Juche, der Schlagabtausch Trump-Erdogan macht Laune! Erstens, weil der Sultan endlich mal kriegt was er verdient, zweitens, weil dieses Scharmützel die eh schon weich gespülte NATO-Ostflanke zerbrechen kann. Machen wir uns nichts vor: die Affäre um den in der Türkei verhafteten Pastor Andrew Brunson ist echter Sprengstoff für die NATO.

    _ von Wolfgang Eggert

    Genau genommen steht Erdogan seit Längerem nur noch de jure fest im westlichen Militärbündnis. De facto laviert er längst zwischen Moskau und Washington und nimmt von beiden Seiten, was er kriegen kann. Überspitzt sich die Affäre, dann kippt Ankara endgültig Richtung Osten.
    Sind das nun gute oder schlechte Aussichten? Globalisten müssen und werden sie negativ konnotieren. Nationalpatrioten sehen das ganz anders. Für sie ist das Ende mit Schrecken “good news”, und das aus fünf durchaus naheliegenden Gründen:

    1. Ein islamischer, mehr und mehr zum Fundamentalismus ausgreifender NATO-Partner, ist von Haus aus ein Unding in einer abendländisch-militärischen Wertepartnerschaft.

    2. Das Ausscheiden der Türkei aus der NATO würde die unerträglichen deutschen Kniebeugen vor Erdogan endgültig beenden. Die Packelei des amtlichen Berlin mit der Muslimbruderschaft, die Flirtereien der CDU mit den Grauen Wölfen, das Offenhalten der Frage, ob die Türkei in die EU darf, all das hat seinen Grund allein in der Drohung vom Bosporus, das Lager zu wechseln. Einmal vollzogen, hat auch die Andienerei ihr Ende.

    3. Wechseln die Türken zu Putin, dann wird der NATO-Stützpunkt Incirlik, Dreh- und Angelpunkt aller angloamerikanischen Kriege in Nah- und Mittelost, geschlossen. Das macht den derzeit geplanten Iran-Feldzug, an dem nicht einmal die europäischen Eliten Interesse finden können, um einiges unwahrscheinlicher.
    4. Für die im Aufbruch befindlichen patriotischen Bewegungen in Europa hat auch ein bereits von Trump “angebotener” und dann vermutlich in einem Aufwasch gleich mit vollzogener Vollabschied der Amerikaner von ihrem Kontinent etwas sehr Erfreuliches. Zu gut ist in Erinnerung, daß nahezu jeder NATO-Konflikt transatlantisch vorangetrieben wurde. Zu gut wissen sie, dass die Stationierung amerikanischer Truppen, wo auch immer, stets eine Einschränkung der politischen Souveränität bzw. Handlungsfreiheit ihres Landes im Gepäck mit sich führt.

    Gibt es überhaupt einen(!) echten Wermutstropfen, der gegen eine verschlankte Europäisierung der NATO spräche? Ja! Ein Herausbrechen der Türkei (und erst Recht der USA) würde die europäische militärstrategische Position enorm verschlechtern. Laut Stratfor-Gründer George Friedman kann das türkische Militär die Bundeswehr oder wahlweise auch die Franzosen in einer konventionellen Auseinandersetzung binnen einer Woche auseinandernehmen. Womit sich dann, nach einem Frontwechsel, zugleich die Gefahr eines verlorenen Kriegs gegen Russland (der von NATO-Strategen im Permanenz an die Wand gemalt wird), deutlich erhöht. Aber selbst dieser Punkt hat seine positive Seite, denn er zwingt
    5. die europäischen NATO-Partner endlich dazu, ein eigenes Bündnissystem aufzubauen und ihre im globalen Privatisierungswahn abgewrackten Armeen wieder schlagkräftig zu machen. Die Mainstremmedien schreiben nun unisono, daß dieses Zeitfenster bedrohlich sei, aber das ist falsch; Abschreckung besteht mit der ´Force de frappe´ schon heute: die französischen Nuklearraketen stehen nicht aus Juxgründen in den gallischen Militärsilos, sie sind von heute auf morgen einsatzbereit. Das wissen die Türken ebenso gut wie die Russen.


    Aus Sicht abendländischer Patrioten spricht also alles dafür, dass es zum “Äußersten”, zum endgültigen Bruch mit Ankara kommt.
    Die globalistischen Eliten des vergehenden “Alten Europa” sehen das anders. Und sie bringen sich bereits in Stellung, den stattfindenden Entwicklungsfluss in ihre Richtung zu leiten. Moskau tut es ebenfalls.

