim, der die Schauplätze aufsucht, wo Elvis aufwuchs und wirkte. Dabei machen Regie und Publikum eine grausige Erfahrung: Das Leben der amerikanischen Unterschicht ist um keinen Deut besser, sondern (noch) schlimmer geworden. Ein Film auch über Verachtete und Unbeachtete im Land des Turbokapitalismus.

    Ein Doku-Film als Roadmovie. In Elvis’ Original-Rolls Royce fährt Regisseur Eugen Jarecki zu den Lebenstationen des Kings. Als Beifahrer: Ehemalige Freunde, Fans aus dem Volk und Hollywoodstars wie Alec Baldwin, Ashton Kutcher und Ethan Hawke.

    Dabei zeigt sich: Elvis Priesley, das war die Stimme der US-Unterschicht. In ihr wurde er geboren, in ihr fand er seine ersten Fans. Besonders die Arbeiter liebten ihn. Wir hören, wie er – im Radio-Interview – den sozial Schwachen ein besseres Leben wünscht, sich für den eigenen Reichtum beinah schämt.

    Plakat zu "The King -Mit Elvis durch Amerika"
    Plakat zu “The King -Mit Elvis durch Amerika”

    Die „gehobenen“, „kultivierten“ US-Bürger der 1950er rümpften die Nasen, wandten sich angewidert ab – um bald erfahren zu müssen, dass auch die eigene Tochter vor dem hüftkreisenden “Jugendverderber” kreischend in Ohnmacht fiel.

    Der Film zeigt Doku-Szenen der Konzerte: Hysterische Teenager, hyperventilierende Girls, ekstatischer Selbstverlust. Heutzutage erinnern sie an weibliche Opernfans des 19. Jahrhunderts, die in Konzerten von Wagner, Liszt oder Paganini ihr Bewußtsein verloren – so exotisch fern erscheinen sie uns heute, im Zeitalter emotionaler Zombiefizierung.

    Elvis Presleys Geburtsort zeigt ungebrochen die Schattenseite des American Dream. Angehörige des White Trash (Weiße Unterschicht) und Farbige wohnen in amseligen Bruchbuden. In welchem Haus hat Elvis gewohnt? – fragt der Regisseur. Die meisten Anwohner wissen es nicht. Für die Vergangenheit fehlt der Sinn. Die Gegenwart eines unerbittlichen Exitenzkampfes saugt alle Aufmerksamkeit und Kräfte auf.

    „American Dream? Scheiße!“ schreit eine ältere Frau. Eine junge farbige Mutter bestaunt den alten Rolls Royce: Nein, so ein Auto wird sie sich niemals leisten können… Ein alter Mann klagt, seine Generation sei mit einer Lüge aufgewachsen: „Wer arbeitet, kommt voran“.

    Gespalten ist die Haltung befragter Farbiger dazu, dass Elvis als Weißer mit ihrem Sound die Charts stürmte: Mancher zeigt sich verbittert, andere gönnen es ihm und in einem Falle hört man sogar unterschwelligen Stolz heraus.

    Die US-Verfassung garantiert das Recht auf Glücksstreben für alle Bürger. Aber Elvis, so hört man, habe dieses Glück realisiert: Nicht in Form von dumpfem Reichtum, sondern als Leidenschaft, Ekstase und Schönheit.

    The King – Mit Elvis durch Amerika analysiert das Phänomen „Elvis Presley“ aber auch als Groß-Event, als typisches Beispiel der US-Showkultur, zieht witzige Assoziationen zu King Kong in New York. Während des Drehs tobte in den USA der Wahlkampf. Man diskutiert in den Cafes. Eines zumindest scheint klar: Keiner der Präsidentschafts-Kandidaten zeigt Interesse für jene Schicht, der Elvis, „die Stimme Amerikas“, einst entstammte.

    COMPACT-Pirinçci 01 als Aboprämie bis zum 20.04.2018
    COMPACT-Pirinçci 01 “Schnauze! Jetzt rede ich.” als Aboprämie bis zum 20.04.2018

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