Natürlich war bei Merkels Besuch in Chemnitz auch der UN-Migrationspakt im Gespräch. Sowohl in dem Saal, in dem die Kanzlerin auf Initiative der “Freien Presse” mit geladenen Gästen diskutierte. Aber auch bei der unweit entfernten Pro-Chemnitz-Demo.

    Ein Redner sagte dort, er könne für Merkel nicht einmal mehr Zorn empfinden, so tief sei sie für ihn gesunken. Ein “Hau ab!”-Stimmenchor, bezogen auf die Kanzlerin, bestätigte ihn. Man wolle nicht 300 Jahren zurück, in eine Zeit, bevor der Staat das Gewaltmonopol übernahm. Man wolle nicht in jene Epoche zurück, wo sich der Bürger selbst verteidigen musste. Man wolle zurück in die Zeit vor 10 Jahren, wo der Staat die Sicherheit des Einzelnen noch garantieren konnte.

    Außerdem verwahrte sich ein weiterer Sprecher gegen die Mainstreampresse, die den Demonstranten das Recht abspreche, sich als “das Volk” zu bezeichnen. Vielmehr seien die heutigen Teilnehmer exakt jene, die 1989 auf die Straßen gingen. Auch die Situation sei ähnlich: Gesinnungsschnüffelei beispielsweise, die an die Stasi-Diktatur erinnere. Last but not least seien die Merkel-Gegner keine Minderheit, sondern können das #Wirsindmehr mit Recht von sich behaupten. Wichtig sei, dass auf friedlicher Basis der Dialog gesucht und die links-rechts-Spaltung überwunden werde.

    Wegen Merkels Besuch waren ganze Straßenzüge gesperrt, öffentliche Verkehrsmittel zum Teil umgeleitet. Für die Bürgermeisterin der Stadt, Barbara Ludwig (SPD), kommt der Besuch ohnehin fast drei Monate zu spät. So artikulierte sie gegenüber der Süddeutschen Zeitung ihren Frust: “Ich hatte Frau Merkel bereits im September zu einem Bürgerdialog zum Thema Zuwanderung eingeladen. Jetzt, mit Abstand von knapp drei Monaten, ist die Frage, welches Ziel sie verfolgt. Wenn der Besuch ein Signal des gesellschaftlichen Zusammenhalts sein soll, in einer Zeit der Polarisierung, dann ist er richtig und wichtig.”

    Die Erwiderung der Bundeskanzlerin  ist echt Merkel. Der Spiegel  paraphrasierte sie: “Sie habe lange darüber nachgedacht, wann der beste Zeitpunkt für ihren Besuch sei – auch vor dem Hintergrund, dass sie auf viele Menschen polarisierend wirke. Sie habe nicht in einer völlig aufgewühlten Stimmung kommen wollen. Nun gehe es für sie darum zu prüfen, was auch der Bund dafür tun könne, damit die Stadt nicht dauerhaft in ein falsches Licht gerückt werde.”

    Letzteres wäre überfällig. Zumal sich heute herausstellte, dass das Antifa-Zeckenbiss-Video tatsächlich keine Hetzjagd zeigt. (COMPACT berichtete.)

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