„Von Depression keine Spur“: COMPACT sprach mit Nachbar des „Amokfahrers“ Jens R.

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COMPACT-Magazin hat sich im Fall Münster auf die Suche nach Zeugen gemacht – und wurde prompt fündig. Egon T. (Name geändert) war einige Zeit direkter Nachbar von Jens R. in einer seiner vier Wohnungen. Was er uns erzählte, passt auf den ersten Blick nicht zur Suizid-Story der Massenmedien.

Über einen Informanten erhält unsere Redaktion den Tipp – und eine Telefonnummer. Ich wähle, es klingelt, einmal, zweimal, dreimal, dann meldet sich ein älterer Herr am anderen Ende. Ich stelle mich vor, erkläre mein Anliegen: Wir sind auf der Suche nach Informationen über die Vorgänge in Münster und speziell über den mutmaßlichen Täter Jens R., sage ich. Der Mann weiß schon Bescheid. Sein Kollege hat ihn bereits unterrichtet. Ich will wissen, ob das stimmt, was ich als Vorabinfo bekommen habe: Sie waren der Nachbar von Jens R., habe ich das richtig verstanden?

Egon T. antwortet: „Ja, das ist richtig.“ Er selbst habe über die Tat aus den Medien erfahren, dann den Namen des mutmaßlichen Täters gelesen. Gestern seien die Beamten dann früh morgens mit einem Räumkommando angerückt und hätten die Wohnung seines Nachbarn untersucht. Da wusste er dann sicher, das muss also wirklich Jens R. gewesen sein.

Ich will wissen, wie gut er den Verdächtigen kannte, wann sie das letzte Mal Kontakt hatten. T. erklärt, dass er Jens R. nur sehr sporadisch gesehen und auch selten mehr als ein paar Worte mit ihm gewechselt habe. In dieser Wohnung, die nur eine von insgesamt vier Wohnungen war, die R. bewohnte, sei er „nur alle paar Monate mal“ gewesen, und dann auch immer nur für „wenige Tage“. T. wusste jedenfalls, dass Jens R. finanziell nicht schlecht dastand. Die drei kostspieligen Fahrzeuge in der Tiefgarage unterstrichen diesen Eindruck: Ein Land Rover Defender, ein VW T5 und ein neuer Touran. Wenn dann doch mal ein kurzes Hallo und Tschüss zwischen Tür und Angel geschah, hatte T. jedenfalls das Gefühl, dass es sich bei Jens R. um einen „ganz normalen Bürger“ handelte.

Er sei „immer nett und freundlich“ gewesen, „ganz normal halt“, „aufgeschlossen““, so T. Von depressivem Verhalten war „gar nichts zu spüren“. Das könne T. mit Sicherheit sagen, da er selbst bereits unter Depressionen zu leiden hatte und deshalb wisse, wie man sich da fühle. Auch sonst habe er bei Jens keine Auffälligkeiten bemerkt. Dass, wie jetzt berichtet, Jens R. psychisch krank war oder mit extremen Rückenschmerzen zu kämpfen hatte, davon habe T. nie etwas mitbekommen.  T. erzählt weiter, dass es im Haus einen Nachbarn gab, mit dem sich Jens häufiger unterhalten habe. Vor ziemlich genau drei Monaten, als er selbst Jens zum letzten Mal sah, hörte er, wie sich die Beiden im Treppenhaus ganz normal unterhielten. Das Gespräch soll sich darum gedreht haben, wo man „Urlaub“ machen wolle.

Ich lasse diese Informationen einige Sekunden auf mich wirken – dann bedanke ich mich für das Telefonat und verspreche, am nächsten Tag noch einmal anzurufen, wenn ich weitere, konkretere Fragen habe. Egon T. bedankt sich auch und legt auf. Ich halte noch einen Moment inne und frage mich: Wie passen die Aussagen des Nachbarn mit der irren Story zusammen, die gerade von NDR, WDR, Süddeutscher Zeitung und Bild präsentiert werden? Da wird Jens R. als völlig durchgeknallt, als physisches und psychisches Wrack dargestellt. Wie kann einer diesen Zustand so gut verstecken, dass ein Nachbar davon nicht das Geringste mitbekommt?

Die Tat scheint bislang unbegreiflich. Ob Jens R. wirklich der Täter war und was ihn dazu getrieben haben könnte, ist derzeit keinesfalls zweifelsfrei bewiesen. Umso mehr macht uns die Selbstsicherheit, mit der die großen Medienhäuser das psychologische Profil des Verdächtigen ausloten und seinen „Abschiedsbrief“ interpretieren, stutzig. Keine der bisherigen Eindrücke und Einschätzungen reichen aus, um ein abschließendes Urteil zu fällen. In die Köpfe der involvierten Personen kann niemand schauen. COMPACT bleibt weiter am Ball und gibt sich mit dem bisherigen Erkenntnisstand jedenfalls nicht zufrieden. Zu viele Fragen sind noch ungeklärt.

Wenn Sie selbst weitere Hinweise zur Tat beisteuern wollen, melden Sie sich bitte bei hier bei uns: redaktion@compact-mail.de – Hier nochmal der Aufruf von COMPACT

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Über den Autor

Marc Dassen

Marc Dassen wurde 1989 in Aachen geboren und hat Anfang 2015 sein Studium der Geschichte und Philosophie mit dem Bachelor-Grad abgeschlossen. Seither arbeitet er als Journalist für COMPACT-Magazin.

 

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