Volle Unterstützung von den USA, scharfe Kritik aus Moskau. Kämpfe um einen Luftwaffenstützpunkt in Caracas. Maduro: „Nur eine kleine Gruppe von Verrätern“.

    CNN und RT berichten pausenlos live von den Vorgängen in der venezolanischen Hauptstadt Caracas: Der Luftwaffenstützpunt La Carlota soll seit den Mittagsstunden in der Hand der Aufständischen sein, behauptet der von den USA unterstützte Oppositionsführer und selbsternannte Interimspräsident Juan Gaido. „In den kommenden Stunden werde aller Rückhalt zusammengefügt angesichts der Wandlung von Venezuela.“ Tatsächlich zeigen die Filmaufnahmen von den Zufahrtsstraßen von La Carlota in der Mehrzahl vermummte Demonstranten, einige bewaffnet mit Molotow-Cocktails, darunter aber auch Soldaten. Im Hintergrund hört man Schüsse. Schwere Waffen und Maschinengewehre sind allerdings weder zu sehen noch zu hören.

    Demgegenüber sagte Staatschef Nicolas Maduro: „Ich habe mit den Kommandanten (aller Militärzonen) des Landes gesprochen. Sie haben ihre Loyalität zu Volk, Verfassung und Vaterland ausgedrückt. Ich rufe zu einer Mobilisierung des Volkes auf, um den Sieg des Friedens sicherzustellen. (…) Wir werden siegen.“ Laut Maduro handelt es sich nur um eine „kleine Gruppe von Verrätern“ im Militär, die den Putsch unterstützen. Die Tatsache, dass die Kämpfe am Luftwaffenstützpunkt nun aber schon Stunden andauern, widerspricht diesem Statement. Bemerkenswert ist auch, dass der Tag mit einer spektakulären Kommandoaktion begann: Der ehemalige Oppositionsführer Leopoldo Lopez wurde aus seinem Hausarrest in Caracas befreit. Auch daran waren Uniformierte beteiligt. Gaido behauptet, im ganzen Land gäbe es Putschversuche (in seiner Diktion: „Operation Befreiung“).

    Im Kreml diskutierte Putin die Lage mit seinem Sicherheitskabinett, auch Moskau spricht von einem versuchten Putsch. Russland hat einige Dutzend Militärberater im Land, angeblich zu Ausbildungszwecken. Das russische Außenministerium warnte: „Die radikale Opposition in Venezuela hat wieder einmal zu gewalttätigen Methoden gegriffen. Anstatt die politischen Differenzen friedlich zu klären, peitscht sie den Konflikt auf und provoziert den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung und Zusammenstöße unter Einschluss des Militärs.“

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    COMPACT-Spezial Nr. 6

    US-Außenminister Pompeo hat Gaido die „volle Unterstützung“ der USA zugesichert und seine Staatsbürger in Caracas aufgefordert, geschützte Räume aufzusuchen. „We are with you“, verkündete Trumps Vize Mike Pence. US-Sicherheitsberater John Bolton hat das venezolanische Militär aufgefordert, zu Gaido überzulaufen.  „Die USA und Kolumbien stecken hinter dem Putschversuch“, sagte Venezuelas Außenminister Jorge Arreaza. Kuba unterstützt Maduro, Brasilien Gaido, Mexiko hat sich für neutral erklärt.

    Das Ganze erinnert sehr an den CIA-Putsch gegen den gewählten Präsidenten Salvador Allende 1973. Über die Hintergründe des Umsturzversuches in Venezuela informiert der Artikel „Geier über Caracas. Der Öl- und Finanzputsch in Venezuela“ in COMPACT 3/2019.

     

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