    Bei seinem Balkanbesuch Ende 2017 wurde Erdogan von serbischen Regierungsvertretern, die prinzipiell als europäische Hausmacht gegen die Islamisierung gelten, überraschend freundlich begrüsst. Jelena Milic, Direktorin des Zentrums für Euro-Atlantische Studien in Belgrad, fiel auf, dass Erdogan und der serbische Präsident Aleksandar Vucic ihre Bindungen vertiefen. “Erdogans Politik wird nicht von den regierungskontrollierten serbischen Medien kritisiert. Erdogan und Vucic besuchten Sandzak, eine von bosnischen Muslimen dominierte Provinz in Serbien, wo Erdogan überaus vorsichtig auftrat und lediglich wirtschaftliche Beziehungen und Investitionsmöglichkeiten zur Sprache brachte”, so Milic. Nichtsdestoweniger wächst der türkische Einfluss in der Region mit alarmierendem Tempo. Unter normalen Bedingungen ist dieser Schulterschluss sehr untypisch für Serbien. Die Verwirrung beruhigt sich, wenn man in Betracht zieht, dass Belgrad kulturell im Bündnis mit Moskau steht. Und Ankara drauf und dran ist, diesen Bruderbund zu bereichern.

    Auch die EU wirbt, immer noch, trotz aller Beleidigungen, um den Sultan ‒ allen voran die Bundesregierung. Die Einladung Erdogans zum Staatsbesuch nach Berlin kommt ‒ gerade jetzt, auf dem Höhepunkt der amerikanisch-türkischen Spannungen ‒ nicht von ungefähr. Die Ankündigung, dass Wirtschaftsminister Altmeier direkt im Anschluss mit einer 80(!)-köpfigen Delegation in die Türkei reisen werde, ebenfalls. Altmeier wird prallgefüllte Steuersäckel mitbringen, auf welche ErdoLand dringend angewiesen ist.

    TIPPS FÜR TRADER

    Währenddessen dauert Trumps Scharmützel mit Merkels Gedeih&Verderb-Partner fort. Die türkische Lira ist weiter auf dem Weg nach unten, und das, obwohl das Weiße Haus das ganze Wochenende hindurch die Füsse stillgehalten hat. Sollte sich die Sanktionenschraube weiterdrehen, werden die Türken fertig haben. Hier reicht schon eine Blockadepolitik der amerikanisch dominierten Kreditriesen IWF und Weltbank, bei denen Ankara einer der größten Nehmer ist.

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    Selbst unbedachte Entgleisungen können zum gegenwärtigen Zeitpunkt katastrophale Auswirkungen nach sich ziehen. Es ist bekannt, dass Erdogan hinsichtlich politischer Hintergrundkräfte nicht ganz unbeschlagen ist. Schimpfkanonaden Richtung Israel als vermeintlicher oder echter Motor hinter der US-Politik gab es von ihm schon häufiger. Wiederholt er seine “antizionistischen Kriegserklärungen” auf dem Höhepunkt der gegenwärtigen White-House-Kampagne, könnte die Luft ebenfalls sehr dünn werden. Der historische Börseneinbruch der Facebook-Aktie, unmittelbar nach Zuckerbergs Erklärung, Holocaust-Leugnung auf seiner Onlineplattform zuzulassen, ist da eine deutliche Warnung.

    Börsenbegeisterte, die mit Blick zum Bosporus Morgenluft wittern, die das “shorten” aber nicht ganz zu unrecht scheuen, dürfen sich entspannen, denn ihre zweite Chance zum Einstieg kommt noch: dann, wenn der türkische Finanzmarkt kurz vor dem Zusammenbruch steht und Erdogan ganz offiziell die Lager wechselt, endgültig, Richtung Russland/China. Im Prinzip macht er das finanzpolitisch schon seit der Bonitäts-Abwertung der Türkei durch die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor’s, die ein politisches Straf-Manöver war, weil die Türken die Einkreisung gegen den Iran nicht mitmachen wollten.

    Flüchten sie sich jetzt in die offenen Arme Putins (von dem sie bereits Raketen beziehen), dann gibt es noch einmal einen kurzen Stressmoment, wenn GIs und Europäer mit faulen Tomaten und Eiern aus Incirlik verabschiedet werden. Dann aber geht’s wieder aufwärts. Allerdings auf neuen Märkten, denn die Europäer werden nach einem NATO-Ausstieg der Türkei keinen Grund mehr sehen, auf den Wackelpeter-Verbündeten Rücksicht zu nehmen; sie werden sich an die amerikanischen Sanktionen dranhängen.

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