Elf Rote Jäger: Die Nationalmannschaft im Krieg

10

Auch während des Zweiten Weltkriegs spielte eine deutsche Nationalmannschaft. Sepp Herberger, Nachfolger von Otto Nerz als Reichstrainer, wurde in schwierigen Zeiten zur Vaterfigur für seine Jungs und rettete vielen das Leben. Ein Textauszug aus COMPACT-Spezial Nr. 17.

_ von Sven Reuth

Es war einerseits eine goldene, andererseits aber auch eine verlorene Generation der deutschen Rasensportler: Im Standardwerk Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft schreibt Hardy Grüne sogar, dass die DFB-Auswahl der Kriegsjahre «in sportlicher Hinsicht sicherlich zu den wohl besten Mannschaften jener Tage» zählte, was freilich wegen des eingeschränkten Spielbetriebs nur schwer unter Beweis zu stellen war.

Alles hatte verheißungsvoll begonnen: Am Pfingstsonntag des Jahres 1937 fegte Deutschland bei einem Länderspiel in Breslau die damals seit fast zwei Jahren unbesiegten Dänen mit 8:0 vom Platz. Der Mythos Breslau-Elf war geboren – sie gilt bis heute als eine der spielstärksten deutschen Mannschaften aller Zeiten. Rund um den Schalker Regisseur Fritz Szepan hatten Herberger und Nerz ein kombinationssicheres Team geformt, das seine Gegner ein ums andere Mal schwindlig spielte. Mit dem Mittelstürmer Otto Siffling vom SV Waldhof Mannheim hatte man einen gnadenlosen Vollstrecker, der allein beim Spiel gegen Dänemark fünf Treffer in 32 Minuten erzielte – ein bis heute unerreichter Rekord. Auch die Bilanz der Nationalelf im Jahr 1937 – zehn Siege bei einem Remis – war für viele Jahrzehnte die beste der DFB-Historie.

«Wiener Melange mit preußischem Einschlag»

Die politischen Umbrüche führten dann allerdings zu einem frühen Ende der Breslau-Elf: Im März 1938 wurde Österreich an das Deutsche Reich angeschlossen, was Sepp Herberger eine ganze Reihe an neuen Weltklassespielern bescherte. Der Fußballfuchs ahnte sofort, dass dies ein Danaergeschenk war. Die Mentalität und die Spielkultur der Elitekicker aus Deutschland und Österreich hätte unterschiedlicher kaum ausfallen können. Die eine – die deutsche – Seite, war besetzt mit Arbeiterkindern aus proletarisch geprägten Vereinen wie Schalke 04, Waldhof Mannheim oder dem 1. FC Schweinfurt 05, auf der anderen Seite standen die Wiener Vollprofis, die mit ihrem kurzpassgeprägten «Scheiberlfußball» ihre Sportart revolutioniert hatten. «Jede einzelne Mannschaft war besser als eine gemischte», stellte Herberger im Rückblick fest, aber «die Wiener Melange mit preußischem Einschlag» war aus politischen Gründen nicht zu verhindern.

Bei der nur drei Monate nach dem Anschluss stattfindenden WM in Frankreich musste die neue großdeutsche Mannschaft im Pariser Prinzenpark am 4. Juni 1938 gleich das Eröffnungsspiel bestreiten, kam aber über ein 1:1 nach Verlängerung gegen die Schweiz nicht hinaus. Im Entscheidungsspiel fünf Tage später siegten die Eidgenossen mit 4:2 – und Deutschland war ausgeschieden. Zur WM des Jahres 1942, die eigentlich im Deutschen Reich hatte stattfinden sollen, kam es nicht mehr. Als die Wehrmacht am 1. September 1939 in Polen einmarschierte, ahnte kaum jemand, dass dies der Auftakt für einen neuerlichen Weltkrieg war. Natürlich wurden auch Herbergers Schützlinge eingezogen, doch gleichzeitig lief der internationale Spielbetrieb weiter. (…)

Dies ist ein Auszug aus COMPACT-Spezial Nr. 17 «Nationalsport Fußball». Den vollständigen Text finden Sie im Heft. Jetzt am Kiosk – oder zur Bestellung einfach auf das Bild unten klicken.

