Ein Joghurtbecher zuviel: Hartz-Empfängerin von Armenspeisung ausgeschlossen

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Seit Gerhard Schröder (SPD) und seine Kriechermedien die bürgerliche Mitte gegen Arbeitslose aufgewiegelt und Abturzängste durch Hartz-Gesetze zementiert haben, sind ca. 15 Jahren vergangen. Und doch ist die Saat noch fruchtbar. Während Oberschichten ungestraft Steuerbetrug begehen oder Banker die Gemeinschaft für ihre Zockereien blechen lassen, werden Gestolperte für kleinste Vergehen „gezüchtigt“. Dieses Verhalten hat vor Kirchentüren nicht halt gemacht.

Eine 56jährige Hartz-IV-Epfängerin aus Berlin Kreuzberg ging morgens regelmäßig zur Armenspeisung in der Emmaus-Kirche. Die ehemalige Taxifahrerin, so schrieb die B.Z., besuchte den Ort nicht nur der Nahrung, sondern auch der sozialen Kontakte willen (Armut macht einsam). Aber sie nahm nicht nur. Wenn die Bäckerei aus der Nachbarschaft ihr beispielsweise Kuchen geschenkt hatte, brachte sie den mit, um ihn dort zu teilen.

Dann, am 10. Januar, um 8 Uhr morgens, saß sie mit einer Bekannten am Frühstückstisch. Sie ging zur Tafel, nahm dort drei kleine Joghurtbecher: einen für sich, einen für die Bekannte und den dritten für später. Sie gesteht: „Ich bin nun mal eine starke Esserin, aber es waren noch viele Joghurts da.“ Es musste deswegen also niemand auf seine Ration verzichten.

Ein Ehrenamtlicher wies darauf hin, dass sie sich zuviel genommen habe. Es kam zum Gespräch, dann zum Wortduell und die Betroffene wurde laut. Darufhin erhielt sie für sechs Monate (!) Hausverbot. Die Pfarrerin bestätigte den Bann: Die Bedürftige sei laut geworden und habe die anderen Gäste gestört. Freilich sei man, so fügte sie mit einem Anflug christlicher Gnade hinzu, weiterhin gesprächsbereit. Dafür aber fehlt der Betroffenen nach eigener Aussage die Kraft: „Nur weil ich arm bin, lasse ich mich doch nicht erniedrigen“, sagt sie.

Genau das aber gilt in Deutschland im Jahre 2019 als selbstverständlich. Wer arm ist, hat keine Rechte mehr. Allein, dass es in der aktuellen Rekordwirtschaft private Armenspeisung geben muss, ist ein Skandal. Aber selbst bei den Tafeln ist die Verachtung offenbar eingezogen. In Supermärkten, wo arme Rentnerinnen wegen einer Cent-Differenz beim Flaschenpfand angezeigt werden, gilt diese Praxis schon seit Jahren.

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18 Kommentare

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    Bernd Nowack am

    Ein Lob an Karel Meissner! Seine Artikel sind immer sehr gut!!!

    Ja lieber schmeißt das spießbürgerliche „Fürsorge"-Personal den sowieso abgelaufenen Joghurt weg, der nicht verbraucht wird!

    „Die Pfarrerin bestätigte den Bann!“ Die hat es gerade nötig bei ihren rund 6000 Euro Monatseinkommen (Gehalt plus freier Miete). Widerlich diese Almosentuerei der Kirche, die keine gesellschaftlichen Veränderungen will, die die Abschaffung der kapitalistischen Ungleichheit so fürchtet wie der Teufel das Weihwasser.

    Dieses widerliche Getue der Pfaffen erinnert mich an eine Stelle in Charles Dickens „Oliver Twist“, wo Oliver im Waisenhaus um einen Nachschlag zu der dünnen Suppe bat und das gesamte Waisenhauspersonal vor Wut und Entsetzen kreischte ob der "Unverschämtheit" von Oliver.

    Die heutigen Armen sollen auch noch dankbar für die Suppe in der Suppenküche sein und dankbar für das verfaulte Obst und Gemüse von den Tafeln. So hätten es die Ausbeuter gern!

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    RASSISMUS! Wenn "Flüchtlinge" Tafeln plündern und sich daneben benehmen ohne ende trauen sie sich nicht den Mund auf zu machen, wenn eine Deutsche sich einen Joghurt zuviel mit nimmt und uneinsichtig ist, bekommt sie gleich ein halbes Jahr Hausverbot.

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    Rebecca-Vanessa Wille am

    Nun: Wenn so etwas christliche Nächstenliebe ist, war Jesus eine blxde Drxcksxu.

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      "Rentnerinnen wegen einer Cent-Differenz beim Flaschenpfand angezeigt" ???