COMPACT Spezial 17 Fußball


Über den Autor

COMPACT-Magazin

10 Kommentare

  1. Aristoteles am

    Ein interessanter Beitrag, jenseits des BRD-Hassstroms.
    In dieser Zeit soll es im Deutschen Reich auch Menschen gegeben haben,
    die sich ‚Guten Tag‘ gesagt haben, ‚Danke‘, ‚Bitte‘, ‚Guten Abend‘ –
    alles, wie wir heutigen Aufgeklärten wissen, zur Verhöhnung der Opfer.
    Auch Blumen sollen in dieser Zeit gewachsen sein.

  2. Die, die ihr Kreuzchen falsch machen, die Regierung die unerwünscht ist, haben gewonnen und die deutsche Schulmeisterin mit ihren Vasalen im Kadavergehorsam, haben verloren.
    Das ist ein Zeichen?, um wieder Hoffnung zu bekommen. Die Hoffnung stirbt zum Schluß.

  3. Stefanie Ruehle am

    LOL, warum scheibt ihr (glorifizierende!) Storys über die Zeit des Dritten Reichs? Das will doch niemand mehr hören. Ich dachte, die Position der AfD sei es, dass über die 12 Jahre Nazi-Zeit bereits VIEL ZU VIEL (von Knopp & Co.) auf biodeutsche Hirne, Tag für Tag, einprasselt? Ihr müsst euch mal entscheiden, was gilt.

    • heidi heidegger am

      nana, im äkkschnfilm DAS BOOT 1982 od. 84? ist doch auch eine sequenz drin, in der ein u-bootsmann flucht, weil er und die (boots)mannschaft gerade im rrreichsrrrundfunk hörten, dass Schalke? die kriegsmeisterschaft nun nicht mehr gewinnen kann punktemässig oder so..

      «Wiener Melange mit preußischem Einschlag» + «Scheiberlfußball» ist (literarisch) köstlich und wir alten naturfreunde-heidis raten den jungen: "Gönn Dir!" (Steffi)-küß die häändää!

  4. Karl Blomquist am

    Neulich die Frage gehört:
    "Warum sind Ostdeutsche ab circa 1943, als die Niederlage drohte, nicht lieber in die Reichsmitte gezogen?"
    Abgesehen davon, dass man damals sich die Vertreibung von 17 Millionen Deutschen von Haus und Hof wohl nicht vorstellen konnte:
    Warum begibt sich heute, da die Lage doch noch gefährlicher ist bzw. in kürze sein wird, so gut wie (noch) niemand auf den geordneten Rückzug in sichere Gebiete?

      • Karl Blomquist am

        @Tinnitus
        Gute Frage. Genau weiß das natürlich keiner. Ich schätze mal: Gebirge (Bundesgebiet + Ö), Südamerika, Russland, Mongolei u.a.
        PS: Der Gefahrenvergleich zu damals soll sich nur auf das damalige Ostdeutschland vor 75 Jahren beziehen, da von dort die meisten Vertriebenen kamen, verglichen mit der Gefahrenlage Gesamt-Bundesgebiet heute.

    • heidi heidegger am

      was heisst hier ostdeutsche, häh? Harald Schmidts mutter und heidis papa sind mähren und ohne not verlässt mann die böhmisch-mährische küche nicht. tia!

      • heidi heidegger am

        @Karle5. Juni 2018 03:49, mein tipp: Kasachstan!! die von dort sind alle hier, da ist nix mehr los und wenn GABIs firma mitarbeitet und uns Putin machen lässt, können wir von dort aus den doppelplaneten besiedeln. oder besiedeln lassen! (zit. n. Helge Schneider, hihi)

  5. Werden wir ja sehen ob Merkel nach Russland kommt ,oder , nicht…. Wenn nicht , versuchen die fremden Raubritterheere Ost der NATO das Spielfeld ohne Fussball zu erobern,mal wieder was anderes als die langweiligen Fussballspiele ,da geht was ab, Elfmeter ohne Vorankuendigung , kein Pfostenschuss ….. Rueckpass von Polens Mannschaft mit Patriot …

    Ja frueher gab es noch eine grossdeutsche Mannschaft ,ohne Ali und Baba und das im Prinzen Pariser-Park …..

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.

Empfehlen Sie diesen Artikel