      Finde nur
      Pfandflaschen: Lücke im Pfandsystem kostet die … – Stern

      17.06.2015 · Denn wer nun im Einzelhandel eine Flasche (zu 25 Cent Pfand) kauft und im Großhandel (zu 30 Cent …

      "Clans mit Spezialgebiet Flaschensammeln
      Wer das Modell im großen Stil betreibt, macht satte Gewinne. In Berlin hat sich bereits ein Clan darauf spezialisiert, das Leergut von Kiosken, Kneipen und Restaurants abzuholen – und zahlt den Besitzern das im Einzelhandel übliche Pfand. "
      ******************
      Muss Rentnerin wirklich 2000 Euro wegen Pfandsammelns … – NOZ

      22.09.2017 · Die „arme“ Münchner Rentnerin, über die Medien … Anna Leeb soll vor Kurzem wegen Hausfriedensbruch angezeigt worden sein, …

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    Die Tatsache einer Pfarrerin macht klar, daß es sich um eine protestantische Kirche handelte! Schröder, der aus Hannover stammte war wahrscheinlich auch Protestant, zumindest so sozialisiert, er hat ja mit seinen Maßnahmen das Sozial der SPD weggenommen, das alte Klientel der Partei verraten.
    So lange die frühen Kanzler der CDU katholisch waren, kamen solche Dinge nicht vor, manche werden sagen, brauchten wir auch damals nicht, aber das trifft es nicht! Unter protestantischer Ägide wurden auch z.B. die Ladenöffnungszeiten verlängert und das C im Parteinamen stand zunehmend für Capitalismus!

    Alle "reformierten" Kirchen halten sich ja für "Fortschrittlicher" und verkaufen ihren Sozialabbau frechweg als notwendigen "Fortschritt"! Und die Massen sind so dämlich, es ihnen abzukaufen! Die Calvinisten sind hier die extremsten und haben in den vergangenen Jahrhunderten die größten Imperien gegründet!

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    Jesus hätte der armen Frau einfach verziehen. Aber die Beamten der Amtskirchen kennen keine Gnade und kein Verzeihen. Sie sind eben Beamte, die ein gutes Gehalt abzocken. Mit Jesus, der arm war und trotzdem gab, haben diese Beamten nichts zu tun.

    Als seinen "Brotberuf" und nicht als Nachfolge Christi hat Eduard Mörike sein Priesteramt bezeichnet und auch für die heutigen Kirchenbeamten, ist das Christentum offenbar nichts anderes mehr als ein lukrativer und krisensicherer "Brotberuf".

    Eigentlich wäre es längst an der Zeit, die Amtskirchen aufzulösen und ein neues, echtes Christentum zu schaffen.

    Dass sich diese Pfarrerin nicht schämt. Aber in Deutschland darf sich jeder ein Armutszeugnis ausstellen.

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    Ich möchte niemanden zu Straftaten auffordern, aber wir sind inzwischen soweit, dass jemand besser dran ist, wenn er oder sie einsitzt. Das soll nicht heißen, dass es denen die drin sind zu gut geht, sondern dass es denen die draußen sind zu schlecht geht. Im Staat stimmt etwas nicht, wenn man für die Führsorge des Staates erst seine Rechtschaffenheit aufgeben muss.

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      Die Realität ist bereits soweit.

      Japanische Senioren bringen sich selbst ins Gefängnis – aus … – Stern

      28.04.2018 · In japanischen Gefängnissen gibt es immer mehr Senioren. Sie verüben kleine Kriminaldelikte, um ins … Gefängnissen gibt es immer mehr Senioren. Sie verüben kleine Kriminaldelikte, um ins …

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    Im Christentum gibt es keine "Pfarrerinnen". Davon abgesehen, meine weise alte Großmutter sagte immer:""Wer schreit hat Unrecht,selbst wenn er sonst Recht hätte."

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      heidi heidegger am

      ähem, stimmt zwar (noch!) mit der Ordination (bei der NAK-neuapostolisch..) aber kuck mal, allein in Los Angeles jibbett ca. genau -100- christl. Richtungen. tia-isso!

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      @ SOKRATES (Philosoph)

      Eine weise Frau, Ihre Großmutter.

      Sie wusste sicherlich auch, im Gegensatz zu Ihnen,
      dass man beim Schach spielen gegen eine Taube
      niemals gewinnen kann.

      Übrigens gibt es im (katholischen) Vatikan keine
      schwulen Priester mehr. Der Papa hat am Samstag
      den einzigen und letzten raus geschmissen.

      Der versuchts jetzt (mutmaßlich) mit Schach spielen.
      In Rom soll’s viele Tauben geben.

      Erfolgversprechender könnte aber sein, im deutschen
      Narrenland um Asyl zu ersuchen, zur protestantischen
      Sekte konvertieren, als Genderfrau sich um ein Pfarramt
      bemühen und den Lover ehelichen.

      Halleluja

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      HERBERT WEISS am

      Habe mal von jemandem gelesen, der ab und zu auch mal laut geworden ist – und der hatte mit Sicherheit Recht. Hat auch mal die Geschäftemacher aus dem Tempel gejagt.

      Hätte direkt Lust mal nach Xberg zu radeln und diesem Erbsenzähler und seiner Pfäffin die Meinung zu geigen.

      Im Übrigen halte ich Rom nicht gerade für den Nabel der Welt. Es gibt auch andere wichtige und interessante Städte – um es mal nett zu formulieren.

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    Jeder hasst die Antifa am

    Da kenne ich Leute die haben wegen nichterhalt von Schokopudding ein ganzes Asylheim zerlegt,denen ist nichts passiert

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      HERBERT WEISS am

      Das hätten bei uns sicher einige auch gern getan, doch die verfügten damals noch über einen gesunden Selbsterhaltungstrieb.

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      Stefan Schultz am

      Klar ist sie weiß. Soetwas erlaubt man sich ja nur noch gegenüber Weißen. Oder glaubst du, dass man unseren Gästen Joghurt vorenthalten würde? Niemals! Das wäre Nazi und Rechts. Und das will doch niemand sein.

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